• 21.08.2003, 13:03:51
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  • OTS0126 OTW0126

Neuer Schädling in Österreich eingeschleppt

Schmetterlingszikade "Metcalfa pruinosa" bedroht Holzpflanzen in Ostösterreich

Die Larven der Schmetterlingszikade Metcalfa pruinosa
leben an Zweigen und Blattunterseiten zahlreicher verholzter
Pflanzen und sondern große Mengen weißer Wachswolle ab. Dadurch
können sie gut erkannt werden.

Wien (OTS) - Im Juli 2003 wurde erstmals ein Massenauftreten eines
bislang in Österreich kaum in Erscheinung getretenen schädlichen
Insekts entdeckt: Metcalfa pruinosa, eine Zikade aus der Familie der
Schmetterlingszikaden hat sich in einem Waldabschnitt im 21. Wiener
Gemeindebezirk plötzlich stark vermehrt und tritt seit ihrer
Entdeckung massenweise in Erscheinung. Die lokale Bekämpfung des
Insekts durch punktuelle Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln ist
aufgrund seiner fortgeschrittenen Ausbreitung nicht mehr möglich. Die
Zikade sondert Honigtau ab, der - zu Rußtau entwickelt - die Blätter
schwarz färbt und die Pflanze durch die beschränkte
Photosynthese-Fähigkeit schwächt.

Pflanzenwachstum gehemmt, Früchte unverwertbar

Dr. Bernhard Url, Geschäftsführer der Österreichischen Agentur für
Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Direktor des
Bundesamtes für Ernährungssicherheit: "Zwar konnte bis heute nicht
nachgewiesen werden, ob der Schädling zur Verbreitung von Viren und
Phytoplasmen beiträgt, jedoch sind Schäden in der Landwirtschaft zu
befürchten: Landwirtschaftlich genutzte Holzpflanzen (Bäume,
Sträucher) werden durch den Zikaden-Befall in ihrer
Wachstumsfähigkeit geschwächt, die Früchte (z.B. Obst) durch den
Rußtau unverwertbar. Befallene Pflanzen von Baumschulen sind außerdem
ästhetisch beeinträchtigt und unverkäuflich."

Erfahrung mit dem Schädling hat man, so Url, in südlichen Ländern
Europas seit über 20 Jahren, wo sie in Obst- und Weinbaubetrieben
bekämpft werden. Ursprünglich stammt der Schädling aus Amerika, wo
sich sein Verbreitungsareal vom Bundesstaat New York bis Brasilien
erstreckt. 1979 wurde die Zikade erstmals in Europa entdeckt, und
zwar in Norditalien (Veneto), von wo aus sie sich in der Folge in
ganz Südeuropa, und zwar nach Frankreich, Slowenien, Kroatien,
Spanien und zuletzt auch nach Tschechien und in die Schweiz
verbreitete.

Schnelle Verbreitung

Wie die Schmetterlingszikade nach Wien kam, ist unklar, da das
neue Befallsgebiet in Wien weit entfernt zu den bisherigen
Verbreitungsgrenzen liegt. Vermutet wird, dass der jährliche
Verbreitungsradius um fünf bis 15 Kilometer wachsen kann. Aufgrund
der klimatischen Veränderungen hin zu höheren
Durchschnittstemperaturen kann mit einer beschleunigten Entwicklung
gerechnet werden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Die Zikade kann derzeit in Österreich durch zwei Maßnahmen
bekämpft werden: Einerseits durch das Zurückschneiden jüngerer Zweige
in der kalten Jahreszeit, da sich daran viele überwinternde Eier
befinden, andererseits durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
gegen saugende Insekten.

Bekämpfung mittels "natürlichen Feindes" in Südeuropa
erfolgreich

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und
Ernährungssicherheit prüft derzeit eine alternative, biologische
Methode mittels Einsatzes von natürlichen Gegenspielern des
Schädlings: Dazu wird ein natürlicher Feind, der ursprünglich aus
Nordamerika stammende parasitische Hautflügler "Neodryinus
typhlocybe" im Befallsgebiet frei gesetzt. Diese biologische
Bekämpfungsmethode würde den flächenmäßigen Einsatz von
Pflanzenschutzmittel als Maßnahme gegen die Zikadenverbreitung
minimieren.

Url: "Ob die Aussetzung des Parasiten für die österreichische
Fauna verträglich ist, wird gegenwärtig von der AGES genau geprüft.
Erfahrungen mit dieser Methode gibt es bereits in Italien und
Frankreich: Dort wird die Zikade seit zehn Jahren mittels Freilassung
des Parasiten erfolgreich bekämpft. Falls die Untersuchungen positiv
abgeschlossen werden können, wäre der Einsatz dieses "natürlichen"
Bekämpfers der Zikade bereits in Österreich im nächsten Jahr
möglich, falls die dafür notwendigen Zulassungsbewilligungen erteilt
werden."

Aussehen und Lebensweise

Die Zikade "Metcalfa pruinosa" saugt süße Pflanzensäfte, die sie
mit Hilfe ihres Saugrüssels aus den Gefäßbündeln von Blättern und
kleineren Zweigen ihrer Wirtspflanzen saugt. Es werden sehr viele
Ziergehölze, Obstbäume und Weinstöcke befallen, selten aber auch
krautige Pflanzen wie Brennnesseln. Dabei sondert das Tier reichlich
Honigtau ab, der gerne von Bienen eingetragen wird.

Das erwachsene Insekt erreicht samt Flügel eine Länge von etwa 8
mm. Seine Färbung ist grau, an einigen Stellen ist es von weißen
Wachsflöckchen bedeckt. Das erwachsene Tier findet man von Juli bis
in den Herbst. Es legt seine etwa 0,8 mm langen und 0,4 mm breiten
abgerundeten Eier in Ritzen und kleine Unebenheiten jüngerer Zweige.
Daraus schlüpfen im Frühjahr die Larven, welche ebenfalls
Pflanzensäfte saugen. Die Larven sondern in überreichem Ausmaß
Wachsfäden ab, so dass sie von Wachswolle nahezu bedeckt sind und
sich dadurch auch leicht verraten. Die Larven tragen nur
Flügelstummel und können ausgezeichnet springen. Nachdem insgesamt 5
Larvenstadien durchlaufen wurden, sind die Zikaden erwachsen und
beginnen nach ihrer Paarung mit der Eiablage. Dieser Zyklus wird
einmal pro Jahr durchlaufen, sodass sich lediglich eine Generation
entwickeln kann.

Bild(er) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Bild Service,
sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS0126    2003-08-21/13:03

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