"Neues Volksblatt" Kommentar: "Zu plump" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 26. Juli 2003

Linz (OTS) - =

Das ganze Jahr über konnte die SPÖ als
Oppositionspartei weiterhin nicht Fuß fassen. Jetzt, im Sommer, wollte Parteichef Alfred Gusenbauer den strategischen Coup landen: Im Zangengriff zwischen seiner SPÖ und Jörg Haiders Ehrgeiz sollte die ÖVP weichgeklopft werden. Also wurde flugs die frühere Ausgrenzungspolitik zur FPÖ zum Fehler erklärt. Jetzt kam wieder die Rolle rückwärts: Ja zur sachlichen Zusammenarbeit, aber, um Gottes Willen, doch keine spätere Koalition. Gusenbauers Denkfehler: Er unterschätzte Widerstände in seiner Partei, die mit der FPÖ weiter nichts zu tun haben möchten - wenn auch manch prononcierter Alt-FP-Kritiker, wie etwa Josef Broukal, mit recht fliegenden Fahnen seinem Chef nachhopste. Und, vor allem, er unterschätzte freiheitliche Kräfte in der Bundespolitik, die das schlagzeilenträchtige Polit-Spielchen allzu rasch durchschauten. Strategien werden zum Bumerang, wenn sie zu plump daherkommen. Nur Jörg Haider kann sich in der Spargel-Koalition ins Fäustchen lachen. Und so wird dieser Sommer vergehen - und die SPÖ wird wieder im inhaltlich-strategischen Niemandsland dahintümpeln.

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