Europäische Stahlverbraucher durch Expansion der Stahlerzeuger unter Druck

EU-Dachverband fordert Beendigung der Schutzmaßnahmen und uneingeschränkt freien Stahlhandel

Wien (PWK 507) - Ein besseres Verhältnis zwischen den europäischen Stahlerzeugern und den europäischen Stahlverbrauchern ist das Ziel der beiden Dachverbände Eurofer und Orgalime. Insbesondere der Trend zur Konzentration der Stahlproduzenten und zur Marktbeherrschung bereitet den Stahlverbrauchern Kopfzerbrechen. Zudem gibt es Bestrebungen zu einer vertikalen Expansion der Stahlproduzenten in Bereiche, die früher den metallbearbeitenden Betrieben vorbehalten waren. "Die Stahlbranche hat sich verändert. Heute zählt nicht mehr das Volumen, sondern die Wertschöpfung. Gleichzeitig befindet sich aber der Markt unter Druck. Wie haben trotz eines sich verringernden Verbrauchs einen starken Preisanstieg zu verzeichnen", erklärt der Geschäftsführer des FV der Metallwarenindustrie, Wolfgang Locker.

Mit einem Verbrauch von geschätzten 100 Millionen Tonnen pro Jahr ist die europäische Maschinen-, Elektro-, Elektronik-, und Metallwarenindustrie der größte Stahlverbraucher in der EU. Starke Preiserhöhungen bei Stahl, stehen sinkende Produktionszahlen des Hauptstahlverbrauchers gegenüber (-4,1%). Stark zurückgegangen ist auch die Anzahl der Beschäftigten (-200.000). Die Mehrzahl der Stahlerzeugnisse verzeichnete Preiserhöhungen zwischen 15% und 20%, während gleichzeitig der Stahlverbrauch in der EU zurückging (-1,4% im Jahr 2002).

Gleichzeitig haben die Importbeschränkungen der US-Regierung, und kurz darauf ähnliche Maßnahmen der EU und anderer Staaten den Stahlmarkt verzerrt. Die Stahlpreise haben nicht nur in den USA sondern weltweit angezogen. Die tatsächliche Abnahme des Importangebots in der EU - aufgrund der Befürchtungen der Verbraucher die Einfuhrquoten zu überschreiten und dafür Zölle entrichten zu müssen - hat zu weiteren Spannungen auf dem Stahlmarkt geführt, da das Angebot auf dem Binnenmarkt wegen des zunehmenden Konzentrationsprozesses zurückgeht.

"Das Ergebnis ist, dass in der EU heute die höchsten Stahlpreise zu verzeichnen sind, während viele unserer Mitglieder Schwierigkeiten bei der Versorgung melden", so Locker. Aus diesem Grund fordert Orgalime, der Dachverband der europäischen Stahlverbraucher, dem auch der FV der Metallwarenindustrie angehört, eine Reihe von Maßnahmen:

Die Kommission darf keine weiteren Maßnahmen ergreifen, die den freien Stahlhandel beschränken. Dies betrifft vor allem Antidumping-Maßnahmen, die zu einem Zeitpunkt, da die Preise historische Höchststände erreicht haben, im Lichte der Versorgungsmängel auf dem Binnenmarkt und der Interessen der Stahlverbraucher gesehen werden sollten.

Die Kommission wird ersucht, die Auswirkungen der Ost-Erweiterung auf den Stahlbinnenmarkt abzuschätzen und sicherzustellen, dass ausreichende Einfuhrquoten aus Ländern wie Russland, Kasachstan und der Ukraine festgesetzt werden, um den neuen Mitgliedsstaaten zu erlauben weiterhin auf ihre traditionellen Versorgungsquellen zuzugreifen, aber auch den Zugang zu den bestehenden Quoten für die EU-Industrie nicht zu unterbrechen. (us)

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Wirtschaftskammer Österreich,
Mag. Manuela Steinbrucker-Murri
Fachverband der Metallwarenindustrie
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