Traiskirchen-Appell der Diakonie: Verbesserungen nützen allen der Bevölkerung und den Flüchtlingen

Für rasche Verbesserungen im Flüchtlingslager Traiskirchen hat die Diakonie Österreich in einer heutigen Aussendung noch einmal appelliert

Wien (OTS) - Eine verbesserte Situation in Traiskirchen nütze allen, der Bevölkerung in Traiskirchen und den Flüchtlingen, heißt es in der Aussendung, ein Ausspielen der Bewohner von Traiskirchen und den Bewohnern des Lagers schade hingegen allen. Wer die Qualität der Betreuung für Asylwerber verbessere, habe weniger Asylwerber auf der Straße, wer überschaubare Strukturen der Unterbringung schaffe, habe weniger Konflikte, wer sich um die Existenzsicherung während des Asylverfahrens kümmere, habe weniger mittellose und unversorgte Menschen, betont die Diakonie. Ohne die Arbeit der österreichischen Hilfsorganisationen wären hunderte Menschen auf der Straße, ohne die vermittelnde Arbeit der HelferInnen würden Konflikte nicht eingedämmt werden, ohne die psychologische Arbeit der NGOs (Non Govermental Organisations) würden viele gebrochene Schutzsuchende völlig abstürzen.

Die Politik des Sündenbocks verfahre seit Jahrhunderten gleich:
Eine Personengruppe, die keinen Rückhalt in der Bevölkerung habe, werde für Versäumnisse der politisch Zuständigen verantwortlich gemacht. Sie würden zu Schuldigen ihres Schicksals erklärt und müssten für alle sozialen Fehlentwicklungen herhalten. Weiters würden sie als Menschen unsichtbar gemacht. Sie würden zu einer anonymen, dunklen und gefährlichen Masse.

Beispiele dafür gebe es genügend: So sei beim Bombenanschlag auf Roma in Oberwart zuerst von einer Fehde zwischen den Roma die Rede gewesen, dann davon, dass alle Autodiebe seien. Marcus Omofuma sei sofort nach seinem Tod im Flugzeug als Drogendealer denunziert worden, der erst vor kurzem ums Leben gekommene Seibani Wague sofort zum Kriminellen gemacht, und jetzt die Tschetschenen als "besonders aggressiv" abqualifiziert worden.

Um die Situation zu entschärfen unterbreitet die Diakonie Österreich folgende Vorschläge:

1. Den betroffenen Flüchtlingen sollte ein Gesicht und eine Stimme gegeben werden. Tschetschenen zum Beispiel seien keine dunklen gesichtslosen Existenzen, sondern Menschen mit einer ernst zunehmenden Lebensgeschichte. Sie könnten vom Krieg in ihrer Heimat erzählen, von den toten Müttern und Söhnen, von ihrem Leben hier in Österreich.

2. Die Betreuung von AsylwerberInnen sollte verbessert werden, in Traiskirchen und anderswo. Gesundheitsversorgung, ein Dach überm Kopf, Konfliktvermeidung, Mediation, kleinere Einheiten der Unterbringung diene unser aller Sicherheit

3. Zur Bewältigung der vielen Asylverfahren müßten mehr Dienstposten geschaffen werden. Seit Monaten seien die Asylbehörden unterbesetzt. Die Beamten würden alleingelassen und könnten die Asylverfahren - wo es um Entscheidungen um Leben und Tod gehen kann - nicht in der erforderlichen Qualität durchführen. Man sehe es einem Menschen nicht an der Nasenspitze an, ob er vor Verfolgung geflohen sei oder "nur" aus tristen Lebensumständen. Zur Unterscheidung der Gründe gebe es das Asylverfahren. Wenn jemand einen Asylantrag stelle, dann müssten seine Fluchtgründe gut geprüft werden. Aufgabe des Asylverfahrens sei es ja, ArbeitsmigrantInnen von Flüchtlingen nach der Genfer Konvention zu unterscheiden. Je besser die Qualität der Verfahren, desto besser sei die Qualität der Asylentscheidungen. Je besser die Personalausstattung, desto schneller die Asylentscheide.

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