- 31.08.2003, 09:15:00
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FSG-Jugend: Privatisierung gefährdet Lehrstellen
Voest-Ausverkauf kann zur Schließung von Lehrwerkstätten führen
Wien (FSG). Eine zweischneidige Strategie wirft der
Jugendvorsitzende der FSG (Fraktion Sozialdemokratischer
GewerkschafterInnen), Mario Lindner, den Regierungsparteien vor:
"Während in Oberösterreich ganz populistisch eine österreichische
Lösung gefordert wurde, bereitete die Bundesregierung in Wien den
totalen Ausverkauf der Voest vor." Durch die angedrohte
Totalprivatisierung der Voest und anderer ÖIAG-Unternehmen gibt die
Regierung nicht nur industriepolitische Gestaltungsmöglichkeiten auf,
sondern gefährdet auch den Fortbestand der Lehrlingsausbildung in
diesen Betrieben - "und das in Zeiten, wo ohnehin schon über 13.000
Lehrstellen fehlen", kritisiert Lindner.++++
Bei privatisierten Unternehmen, die nur darauf aus sind, die
Gewinne ihrer Eigentümer zu maximieren, besteht die Gefahr, dass sie
ihre Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit vernachlässigen.
"Gerade staatliche Unternehmen wie die Voest oder auch die ÖBB
schaffen nicht nur zahlreiche Lehrstellen, sie bieten auch die
qualitativ hochwertigste Ausbildung in ihren Lehrwerkstätten. Ob
private Eigentümer diese Investition in die Zukunft weiterführen
werden, ist mehr als unsicher", fürchtet Lindner. Auch die Bemühungen
der Voest, mehr Mädchen in technische Berufe zu bringen, könnten dann
bedroht sein.
"Der übereilte Ausverkauf von staatlichen Paradeunternehmen wie
der Voest ist eine reine Verschleuderung von Volksvermögen, gegen die
wir alle in unserer Macht stehenden Maßnahmen ergreifen werden",
kündigt der FSG-Jugendvorsitzende an und weist auf die sieben
Kilometer lange Menschenkette hin, die am 4. September vom Linzer
Voest-Standort bis zum oberösterreichischen Landhaus reichen wird.
"Sollte dieses Signal der Voest-Belegschaft und der Bevölkerung
ignoriert werden, kann ich schärfere Maßnahmen nicht ausschließen",
so Lindner weiter.
Jedenfalls gelte es, eine Wiederholung eines Debakels wie bei der
Austria-Tabak-Privatisierung zu verhindern. "Der einzige Gewinner
dabei war der neue englische AT-Eigentümer Gallaher", erinnert
Lindner. Der könne innerhalb weniger Jahre den Kaufpreis wieder
verdienen und "dann den Gewinn einstreifen, der sonst allen
österreichischen Steuerzahlern zu Gute gekommen wäre. Aber so
langfristig scheint der Finanzminister nicht zu denken".
Finanzminister Karl-Heinz Grasser bezeichnet sich selbst gerne als
"Überzeugungstäter" in Sachen Privatisierung. "Dann soll er sich am
besten selbst privatisieren, anstatt das Vermögen aller Österreicher
zu verschleudern und Arbeitsplätze zu gefährden. Um seine Versorgung
nach dem Ministeramt braucht er sich ja keine Sorgen machen",
schließt Mario Lindner.
FSG, 31. August 2003
Nr. 059
OTS0012 2003-08-31/09:15
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