• 23.07.2003, 11:50:04
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Prammer: Menschen sollen selbst über Familienform entscheiden können

SPÖ-Organisationen starten neue Familienkampagne zur Modernisierung des Familienrechts

Wien(SK) "Es stört uns, dass Menschen durch die konservative
Familienpolitik der Regierung in einem immer enger werdenden Korsett
leben sollen", erläuterte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara
Prammer im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch die Motivation
von sechs SPÖ-Organisationen die Familienkampagne "Meine Familie.
Mein Leben. Meine Wahl" zu starten. "Die Menschen sollen selbst
entscheiden können, wer oder was für sie Familie ist", rückte
Prammer das Ziel der Kampagne - die Wahlfreiheit bei der Definition
der Familie - in den Mittelpunkt. Neben den SPÖ-Frauen wird die
Kampagne zur Modernisierung des Familienrechts von den
Kinderfreunden, dem Pensionistenverband, der Jungen Generation, der
Volkshilfe und der SoHo getragen.****

"Die SPÖ-Frauen verstehen sich als Lobby der
alleinerziehenden Frauen, die von den konservativen Parteien im
Besonderen stigmatisiert werden", betonte Barbara Prammer. Geht es
nach den SPÖ-Frauen sollen nicht die konservativen Parteien
entscheiden, wer oder was Familie sei, sondern die Menschen selber.
Es komme in erster Linie auf das "demokratische Leben" innerhalb des
Familienverbands und die Eigenständigkeit der einzelnen Mitglieder
an, so Prammer. Ein Punkt, auf den auch die Bundesvorsitzende der
Kinderfreunde, Waltraud Witowetz-Müller, - aus dem Blickwinkel der
"Lobby für die Kinder" - hinwies: "Wichtig ist nicht die
Familienform, in der die Kinder aufwachsen, sondern wie die
Erwachsenen mit den Kindern umgehen, ob sie ihnen Vertrauen, Schutz
und Sicherheit geben können."

Liane Garnhaft, Verbandssekretärin des Pensionistenverbands,
setzte sich vor allem für die Stärkung des Generationenvertrags und
die Entwicklung einer eigenständigen Altersvorsorge für Frauen ein
und wandte sich mit Vehemenz gegen Pensionskürzungen, gegen die
Aushöhlung des Witwen- bzw. Witwerpensionsrechts.

Wie Garnhaft übte auch Josef Weidenholzer, Bundesvorsitzender der
Volkshilfe, massive Kritik am "konservativen Klischee der
Großfamilie": "Die Familien heute sind nicht so, wie es im
Bilderbuch steht." Besonderes Augenmerk legte Weidenholzer im
Zusammenhang mit dem sogenannten "Recht auf Familie" auf die
Familienzusammenführung aus dem Ausland, bei der die Regierung immer
"sehr kleinlaut" werde.

"Die rechtliche Verbesserung der nicht ehelichen
Gemeinschaften" war der Bundessekretärin der Jungen Generation,
Andrea Katz, ein besonderes Anliegen. Katz forderte unter anderem
den gesetzlichen Unterhaltsanspruch des Lebensgefährten während
aufrechter Lebensgemeinschaft und auch - zumindest befristet - nach
deren Auflösung.

"Noch weiter hinten", respektive noch weniger Rechte als die nicht
ehelichen Gemeinschaften haben die gleichgeschlechtliche Paare,
empörte sich Günther Tolar, Bundesvorsitzender der SoHo. Die
Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren gelte ja nicht
einmal als nicht-eheliche Gemeinschaft. "Wir sind genauso Familie
wie alle anderen und verlangen das Recht, uns unser Familienmodell
aussuchen zu können", unterstrich Tolar - und brachte damit auch die
Essenz der Familienkampagne auf den Punkt. Denn: Die rechtlichen
Grundlagen für alle Formen von Lebensgemeinschaften zu schaffen,
dieses Ziel eint die Initiatoren der Familienkampagne.(Schluss)lm

OTS0089    2003-07-23/11:50

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