• 03.09.2003, 10:15:03
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Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien fordert Aufhebung des Eheverbots statt konservative Propaganda

Wien (OTS) - "Da die ökonomischen Belastungen, die Schwarz-Blau
den ÖsterreicherInnen aufbürdet - von der Bildung über die Gesundheit
bis hin zum Pensionssystem -, jetzt in eine 'Wertediskussion'
gemündet sind, die Jung und Alt, In- und AusländerInnen, Familien und
so genannte 'Singles' gegen einander ausspielt, ist es Zeit, dass
sich auch Lesben und Schwule dazu zu Wort melden", erklärt
HOSI-Wien-Obfrau Helga Pankratz zu den Aussagen diverser
ÖVP-PolitikerInnen der letzten Tage, die eine brisante Mischung aus
"entsolidarisierendem Neoliberalismus und einem extrem konservativen
Familienbild ergeben verbunden mit christlich-fundamentalistischer
Lustfeindlichkeit und ihrer spezifischen Ausprägungsform, einer über
viele Jahrzehnte hinweg einzementierten Antihomosexualität. Die
Aussagen von Kanzler Schüssel im gestrigen 'Standard' klingen wie der
Auftakt zu einem verschärften Propagandafeldzug für jene aus dem 19.
Jahrhundert stammende Idee von Familie, die bereits im 20.
Jahrhundert von der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung
überholt wurde."

Recht auf Fortpflanzungshilfe

Besonders in der jungen Generation der HOSI Wien schlagen die
Wellen der Empörung angesichts der ÖVP-Wertedebatte hoch: "Die
anderen sollen gezwungen werden, Kinder zu kriegen, und wir dürfen
nicht!" bringt Tanja (23) aus der Jugendgruppe in der HOSI Wien den
Umstand auf den Punkt, dass das österreichische
Fortpflanzungsmedizingesetz lesbische Paare von medizinischer
Fortpflanzungshilfe ausschließt, obwohl viele lesbische Paare diese
Hilfe gerne in Anspruch nehmen würden.

"Zur selbstbestimmten Lebensplanung vieler Frauen, die
ausschließlich oder überwiegend in lesbischen Liebesbeziehungen
leben, gehört heutzutage ganz selbstverständlich auch der Gedanke an
Elternschaft", erklärt Pankratz weiter: "In dieser
Selbstverständlichkeit, mit der vor allem lesbische Frauen der
jüngeren Generation die Gründung einer so genannten
Regenbogen-Familie’ planen, spiegelt sich zweifellos ihr gestiegenes
Selbstbewusstsein und die Erweiterung ihrer Lebensentwürfe wider."

"Wir fordern deshalb eine entsprechende Änderung des
Fortpflanzungsmedizingesetzes unter dem Aspekt der
Nichtdiskriminierung von Lesben", so Pankratz weiter. "Zur Zeit
beschränkt es die legale Möglichkeit der künstlichen Befruchtung
sowie der In-Vitro-Fertilisation auf Ehepaare bzw. auf heterosexuelle
Paare, die mindestens drei Jahre zusammengelebt haben. Auch die
Modernisierung des Adoptionsrechts, das gegenwärtig nur Ehepaare als
Adoptiveltern anerkennt, steht aus unserer Warte dringend an."

Zwt.: Menschenrechtswidriges Eheverbot

"Die Politik ist also gefordert, diesem Umstand Rechnung zu
tragen. Das muß aber auch bedeuten, alle Familienformen rechtlich
anzuerkennen", ergänzt HOSI-Wien-Obmann Christian Högl: "Das sind:
AlleinerzieherInnen, Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien - und ihre
rechtliche und soziale Gleichstellung mit der traditionellen
Vater-Mutter-Kind-Familie und damit zugleich selbstverständlich auch
die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaften mit
allen Formen des Zusammenlebens von Mann und Frau innerhalb und
außerhalb der Ehe."

"Da trifft es sich auch gut, dass - wie gestern bekannt wurde -
der Verfassungsgerichtshof das Eheverbot für gleichgeschlechtliche
Paare auf seine Vereinbarkeit mit den Menschenrechten überprüfen
muss", erklärt HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler. "Wir wissen
zwar aus Erfahrung, dass die HöchstrichterInnen äußerst konservativ
sind, appellieren aber dennoch an sie, sich ein Beispiel an ihren
kanadischen KollegInnen zu nehmen und den Menschenrechten hier zum
Durchbruch zu verhelfen. Die zuständigen Höchstgerichte in drei
kanadischen Bundesstaaten haben das Eheverbot für lesbische und
schwule Paare als menschen- bzw. verfassungswidrig aufgehoben. Daher
können dort gleichgeschlechtliche Paare seit Juni 2003 standesamtlich
heiraten. Es wäre inakzeptabel und unverständlich, müßten wir uns in
Österreich mit einem niedrigeren Menschenrechtsniveau zufriedengeben.
Die Menschenrechte sind unteilbar und universell und gelten auch für
Lesben und Schwule - das war auch der Tenor zweier jüngster
Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in
Sachen § 209 und Mietrecht." (Vgl. OTS-Aussendungen vom 9. Jänner
bzw. 24. Juli 2003)

Die Homosexuelle Initiative Wien hat auf ihrer Generalversammlung
am 8. März 2003 eine "Lesbenresolution" verabschiedet, die neben den
Bereichen Arbeitswelt, Bildung und Medien ein eigenes Kapitel dem
Thema "Ehe und Familie" widmet. Als Beitrag zur aktuellen Debatte ist
die Resolution nachzulesen auf http://www.hosiwien.at.

OTS0066    2003-09-03/10:15

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOI

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