• 29.08.2003, 17:28:11
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DER STANDARD-Bericht: "Heimholaktion für die Bawag" von Michael Moravec und Karin Bauer

Erscheinungstag 30.8.2003

Wien (OTS) - Die Gewerkschaftsbank Bawag/P.S.K. könnte schon bald
einen neuen Partner bekommen - und auch an die Wiener Börse gehen.
Minderheitsaktionär Bayerische Landesbank will die Mehrheit oder
steigt aus, die SPÖ drängt auf eine rasche "Heimholung" des
Geldinstitutes.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) bereitet sich darauf
vor, das Aktienpaket an der Bawag/P.S.K. zu übernehmen, das derzeit
von der Bayerischen Landesbank (BLB) gehalten wird. Die BLB hält
derzeit 46 Prozent, die restlichen 54 Prozent hält schon bisher der
ÖGB.

Die BLB hat in unüblich direkter Art bekräftigt, entweder die
Mehrheit an der österreichischen Bankengruppe mit dem größten
Filialnetz übernehmen zu wollen oder die Anteile abzugeben. BLB-Chef
Werner Schmidt meinte Anfang August, es dürfe nicht sein, dass die
BLB in strategischen Fragen überstimmt werden könne (der Standard
berichtete).

ÖGB-Vizepräsident und Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weninger
zeigte sich über die Wortmeldungen des Partners "höchst befremdet".

Da es spätestens seit den Diskussionen um einen "Ausverkauf" der
Voestalpine (siehe Seite 18) "undenkbar" ist, dass der ÖGB die
Mehrheit an der Bawag abgibt, überlegt die Gewerkschaft nun Modelle,
um das Vorkaufsrecht auf die BLB-Anteile in Anspruch nehmen zu
können. Besonders die SPÖ macht "gehörigen Druck", die Bawag-Anteile
"heimzuholen", erzählt ein hoher Gewerkschaftsfunktionär im Gespräch
mit dem Standard. "Da ist einigen erst jetzt klar geworden, was der
Verkauf der Bank Austria bedeutet: Die Voest wird schwarz umgefärbt,
und die Sozialdemokratie schaut wie gelähmt dem Herrn Scharinger zu",
meint der Gewerkschafter. Viele in der SPÖ würden nun auf die Bawag
"als Rettungsanker" setzen.

Eine Komplettübernahme der Bawag auf Dauer wird von der
Gewerkschaft eher abgelehnt. Das Institut benötige einen
strategischen Partner, im Übrigen sei es natürlich auch eine Frage
des Geldes. 1996 hatte die BLB 30,66 Prozent der Bawag vom
insolventen Konsum um 4,33 Mrd. S übernommen, 15 Prozent wurden um
2,12 Mrd. S dem ÖGB abgekauft - insgesamt also rund 475 Millionen
Euro investiert. Der heutige Wert des Aktienpaketes wird auf 1,2 bis
1,4 Mrd. Euro geschätzt.

Im gewerkschaftlichen Teil des Bawag-Aufsichtsrates wird zwar

betont, dass die Entscheidungen über die Zukunft der Bawag erst 2004

anstünden, allerdings sei ein Börsengang zur Entlastung der Finanzen

"durchaus eine Option", wie ein Aufsichtsrat dem ^Standard sagte.

Dass im Gremium der Bawag auch Visionäre sitzen, die an eine Fusion
mit der Erste Bank denken, spricht sich ebenfalls bereits herum. Die
Erste Bank hat allerdings bereits abgewunken.

Auch von Börseseite wird die Bawag hofiert. Die Wiener Börse führe
bereits seit mehreren Wochen diesbezügliche Gespräche, bestätigte
Börsevorstand Stefan Zapotocky. Es sei "ganz unverständlich", warum
das Institut noch nicht an der Börsenrampe in Wien stehe.

OTS0224    2003-08-29/17:28

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