ÖGB trauert um Josef Hesoun

Ein großer Gewerkschafter verstarb heute im 74. Lebensjahr

Wien (ÖGB). Tief betroffen gibt der ÖGB bekannt, dass heute, Donnerstag, Josef Hesoun, nach längerem schweren Leiden im 74. Lebensjahr verstorben ist. Mit ihm verliert die Gewerkschaftsbewegung einen Mitstreiter, der mit ganzem Herzen für die Interessen der ArbeitnehmerInnen eintrat. Hesoun war in seiner aktiven Zeit unter anderem langjähriger Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, ÖGB-Vizepräsident, AK-NÖ-Präsident und mehr als vier Jahre Sozialminister.++++

Josef Hesoun wurde am 12. April 1930 in Vösendorf bei Wien geboren, erlernte den Beruf des Mechaniker und war vor allem ein Vollblut-Gewerkschafter. 1945 trat er als Lehrling der Gewerkschaft bei, 1952 begann er seine Karriere als Betriebsrat bei der Firma Wienerberger, 1957 wurde Hesoun Angestelltenbetriebsrat. 1957 wurde er Mitglied im niederösterreichischen Landesvorstand der Gewerkschaft Bau-Holz, 1961 bis 1973 war er Sekretär in dieser Gewerkschaft. Nach Stationen als Landessekretär und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz und Landesobmann in Niederösterreich übernahm er im April 1986 als geschäftsführender Vorsitzender die Führung seiner Gewerkschaft, im Oktober des gleichen Jahres wurde er am 12. Gewerkschaftstag der Bau-Holz-Arbeiter zum Vorsitzenden gewählt.

Von 1982 bis 1995 war Hesoun Mitglied des ÖGB-Bundesvorstands und von 1987 bis 1995 auch Vizepräsident des ÖGB. Parallel zu seiner Gewerkschaftskarriere entwickelte sich seine Laufbahn in der Arbeiterkammer: Ab 1964 Kammerrat, von 1974 bis 1990 Präsident der AK-NÖ und von 1983 bis 1991 Vizepräsident des Österreichischen Arbeiterkammertages.

Dem Parlament gehörte Josef Hesoun als Abgeordneter 15 Jahre lang an: Von 1975 bis 1979 war er Bundesrat, von 1979 bis 1990 Abgeordneter zum Nationalrat. Dem Sozialausschuss gehörte er ab Beginn seiner Tätigkeit im Nationalrat an, von 1983 an war er dessen Obmann. Im Dezember 1990 folgte Hesoun dem Ruf von Bundeskanzler Vranitzky und übernahm die Leitung des Sozialressorts in der Bundesregierung.

In seiner Tätigkeit als Bundesminister für Arbeit und Soziales setzte er mit dem Inkrafttreten des Bundespflegegeldgesetzes und der analogen landesgesetzlichen Regelungen einen vielfach in der österreichischen Sozialgesetzgebung mit europaweiter Vorbildwirkung gesehen "Meilenstein". Aber auch die Neuorganisation des Arbeitsmarktservices aus der Bundesverwaltung und viele positive Veränderungen in der sozialen Landschaft Österreichs wurden in Hesouns Ministerzeit verwirklicht.

Mit Josef Hesoun verliert die Gewerkschaftsbewegung eine großen Mann der Arbeiterbewegung, dessen ganzes Herz für die Interessen der arbeitenden Menschen in unserem Lande schlug. Gleichzeitig legte Hesoun mit seinen Leistungen als Sozialminister anderen Sozialpolitikern die Latte sehr, sehr hoch. (ew)

ÖGB, 28. August 2003
Nr. 702

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