• 29.08.2003, 09:30:00
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"Konsument" nimmt China-Medizin unter die Lupe

Medikamente kaum auf Wirkung und Nebenwirkung überprüft. Akupunktur am besten erforscht, aber Wirkung nur in bestimmten Fällen.

Wien (OTS) - Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) boomt
auch in Österreich und übt eine magische Faszination aus: Sie soll
Wunder wirken, sanft und ganzheitlich sein. Das Testmagazin
"Konsument" geht in seiner jüngsten Ausgabe diesem Phänomen aus
Patientensicht auf den Grund und warnt vor möglichen Gefahren. Das
Konzept der Traditionellen Chinesischen Medizin ist an die
Staatsräson gebunden und enthält viele magische Züge. Es
unterscheidet sich völlig vom Denken der westlichen Medizin. Seine
Begriffe werden oft falsch übersetzt, seine Vorstellungen eigens für
uns adaptiert. In China haben sich unterschiedliche Schulen der TCM
herausgebildet, die über die richtige Behandlung uneins sind.

Am besten erforscht ist ein Teilbereich der TCM, die Akupunktur.
Doch die Ausbildung ist uneinheitlich. Nur 1800 der 6000 Ärzte, die
in Österreich Akupunktur anbieten, haben ein von der Ärztekammer
ausgestelltes Diplom. Auch Vertreter anderer medizinischer Berufe,
die eigentlich nicht dazu befugt sind, setzen Nadeln - mit
unterschiedlichen Kenntnissen. Patienten können auch bei einem Arzt,
der TCM anbietet, nicht sicher sein, dass er eine ausreichende
Schulung absolviert hat. Erst seit kurzem wird versucht, eine
Standardausbildung zu etablieren.

Weltweit wird Akupunktur in Kliniken beforscht - nur bei einigen
Schmerzzuständen und bei Übelkeit hilft sie wirklich. Zur
Raucherentwöhnung oder Gewichtsreduktion, bei Allergien oder
funktionellen Störungen ist ihre Wirksamkeit bislang nicht eindeutig
belegt - aber es sind einige Schäden und sogar Todesfälle
dokumentiert. "Konsument" weist darauf hin , dass seriöse Anwender
auf alle Fälle Einwegnadeln einsetzen. Es reicht zur Sterilisation
nicht aus, Akupunkturnadeln in Alkohol zu legen, wie das in Asien
üblich ist, wo Hepatitis und Leberkrebs weit verbreitet sind.

Im Mittelpunkt der TCM steht die Arzneibehandlung. Doch die Mittel
bergen Gefahren, warnt "Konsument". Chinesische Arzneien bestehen aus
bis zu zwei Dutzend Komponenten - aus Pflanzen, Mineralstoffen und zu
etwa zehn Prozent Tierprodukten. Ob und wie sie wirken ist kaum durch
Studien, die wie bei zulassungspflichtigen Arzneimitteln auch Neben-
und Wechselwirkungen erfassen, untersucht. Wer in der Apotheke ein
TCM- Rezept einlöst, kann nur sicher sein, dass die Zutaten in
Ordnung sind. Die Importe werden durch Stichproben kontrolliert, um
Verwechslungen von Pflanzen sowie Belastungen mit Schwermetallen und
Pestiziden auszuschließen. Trotzdem sind Chinamittel nicht harmlos:
Einer von hundert Patienten einer deutschen TCM-Klinik hat nach der
Entlassung erhöhte Leberwerte.

In der EU gelten auch für Chinamittel Zertifizierungsregeln.
Allerdings kann man über Briefkastenfirmen und Internet
unkontrollierte Fertigprodukte kaufen. Und das ist problematisch:
Viele sind belastet, manche enthalten überdosiert Giftpflanzen und es
finden sich Verfälschungen mit Cortison, Psychopharmaka,
Schmerzmittel und sogar Viagra. Vielfach unbekannt ist ein anderer
Aspekt: Manch magische Mittel enthalten Präparate von Tieren, die auf
der Roten Liste stehen.

"Konsument" leitet aus den Ergebnissen seiner Recherche folgende
Empfehlungen ab:

+ Zur Arztwahl: Bei in Österreich anerkannten TCM-Ärzten haben
Verbraucher ein gewisses Mindestmaß an Sicherheit, dass sie kompetent
behandelt werden. Nur ärztlich verschriebene Rezepte aus der
Spezialapotheke nehmen.

+ Genau nachfragen: Den Anbieter nach Ausbildung und Diplom fragen.
Ausbildung in Akupunktur sollte mindestens 140 Stunden umfassen, in
TCM-Kräutermedizin mindestens 400 Stunden. Auch nach der
Praxiserfahrung fragen. Nur Behandlung mit Einwegnadeln zulassen.

+ Vorsicht bei "Wunderdoktoren": Skepsis ist bei allzu verlockenden
Versprechungen angebracht.

Einen ausführlichen Bericht zum Heilen mit Nadeln und Kräutern bietet
der September-"Konsument", der dazu auch mit hilfreichen Adressen
und weiterführenden Informationen aufwartet.

OTS0042    2003-08-29/09:30

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