Ärztekammer zu GZ Wienerwald: Konsequenzen bei Bestätigung der Vorwürfe

Geriatriezentren sollten endlich in geriatrische Spitäler aufgewertet werden - Umdenken in der Gesellschaft notwendig

Wien (OTS) - Bestürzt zeigt sich der Präsident der Ärztekammer für Wien, Prim. MR Dr. Walter Dorner, über den jüngsten Prüfbericht der MA 47 zum Geriatriezentrum am Wienerwald (GZW). "Sollten sich die in diesem Bericht aufgezeigten Missstände tatsächlich so abgespielt haben und keine Einzelfälle sein, dann sind rasche und umfassende Konsequenzen nötig." Auch müsse laut Dorner überprüft werden, ob es sich dabei nur um Fehlleistungen einzelner handle, oder ob es auch eine politische Verantwortung gebe.****

Vor allem sei zu hinterfragen, ob tatsächlich genügend Pflegepersonal in den Wiener Geriatriezentren eingesetzt werde. Dorner: "Alte und multimorbide Patienten benötigen intensive Pflege, die mit einem herkömmlichen Pflegeschlüssel nicht bewerkstelligt werden kann. Ich habe hier meine Zweifel, ob der Wiener Krankenanstaltenverbund in der Vergangenheit tatsächlich die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen hat, um diesem Versorgungsauftrag gerecht zu werden." So seien derzeit zum Beispiel im Geriatriezentrum Baumgarten 23 Pflegestellen nicht besetzt.

Der Ärztekammerpräsident erinnert bei der Gelegenheit auch an eine langjährige Forderung der Ärztekammer, Geriatriezentren endlich in geriatrische Spitäler aufzuwerten. Damit käme automatisch ein besserer Betreuungsschlüssel zu Stande, der sich direkt auf die Betreuungsqualität auswirken würde. Dorner: "Spitäler bedingen, ganz im Gegensatz zu Geriatriezentren, automatisch mehr ärztliches und mehr diplomiertes Pflegepersonal." Dorner räumte aber ein, dass dies natürlich auch mit einem höheren finanziellen Aufwand verbunden sei.

Der Ärztechef kritisiert zudem, dass nach wie vor in Österreich das Problem der Altenbetreuung nicht vergesellschaftet sei: "In unserer Gesellschaft zählen die Jungen, die Dynamischen, die Erfolgreichen. Das Bewusstsein, entsprechende Einrichtungen und Betreuungsformen für jene Mitmenschen einzurichten, die diesen Kriterien nicht mehr entsprechen, fehlt nach wie vor." Die Folge sei ein sehr geringer gesellschaftlicher Status für jene, die im Bereich der Altenpflege tätig sind. Dorner: "Der Wert einer Gesellschaft misst sich aber nicht nur an den Wirtschaftsdaten oder am Pro-Kopf-Urlaubsbudget, sondern vor allem daran, wie seine alten und gebrechlichen Mitbürger betreut werden." (hpp)

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