DER STANDARD-Bericht: "Heimholaktion für die Bawag" von Michael Moravec und Karin Bauer

Erscheinungstag 30.8.2003

Wien (OTS) - Die Gewerkschaftsbank Bawag/P.S.K. könnte schon bald einen neuen Partner bekommen - und auch an die Wiener Börse gehen. Minderheitsaktionär Bayerische Landesbank will die Mehrheit oder steigt aus, die SPÖ drängt auf eine rasche "Heimholung" des Geldinstitutes.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) bereitet sich darauf vor, das Aktienpaket an der Bawag/P.S.K. zu übernehmen, das derzeit von der Bayerischen Landesbank (BLB) gehalten wird. Die BLB hält derzeit 46 Prozent, die restlichen 54 Prozent hält schon bisher der ÖGB.

Die BLB hat in unüblich direkter Art bekräftigt, entweder die Mehrheit an der österreichischen Bankengruppe mit dem größten Filialnetz übernehmen zu wollen oder die Anteile abzugeben. BLB-Chef Werner Schmidt meinte Anfang August, es dürfe nicht sein, dass die BLB in strategischen Fragen überstimmt werden könne (der Standard berichtete).

ÖGB-Vizepräsident und Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weninger zeigte sich über die Wortmeldungen des Partners "höchst befremdet".

Da es spätestens seit den Diskussionen um einen "Ausverkauf" der Voestalpine (siehe Seite 18) "undenkbar" ist, dass der ÖGB die Mehrheit an der Bawag abgibt, überlegt die Gewerkschaft nun Modelle, um das Vorkaufsrecht auf die BLB-Anteile in Anspruch nehmen zu können. Besonders die SPÖ macht "gehörigen Druck", die Bawag-Anteile "heimzuholen", erzählt ein hoher Gewerkschaftsfunktionär im Gespräch mit dem Standard. "Da ist einigen erst jetzt klar geworden, was der Verkauf der Bank Austria bedeutet: Die Voest wird schwarz umgefärbt, und die Sozialdemokratie schaut wie gelähmt dem Herrn Scharinger zu", meint der Gewerkschafter. Viele in der SPÖ würden nun auf die Bawag "als Rettungsanker" setzen.

Eine Komplettübernahme der Bawag auf Dauer wird von der Gewerkschaft eher abgelehnt. Das Institut benötige einen strategischen Partner, im Übrigen sei es natürlich auch eine Frage des Geldes. 1996 hatte die BLB 30,66 Prozent der Bawag vom insolventen Konsum um 4,33 Mrd. S übernommen, 15 Prozent wurden um 2,12 Mrd. S dem ÖGB abgekauft - insgesamt also rund 475 Millionen Euro investiert. Der heutige Wert des Aktienpaketes wird auf 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro geschätzt.

Im gewerkschaftlichen Teil des Bawag-Aufsichtsrates wird zwar betont, dass die Entscheidungen über die Zukunft der Bawag erst 2004 anstünden, allerdings sei ein Börsengang zur Entlastung der Finanzen "durchaus eine Option", wie ein Aufsichtsrat dem ^Standard sagte. Dass im Gremium der Bawag auch Visionäre sitzen, die an eine Fusion mit der Erste Bank denken, spricht sich ebenfalls bereits herum. Die Erste Bank hat allerdings bereits abgewunken.

Auch von Börseseite wird die Bawag hofiert. Die Wiener Börse führe bereits seit mehreren Wochen diesbezügliche Gespräche, bestätigte Börsevorstand Stefan Zapotocky. Es sei "ganz unverständlich", warum das Institut noch nicht an der Börsenrampe in Wien stehe.

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