"Kleine Zeitung" Kommentar: "Heuer geht es wieder einmal im zweiten Halbjahr aufwärts " (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 05.06.2003"

Graz (OTS) - Politiker haben es leicht, zumindest wenn es um Prognosen geht. Sie müssen sich nicht mit Prozenten herumschlagen sondern können ins Volle greifen. So erklärte der deutsche Finanzminister Hans Eichel am Wochenende vollmundig, mit der Wirtschaft seines Landes werde es wieder hinaufgehen, das sei "eine europäische Verpflichtung". Auch Bundeskanzler
Gerhard Schröder hält die wirtschaftliche Talsohle für durchschritten - jetzt gehe es aufwärts, sekundiert er Eichel.

Drei Jahre ökonomischer Tiefgang nicht nur in Deutschland sondern in der gesamten EU lassen aber nicht nur Politiker darauf hoffen, dass es langsam wieder aufwärts geht, ja gehen muss. Konjunkturzyklen haben es eben so an sich, dass nach einem Tief wieder ein Hoch kommt, und nicht nur in diesem Punkt können sich Wirtschaftspropheten und Metereologen die Hand
geben. Ein mögliches Match, wer treffsicherer, wessen Prognosen genauer gewesen sind, dürfte in den letzten Monaten allerdings an die hauptamtlichen Wetterfrösche gegangen sein. Und
das lag nicht am anhaltenden Schönwetter sondern an der Schieflage der Konjunkturauguren, die uns nun schon im dritten Jahr en suite vorhersagen, im zweiten Halbjahr werde es wieder
bergauf gehen. Das war 2001 und 2002 schon so, und so läuft es auch heuer.

Fairerweise muss allerdings erwähnt werden, dass in der letzten Zeit unzählige ökonomische Wirbelstürme die Prognosen verweht haben. Terror, Krieg und zuletzt die Lungenseuche SARS
haben etliche Vorhersagen zu Makulatur gemacht, und bewährte konjunkturbelebende Mittel haben versagt. So wurden die Zinsen zwar auf historische Tiefstwerte geschraubt, weder
Unternehmen noch Verbraucher sind indes auf den Zug aufgesprungen und haben investiert.

Blickt man aufs erste Halbjahr lassen sich auch wenig Indikatoren finden, die für einen Aufschwung sprechen. Der von den Politiker geortete Stimmungsumschwung hat sich in den
realwirtschaftlichen Daten noch nicht nieder geschlagen, die Volkswirtschaften des Euro-Raum sind heuer nur wenig gewachsen. Und auch den USA geht es nicht viel besser. Die Hoffnung,
ein rascher Aufschwung jenseits des großen Teichs könnte auch der europäischen Konjunktur auf die Beine helfen, hat sich als voreilig herausgestellt.

Das (mögliche) Resümee der Wirtschaftsforscher: Anhaltendes Schlechtwetter. Ganz so schlimm, könnten die Wetterfrösche einwerfen, muss es nicht sein. Prognosen über einen längeren Zeitraum sind Unfug. Also Sonnenschein. ****

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