• 05.09.2003, 16:01:14
  • /
  • OTS0176 OTW0176

Statement zu den Berichten über Missstände im GZW!

Wien (OTS) - Die seit Jahren geäußerten Befürchtungen durch den
Mangel an Gesundheits- und Krankenpflegepersonen im geriatrischen
Bereich haben sich schneller eingestellt als von Vielen erwartet. Mit
dem Geriatriezentrum am Wienerwald ist eine der größten Institutionen
in Österreich betroffen.

Betroffen macht uns die beschriebene Situation der BewohnerInnen,
aber auch die Situation der Pflegenden, ihre Arbeitsbedingungen! Wenn
Pflegende dokumentieren, dass sie aufgrund von Personalmangel die
Patienten/Bewohner nicht täglich bei der Körperpflege unterstützen
können, zur Inkontinenzbetreuung nur Schutzhosen einsetzen, Bewohner
nachmittags schon zur Nachtruhe betten, kaum Zeit zur
Pflegedokumentation haben, dann haben sie entsprechend ihrer
Möglichkeiten gehandelt, auch wenn alle Betroffenen sich wünschten,
es wäre dazu nicht gekommen. Aber die zur Verfügung gestellten
Ressourcen geben nicht mehr Spielraum! Kein(e) Pflegende(r) wird sich
darüber zufrieden äußern! Diese Umstände werden seit Jahren
aufgezeigt und von den Verantwortlichen (Gesundheits- und
SozialpolitikerInnen) negiert.

Gefordert ist in solchen Situationen auch dass Management,
beginnend bei der Stationsleitung, der Abteilungsleitung, die
Pflegedirektion, die Kollegiale Führung, die Generaldirektion und die
GesundheitspolitikerInnen.

Eine Kultur, Missstände zu negieren bzw. auf andere Berufsgruppen
zu projizieren, wird gefördert und die eigentlichen Probleme werden
prolongiert, so im Sinne von: "Es kann nicht sein, was nicht sein
darf!", wenn von Seiten der Gesundheitspolitik trotz entsprechender
Warnungen nicht reagiert wird.

Viele Pflege- und Altenheime werden in Österreich wie "kleine"
Krankenanstalten mit einem übertrieben ausgebauten Stab an Ärzten und
zu wenigen Pflegenden geführt, ja selbst Ambulanzbetriebe sind keine
Seltenheit. Im Vordergrund steht aber die pflegerische Betreuung der
BewohnerInnen und nicht deren medizinische Behandlung. Für die
medizinische Behandlung stehen mehr als genügend Akutbetten in den
Spitälern zur Verfügung.

Dringend benötigte Ressourcen für Pflegende gehen dadurch verloren
und permanente Überforderung auf Seiten der Pflegenden macht sich
breit. Resultat davon ist, dass Pflegende kaum mehr im geriatrischen
Bereich tätig werden wollen, die frühzeitige Flucht der Pflegenden in
die Akutbereiche oder überhaupt aus dem Beruf.

Der BoeGK fordert die verantwortlichen (Gesundheits-) Politiker
auf, die Arbeitsbedingungen für die Pflegenden in den geriatrischen
Bereichen gemeinsam mit den Betroffenen zu verbessern, die Ausbildung
für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege ernsthaft
zu reformieren und nicht nach unten zu nivellieren,
Gesundheitsförderung und Stressverminderung für die Pflegenden zu
etablieren, um Pflegende länger im Beruf zu halten bzw. ausreichend
qualifizierte Bewerber für die Berufsausbildung zu gewinnen, so dass
die BewohnerInnen in den geriatrischen Institutionen zukünftig wieder
mit hoher Qualität gepflegt und betreut werden können.

Franz Allmer
Präsident des BoeGK

OTS0176    2003-09-05/16:01

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel