• 04.08.2003, 18:34:56
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Heuer geht es wieder einmal im zweiten Halbjahr aufwärts " (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 05.06.2003"

Graz (OTS) - Politiker haben es leicht, zumindest wenn es um
Prognosen geht. Sie müssen sich nicht mit Prozenten herumschlagen
sondern können ins Volle greifen. So erklärte der deutsche
Finanzminister Hans Eichel am Wochenende vollmundig, mit der
Wirtschaft seines Landes werde es wieder hinaufgehen, das sei "eine
europäische Verpflichtung". Auch Bundeskanzler
Gerhard Schröder hält die wirtschaftliche Talsohle für
durchschritten - jetzt gehe es aufwärts, sekundiert er Eichel.

Drei Jahre ökonomischer Tiefgang nicht nur in Deutschland sondern
in der gesamten EU lassen aber nicht nur Politiker darauf hoffen,
dass es langsam wieder aufwärts geht, ja gehen muss.
Konjunkturzyklen haben es eben so an sich, dass nach einem Tief
wieder ein Hoch kommt, und nicht nur in diesem Punkt können sich
Wirtschaftspropheten und Metereologen die Hand
geben. Ein mögliches Match, wer treffsicherer, wessen Prognosen
genauer gewesen sind, dürfte in den letzten Monaten allerdings an
die hauptamtlichen Wetterfrösche gegangen sein. Und
das lag nicht am anhaltenden Schönwetter sondern an der Schieflage
der Konjunkturauguren, die uns nun schon im dritten Jahr en suite
vorhersagen, im zweiten Halbjahr werde es wieder
bergauf gehen. Das war 2001 und 2002 schon so, und so läuft es auch
heuer.

Fairerweise muss allerdings erwähnt werden, dass in der letzten
Zeit unzählige ökonomische Wirbelstürme die Prognosen verweht haben.
Terror, Krieg und zuletzt die Lungenseuche SARS
haben etliche Vorhersagen zu Makulatur gemacht, und bewährte
konjunkturbelebende Mittel haben versagt. So wurden die Zinsen zwar
auf historische Tiefstwerte geschraubt, weder
Unternehmen noch Verbraucher sind indes auf den Zug aufgesprungen
und haben investiert.

Blickt man aufs erste Halbjahr lassen sich auch wenig Indikatoren
finden, die für einen Aufschwung sprechen. Der von den Politiker
geortete Stimmungsumschwung hat sich in den
realwirtschaftlichen Daten noch nicht nieder geschlagen, die
Volkswirtschaften des Euro-Raum sind heuer nur wenig gewachsen. Und
auch den USA geht es nicht viel besser. Die Hoffnung,
ein rascher Aufschwung jenseits des großen Teichs könnte auch der
europäischen Konjunktur auf die Beine helfen, hat sich als voreilig
herausgestellt.

Das (mögliche) Resümee der Wirtschaftsforscher: Anhaltendes
Schlechtwetter. Ganz so schlimm, könnten die Wetterfrösche
einwerfen, muss es nicht sein. Prognosen über einen längeren
Zeitraum sind Unfug. Also Sonnenschein. ****

OTS0140    2003-08-04/18:34

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