"Konsument"-Untersuchung: Basenpräparate

Mineralwasser und basenreiche Kost sinnvoller. Neben- und Wechselwirkungen möglich. Keine wissenschaftlichen Beweise zur Theorie der Übersäuerung.

Wien (OTS) - Das stößt dem VKI (Verein für Konsumenteninformation) sauer auf: Werbeanzeigen vermitteln zunehmend den Eindruck, eine ganze Nation leide an Übersäuerung. Die Liste der angeblich drohenden "Säurekrankheiten" ist lang, von A wie Allergien über K wie Krebs bis zu Z wie Zahnschäden. In der September-Ausgabe stellt das Testmagazin "Konsument" klar, dass die Theorie der "Übersäuerung" wissenschaftlich nicht bewiesen ist und durch die Einnahme von Basenpräparaten auch Neben- und Wechselwirkungen auftreten können. Trotzdem blüht das Geschäft mit dem zeitgeistigen Wundermittel. Grund genug für "Konsument", 20 gängige Basenprodukte in Pulver- und Kapselform unter die Lupe zu nehmen. Ergebnis: Die Proben enthalten neben Hydrogencarbonat, Citrat und Carbonat oft eine viel zu üppige Anreicherung mit Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitaminen. Die Anzahl der beigefügten Substanzen schwankt zwischen 3 und 24, was eine Gefahr der Überdosierung in sich birgt. Basenpulver sollen nie direkt zu Mahlzeiten eingenommen werden, bei Nierenerkrankungen sind sie tabu. Basenreiche Ernährung und Mineralwasser sind besser als jedes Pülverchen.

Regelmäßige Kaffeegenießer, Fleischtiger und Gemüsemuffel können laut Werbung ihre Ernährungssünden mit der täglichen Einnahme von Basenpräparaten ausgleichen. Das tägliche Schlucken zur Vorbeugung gegen die Folgen falscher Ernährung ist jedoch nicht billig. Die von "Konsument" untersuchten Basenpräparate kosten zwischen 5 und 37 Euro. Je nach Produkt liegen die Kosten für eine Tagesration zwischen 17 Cent und 1,69 Euro. Der Verkauf der Basenprodukte erfolgt über Apotheken, Drogerien, Reformhäuser und Direktvertreiber. Über die Umsätze des gesamten Marktes weiß man nichts. Man geht davon aus, dass allein die beiden Marktführer "Dr. Auer" und "BasoVital" im letzten Jahr rund 172.000 Packungen über Apotheken verkauft haben.

Der Wiener Universitätsprofessor Dr. Cem Ekmekcioglu vom Institut für Physiologie ärgert sich über die Behauptung der Vertreiber, Basenpräparate könnten Krankheiten vorbeugen, die aus der Übersäuerung des Körpers entstehen: "Es gibt keine Übersäuerung des gesamten Körpers, denn dieser kann sich sehr wirkungsvoll dagegen wehren. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine basenreiche Ernährung zur Vorbeugung von Osteoporose geeignet ist. Diese wurde jedoch nicht mit Basenpräparaten durchgeführt, sondern mit gemüse- und obstreicher Kost. Manch ein Mineralwasser kann genauso basenreich sein. Ein Liter Preblauer, Peterquelle oder Juvina enthält - im Vergleich mit den Pulvern - relativ hohe Mengen an Hydrogencarbonat."

VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck ist ebenfalls überzeugt, dass Basenpräparate nichts bringen. Zur Vorbeugung gegen Zivilisationsleiden empfiehlt sie statt der teuren Pulver Säurebildner wie Fleisch, Kaffee, Cola und Alkohol zu reduzieren, dafür täglich ein halbes Kilo Obst und Gemüse, aufgeteilt auf fünf Portionen, zu essen. Für die Knochengesundheit sollte auf Milchprodukte nicht vergessen werden. Beck warnt davor, die Pülverchen direkt zu Mahlzeiten einzunehmen: "Basenpräparate sollten - wenn schon - eine Stunde vor der Mahlzeit oder zwei bis vier Stunden danach genommen werden. Denn zur Aufnahme von Eiweiß und Eisen ist das saure Milieu im Magen notwendig und die Magensäure hilft auch mit, krankheitserregende Keime aus dem Essen unschädlich zu machen." Von den 20 untersuchten Produkten konnte "Konsument" jedoch nur bei vier korrekte Verzehrsempfehlungen finden. Basenprodukte können zwar Sodbrennen oder gastritische Beschwerden lindern, bei Magenbeschwerden jedoch empfiehlt "Konsument" einen Arzt aufzusuchen, da es heute wesentlich bessere und verträglichere Arzneimittel dagegen gibt.

Kaum jemand rechnet bei den als harmlos geltenden Basenpulver mit Nebenwirkungen. Dabei sind vor allem Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln möglich. Weiters verschweigen die Hersteller, dass bei Nierenerkrankungen keine Basenprodukte eingenommen werden dürfen. Kritik kommt von Professor Ekmekcioglu auch zur wahllosen Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen: "Manches Produkt ist derart vollgestopft mit einer Unzahl unterschiedlicher Substanzen, dass darüber absolut keine Kontrolle vorhanden sein kann, was man einnimmt. Vitamine und Mineralstoffe beeinflussen sich auch gegenseitig und die Aufnahme erwünschter Substanzen kann vermindert sein - so etwa hemmen einander Kupfer und Zink."

Die unseriösen Werbe-Aussagen zum Säuren-Basen-Haushalt machen auch die ErnärhungswissenschafterInnen sauer. Mag. Eva Unterberger vom Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) kritisiert das von Verfechtern der "Übersäuerungstheorie" angewendete "Diagnose"-Werkzeug, die Messung des Harn-ph-Wertes: "Je nach Kostzusammenstellung liegt der ph-Wert des Harns zwischen 5 und 8, Harn ist also physiologischerweise sauer bis schwach basisch. Saurer Harn ist kein Hinweis auf eine Übersäuerung des Körpers sondern Ausdruck dessen, wie gut die körpereigenen Eliminationssysteme funktioneren."

Detaillierte Informationen zum Thema Säuren-Basen-Haushalt sowie eine Marktübersicht der bekanntesten Basenprodukte bietet die September-Ausgabe des Verbrauchermagazins "Konsument".

Rückfragen & Kontakt:

VKI-Abteilung Technik 2,
Mag. Birgit Beck,
Tel.: 01 / 58877 DW 257.

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NKI0001