Gusenbauer-Vorschlag bestraft kranke Menschen

SPÖ-Vorschlag zur Gesundheitsreform richtet sich gegen Patienten

Wien (OTS) - "Die Aussagen von SPÖ-Vorsitzendem Dr. Gusenbauer, wonach Ärzte, die überdurchschnittlich teure Medikamente verschreiben, bestraft werden und ihnen der Entzug der Kassenverträge angedroht werden soll, sind für uns Ärzte nicht nachvollziehbar. Offensichtlich ist der SPÖ-Chef nur sehr mangelhaft über die Strukturen im österreichischen Gesundheitssystem informiert - was bedenklich traurig stimmt." so Dr. Lothar Fiedler, Präsident der NÖ Ärztekammer, zu den Aussagen von Dr. Alfred Gusenbauer in der gestrigen ZiB 2.

"Teuere Medikamente werden vor allem bei schwerstkranken Patienten, wie bei Krebspatienten, bei chronisch Nierenkranken oder bei solchen mit schweren Herzerkrankungen eingesetzt. Diesen Personen ihre - zugegebenermaßen teuren - Medikamente zu entziehen, wäre eine völlige Fehlentwicklung in unserem Gesundheitssystem. Aus medizinischer Sicht ist es darüber hinaus nachgewiesen, dass bei gleicher Diagnose Patienten auf verschiedene Medikamente unterschiedlich reagieren. Was für den Einen optimal ist, kann für den Anderen wenig wirksam sein - diese Erfahrung machen wir Ärzte immer wieder. Unsere Aufgabe ist es - selbstverständlich unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und unter umsichtiger ökonomischer Vorgangsweise - die beste erhältliche Therapie für unsere Patienten aufgrund unseres Wissens sicherzustellen. Das Beste muss nicht immer das Teuerste sein - es kann es aber sein!"
Der Präsident der NÖ Ärztekammer fordert, dass das Gesundheitssystem nicht durch Androhung von Sanktionen und Strafen gegen jene, die da sind um Kranken zu helfen, saniert wird. Vielmehr sollte eine gezielte und nachhaltige Information aller Betroffenen zur Erreichung der gewünschten Ziele dienen.

Fiedler: "Kein Arzt wird vorsätzlich ein teures Medikament verschreiben. Wenn aber die Politik glaubt, durch Androhung von Sanktionen in die ärztliche Therapie eingreifen zu müssen, so wird dies die Qualitätsspirale in unserem Land nach unten ziehen. Dies kann nicht im Sinne einer verantwortungsvollen Politik liegen. Vielmehr wären unsere Politiker aufgerufen, durch neue und innovative Ideen alle Beteiligten zu motivieren, den verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten ständig im Bewusstsein zu haben."

Im Bereich der Umwelt habe man beispielsweise durch Pfandwertflaschen auch ein Umdenken in der Bevölkerung herbeigeführt - und dies völlig aufkommensneutral. Außerdem fordert der Präsident der NÖ Ärztekammer die Einbindung von Ärztevertretern in den von Bundeskanzler Schüssel vorgeschlagenen Reformdialog für das Gesundheitswesen. Es sollte dies jedoch ein Gremium werden, welches auch die Kompetenz besitzt, innovative Ideen tatsächlich umzusetzen.

Fiedler: "Wir Ärzte sind bereit, dabei konstruktiv im Sinne unserer Patienten mitzuarbeiten. Und aus unserer täglichen Praxis wissen wir: Wirkliche Erfolge hat man immer über Motivation erzielt -niemals über Sanktion!"

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