"Konsument" nimmt China-Medizin unter die Lupe

Medikamente kaum auf Wirkung und Nebenwirkung überprüft. Akupunktur am besten erforscht, aber Wirkung nur in bestimmten Fällen.

Wien (OTS) - Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) boomt
auch in Österreich und übt eine magische Faszination aus: Sie soll Wunder wirken, sanft und ganzheitlich sein. Das Testmagazin "Konsument" geht in seiner jüngsten Ausgabe diesem Phänomen aus Patientensicht auf den Grund und warnt vor möglichen Gefahren. Das Konzept der Traditionellen Chinesischen Medizin ist an die Staatsräson gebunden und enthält viele magische Züge. Es unterscheidet sich völlig vom Denken der westlichen Medizin. Seine Begriffe werden oft falsch übersetzt, seine Vorstellungen eigens für uns adaptiert. In China haben sich unterschiedliche Schulen der TCM herausgebildet, die über die richtige Behandlung uneins sind.

Am besten erforscht ist ein Teilbereich der TCM, die Akupunktur. Doch die Ausbildung ist uneinheitlich. Nur 1800 der 6000 Ärzte, die in Österreich Akupunktur anbieten, haben ein von der Ärztekammer ausgestelltes Diplom. Auch Vertreter anderer medizinischer Berufe, die eigentlich nicht dazu befugt sind, setzen Nadeln - mit unterschiedlichen Kenntnissen. Patienten können auch bei einem Arzt, der TCM anbietet, nicht sicher sein, dass er eine ausreichende Schulung absolviert hat. Erst seit kurzem wird versucht, eine Standardausbildung zu etablieren.

Weltweit wird Akupunktur in Kliniken beforscht - nur bei einigen Schmerzzuständen und bei Übelkeit hilft sie wirklich. Zur Raucherentwöhnung oder Gewichtsreduktion, bei Allergien oder funktionellen Störungen ist ihre Wirksamkeit bislang nicht eindeutig belegt - aber es sind einige Schäden und sogar Todesfälle dokumentiert. "Konsument" weist darauf hin , dass seriöse Anwender auf alle Fälle Einwegnadeln einsetzen. Es reicht zur Sterilisation nicht aus, Akupunkturnadeln in Alkohol zu legen, wie das in Asien üblich ist, wo Hepatitis und Leberkrebs weit verbreitet sind.

Im Mittelpunkt der TCM steht die Arzneibehandlung. Doch die Mittel bergen Gefahren, warnt "Konsument". Chinesische Arzneien bestehen aus bis zu zwei Dutzend Komponenten - aus Pflanzen, Mineralstoffen und zu etwa zehn Prozent Tierprodukten. Ob und wie sie wirken ist kaum durch Studien, die wie bei zulassungspflichtigen Arzneimitteln auch Neben-und Wechselwirkungen erfassen, untersucht. Wer in der Apotheke ein TCM- Rezept einlöst, kann nur sicher sein, dass die Zutaten in Ordnung sind. Die Importe werden durch Stichproben kontrolliert, um Verwechslungen von Pflanzen sowie Belastungen mit Schwermetallen und Pestiziden auszuschließen. Trotzdem sind Chinamittel nicht harmlos:
Einer von hundert Patienten einer deutschen TCM-Klinik hat nach der Entlassung erhöhte Leberwerte.

In der EU gelten auch für Chinamittel Zertifizierungsregeln. Allerdings kann man über Briefkastenfirmen und Internet unkontrollierte Fertigprodukte kaufen. Und das ist problematisch:
Viele sind belastet, manche enthalten überdosiert Giftpflanzen und es finden sich Verfälschungen mit Cortison, Psychopharmaka, Schmerzmittel und sogar Viagra. Vielfach unbekannt ist ein anderer Aspekt: Manch magische Mittel enthalten Präparate von Tieren, die auf der Roten Liste stehen.

"Konsument" leitet aus den Ergebnissen seiner Recherche folgende Empfehlungen ab:

+ Zur Arztwahl: Bei in Österreich anerkannten TCM-Ärzten haben Verbraucher ein gewisses Mindestmaß an Sicherheit, dass sie kompetent behandelt werden. Nur ärztlich verschriebene Rezepte aus der Spezialapotheke nehmen.

+ Genau nachfragen: Den Anbieter nach Ausbildung und Diplom fragen. Ausbildung in Akupunktur sollte mindestens 140 Stunden umfassen, in TCM-Kräutermedizin mindestens 400 Stunden. Auch nach der Praxiserfahrung fragen. Nur Behandlung mit Einwegnadeln zulassen.

+ Vorsicht bei "Wunderdoktoren": Skepsis ist bei allzu verlockenden Versprechungen angebracht.

Einen ausführlichen Bericht zum Heilen mit Nadeln und Kräutern bietet der September-"Konsument", der dazu auch mit hilfreichen Adressen und weiterführenden Informationen aufwartet.

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