- 28.08.2003, 10:41:40
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Für SPÖ ist neues Jagdgesetz mit Enteignung zu vergleichen
Labg. Schaumberger: SPÖ-Zustimmung gibt es nur zu einem zeitgemäßen Jagdgesetz, aber nicht zu Doppelgleisigkeit und Zentralismus
Klagenfurt (SP-KTN) - "Feudale Jagd mit Champagner und Kaviar mag
in der Geschichte ihren Platz gehabt haben, was wir aber für die
Zukunft brauchen ist nicht ein ‚Unter-sich-sein' von Elitären,
sondern ein modernes zeitgemäßes Jagdgesetz mit der Anerkennung der
Mehrfachfunktion unseres Waldes und der Prioritäten Wald vor Wild
durch unsere JägerInnen vor Ort, die wissen, worum es geht", stellt
die Land- und Forstwirtschaftsprecherin der SPÖ im Kärntner Landtag,
Labg. Hilde Schaumberger fest. Das Interesse der Kärntnerinnen und
Kärntner an der Ressource Wald ist im letzten Jahrzehnt deutlich
gestiegen. "Ein Jagdgesetz, das nur einigen Privilegierten Vorteile
verschafft und sonst nur Nachteile bringt, wie es im vorliegenden
Entwurf der Fall ist, wird unser Zustimmung nicht bekommen, es ist
gegen den Willen der Bevölkerung und schafft Zentralismus und
Doppelgleisigkeiten", so die SP-Abgeordnete. Der Wald war und ist ein
im Allgemeininteresse stehendes Naturgut. Kärnten unterscheidet sich
von anderen Bundesländern vor allem dadurch, dass die Kärntner Wälder
von vielen Menschen bewirtschaftet werden. Derzeit gibt es 23.000
WaldeigentümerInnen, das heißt sehr viel Kleinwald- und wenige Guts-
und Herrschaftsbetriebe.
In diesem Waldsystem hat die Jagd ihre Aufgabe in der Regulierung
von Wildbeständen und in der Abwehr von Wildschäden, um das Ökosystem
Wald zu erhalten. Daher sollte die Jagd sich als Teil der
Waldwirtschaft verstehen und darstellen. "Wer das vorgelegte Gesetz
und die Folgen näher analysiert, kommt unweigerlich zum Schluss, dass
es von einem Drang der Selbstverwirklichung getragen wurde",
kritisiert Schaumberger. Statt Bürgernähe werde Zentralismus
gewünscht, statt einer Beschleunigung werden Verwaltungsabläufe
länger dauern, statt Einsparungen wird es auch für die betroffenen
JägerInnen teurer werden, statt Bürokratieabbau werden
Doppelgleisigkeiten eingeführt. Zum anderen müssen, wenn diese Gesetz
Wirklichkeit wird, Bauern in Zukunft zuschauen, wie an ihnen vorbei
über ihren Wald entschieden wird. "Die Anmaßung über die
Waldbewirtschafter hinweg alleine entscheiden zu wollen ist strikt
abzulehnen", so die SP-Abgeordnete.
Sollte die ÖVP dem neuen Gesetz zustimmen, dann ist das Verrat an
den Kärntnerinnen und Kärntnern, an jenen, die den Wald betreten
genauso, wie an jenen die den Wald bewirtschaften und dafür Steuern
zahlen. "Es kommt einer Enteignung nahe, wenn die Kärntner
Jägerschaft entscheiden wird, wo es zu einer Kernzone (Wildzuchtzone)
kommt. Oder wenn die Kärntner Jägeschaft entscheiden wird, ob durch
den Wald gewandert werden darf, oder die Menschen und damit die Gäste
ausgesperrt werden", stellt die SP-Abgeordnete fest. Es könne kein
Ausgleich geschaffen werden, wenn die beamtete Jagdverwaltung nur
mehr unter sich sein will und die Erfahrungen der JägerInnen vor Ort
nicht mehr einbindet.
Derzeit haben die Bezirkshauptmannschaften eine Funktion erfüllt,
die fachlich fundiert, schnell und mit Ortskenntnissen versehen, von
allen anerkannt wurde. "Die Ausschaltung der BH nützt sicherlich
einigen Großforstbetrieben, nicht aber den Gemeinden mit ihren
Eigenjagden, nicht den JägerInnen vor Ort und nicht den
Waldbesitzern", sagt Schaumberger und erklärt: "Mit dem vorliegenden
Gesetz bringen die Verwalter der Kärntner Jägerschaft ihre JägerInnen
in arge Legitimationsnöte, die sie nicht verdient haben und
Landesjägermeister Ferdinand Gorton handelt politisch, statt die
Interessen der JägerInnen zu vertreten".
Die SPÖ werde nur ein zeitgemäßes Jagdgesetz unterstützen, das
ökologisch, forst- natur- und tierschützerisch akzeptiert wird, die
Interessen der Bevölkerung berücksichtigt und der Erhaltung und der
Wirtschaftlichkeit des Waldes verpflichtet ist, so Schaumberger.
(Schluss)
OTS0075 2003-08-28/10:41
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