- 31.07.2003, 11:47:25
- /
- OTS0082 OTW0082
Gusenbauer-Vorschlag bestraft kranke Menschen
SPÖ-Vorschlag zur Gesundheitsreform richtet sich gegen Patienten
Wien (OTS) - "Die Aussagen von SPÖ-Vorsitzendem Dr. Gusenbauer,
wonach Ärzte, die überdurchschnittlich teure Medikamente
verschreiben, bestraft werden und ihnen der Entzug der Kassenverträge
angedroht werden soll, sind für uns Ärzte nicht nachvollziehbar.
Offensichtlich ist der SPÖ-Chef nur sehr mangelhaft über die
Strukturen im österreichischen Gesundheitssystem informiert - was
bedenklich traurig stimmt." so Dr. Lothar Fiedler, Präsident der NÖ
Ärztekammer, zu den Aussagen von Dr. Alfred Gusenbauer in der
gestrigen ZiB 2.
"Teuere Medikamente werden vor allem bei schwerstkranken
Patienten, wie bei Krebspatienten, bei chronisch Nierenkranken oder
bei solchen mit schweren Herzerkrankungen eingesetzt. Diesen Personen
ihre - zugegebenermaßen teuren - Medikamente zu entziehen, wäre eine
völlige Fehlentwicklung in unserem Gesundheitssystem. Aus
medizinischer Sicht ist es darüber hinaus nachgewiesen, dass bei
gleicher Diagnose Patienten auf verschiedene Medikamente
unterschiedlich reagieren. Was für den Einen optimal ist, kann für
den Anderen wenig wirksam sein - diese Erfahrung machen wir Ärzte
immer wieder. Unsere Aufgabe ist es - selbstverständlich unter
Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und unter umsichtiger
ökonomischer Vorgangsweise - die beste erhältliche Therapie für
unsere Patienten aufgrund unseres Wissens sicherzustellen. Das Beste
muss nicht immer das Teuerste sein - es kann es aber sein!"
Der Präsident der NÖ Ärztekammer fordert, dass das Gesundheitssystem
nicht durch Androhung von Sanktionen und Strafen gegen jene, die da
sind um Kranken zu helfen, saniert wird. Vielmehr sollte eine
gezielte und nachhaltige Information aller Betroffenen zur Erreichung
der gewünschten Ziele dienen.
Fiedler: "Kein Arzt wird vorsätzlich ein teures Medikament
verschreiben. Wenn aber die Politik glaubt, durch Androhung von
Sanktionen in die ärztliche Therapie eingreifen zu müssen, so wird
dies die Qualitätsspirale in unserem Land nach unten ziehen. Dies
kann nicht im Sinne einer verantwortungsvollen Politik liegen.
Vielmehr wären unsere Politiker aufgerufen, durch neue und innovative
Ideen alle Beteiligten zu motivieren, den verantwortungsbewussten
Umgang mit Medikamenten ständig im Bewusstsein zu haben."
Im Bereich der Umwelt habe man beispielsweise durch
Pfandwertflaschen auch ein Umdenken in der Bevölkerung herbeigeführt
- und dies völlig aufkommensneutral. Außerdem fordert der Präsident
der NÖ Ärztekammer die Einbindung von Ärztevertretern in den von
Bundeskanzler Schüssel vorgeschlagenen Reformdialog für das
Gesundheitswesen. Es sollte dies jedoch ein Gremium werden, welches
auch die Kompetenz besitzt, innovative Ideen tatsächlich umzusetzen.
Fiedler: "Wir Ärzte sind bereit, dabei konstruktiv im Sinne
unserer Patienten mitzuarbeiten. Und aus unserer täglichen Praxis
wissen wir: Wirkliche Erfolge hat man immer über Motivation erzielt
-niemals über Sanktion!"
OTS0082 2003-07-31/11:47
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AEN






