• 04.09.2003, 12:28:09
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  • OTS0143 OTW0143

"Konsument"-Untersuchung über Basenpulver hochgradig unseriös!

Wissenschafter kritisieren widersprüchliche Aussagen, Polemiken und Irreführungen

Wien (OTS) - "Der in der Zeitschrift 'Konsument' (Heft 9, 2003)
erschienene Artikel 'Basenpulver-Sauer aufgestoßen' enthält etliche
grob unrichtige Feststellungen, welche im Sinne einer objektiven
wissenschaftlichen Diskussion dieser Thematik nicht unwidersprochen
bleiben können", kritisierten heute o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Helmut
Viernstein und Univ.-Prof. Frank M. Unger, Ph.D vom Institut für
Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Wien.
"Im Sinne der Konsumenten- und Patientensicherheit sind hier dringend
Richtigstellungen vorzunehmen." ****

So sei schon der Titel "Eine Übersäuerung des ganzen Körpers gibt
es nicht", hochgradig unseriös, so Vierstein. Während hier die
Existenz einer Übersäuerung des ganzen Körpers verneint werde,
widerspreche sich der Autor kurz darauf: "...Schon eine leichte, aber
anhaltende Übersäuerung (hier gibt es sie offenbar) kann den
altersbedingten Abbau von Muskeln und Knochen beschleunigen und die
Entwicklung von Nierensteinen fördern...Eine basenreiche Ernährung
scheint hingegen vor Osteoporose zu schützen." Eine derart
irreführende Berichterstattung sei selbst für den "Konsument"
ungewöhnlich, kritisierte Unger.

In der Tat beschreibe der Begriff der Übersäuerung oder Azidose
eine Vielzahl von Krankheitsbildern, deren Schweregrad mit dem Ausmaß
der Abweichung vom idealen pH-Wert des arteriellen Blutes (7.35-7.45)
zunehme. So bedeute ein pH-Wert von 7.0 einen unmittelbar
lebensbedrohlichen Zustand, der z. B bei Intensivpatienten auftreten
könne und schnellstens durch genau berechnete Infusionen von
Basenäquivalenten (Bicarbonat) behandelt werden müsse, betonte Unger.

Bei der im Zusammenhang mit Basenpulvern angesprochenen
Übersäuerung handle es sich jedoch um eine geringgradige, chronische,
metabolische Azidose, welche durch eine Reihe von Faktoren
hervorgerufen werden könne. "Dazu gehören regelmäßiger Genuss
fleischhältiger Mischkost, altersbedingte Funktionseinschränkungen
der Nieren, eine bewegungsarme Lebensweise, ungenügende
Flüssigkeitszufuhr, Stress, Alkohol, Nikotin, sowie Hungern und
Abmagerungsdiäten", so Vierstein.

Zur Problematik der geringgradigen, chronischen metabolischen
Azidose, zu deren Folgeerscheinungen und zu deren Linderung mittels
basischer Nahrungsergänzungsmittel existiere schon seit mehr als zehn
Jahren eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur, so Unger. In
offensichtlicher Unkenntnis dieser Literatur schrieben die Autoren im
"Konsument" hingegen: "Zu letzterem...(Basenpulver)..fehlt jegliche
wissenschaftliche Forschung. So weiß man nichts über die Wirkung auf
den Säurehaushalt des Körpers und die richtige Dosierung..." "Es gibt
zahlreiche international anerkannte Autoren, die sich seit
Jahrzehnten wissenschaftlich mit diesen Fragestellungen
auseinandersetzen und ihre Ergebnisse auch in erstrangigen,
anerkannten medizinischen Journalen veröffentlicht haben.
Entsprechende Literaturzitate können dem "Konsument" auf Wunsch gerne
zugänglich gemacht werden, stellte Unger richtig.

Widersprüchlich äußere sich auch der im Artikel zitierte Experte
(?), Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu vom Institut für Physiologie der
Universität Wien. Auf die Frage "Was bringen Basenpulver eigentlich?"
antwortet er: "Es muss einmal klar gesagt werden, die bringen
nichts." Gleich anschließend sei allerdings zu lesen: "Untersuchungen
haben gezeigt, dass eine basenreiche Ernährung zur Vorbeugung von
Osteoporose geeignet ist." "Eine Erklärung oder einen
wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Basenpulver, welche in Obst und
Gemüse enthaltene Basenäquivalente in konzentrierter Form enthalten,
nichts bringen, bleibt uns der Experte (?) schuldig", so Vierstein.

Auch dem in Mineralwässern enthaltenen Bicarbonat schreibe der im
Konsument zitierte "Experte" nützliche Wirkungen zu, während das
gleiche Bicarbonat, wenn es im Basenpulver enthalten sei, "nichts
bringt", zeigte Unger die unseriöse Berichterstattung auf. Zusätzlich
zu diesen widersprüchlichen Aussagen überrasche der "Experte" mit der
Feststellung, dass es im Magen zur Übersäuerung kommen könne. Dies
sei unrichtig, so Unger, da die Belegzellen der Magendrüsen für jedes
Äquivalent Säure ein Äquivalent Base abscheiden, sodass die
Säure-Basen-Bilanz durch Abscheidung auch größerer Mengen Magensäure
unbeeinflusst bleibe. Eine weitere im Artikel genannte Ungereimtheit
bestehe in der Einreihung des Kaffees unter die Säurebildner wie
Fleisch oder Alkohol, zeigte Vierstein auf. In Wahrheit sei Kaffee
schwach basenbildend.

"Aufgrund dieser Widersprüche und Irrtümer stellt der polemisch
und reisserisch aufgemachte Artikel Basenpulver-Sauer aufgestoßen
keine objektive Information, sondern allenfalls eine Verunsicherung
der KonsumentInnen dar und sollte einer gründlichen Revision
unterzogen werden, für die wir Ihnen gerne unsere Hilfe anbieten",
schlossen Vierstein und Unger. (Schluss)

OTS0143    2003-09-04/12:28

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