AK/ÖGB-Studie zeigt: Atypische Beschäftigung bringt vor allem Nachteile

Wien (AK) - Das von ÖGB und AK gemeinsam durchgeführte Beratungsprojekt Flexpower wurde von einem eigenen Forschungsprojekt begleitet. In der Zeit von Jänner 2002 bis November 2002 nahmen insgesamt 528 Personen an einer standardisierten Erhebung teil, sodass nun erstmals in Österreich auch in Detailfragen ein umfassendes Zahlenmaterial zu atypisch Beschäftigten, insbesondere zu Freien DienstnehmerInnen und Neuen Selbständigen vorliegt. Die Studie belegt: Atypische Beschäftigung bringt massive Nachteile.****

Die Ergebnisse im Detail:
Die Zusammensetzung der Ratsuchenden bei Flexpower zeigt folgende Abweichungen von der Struktur der in einem Normalarbeitsverhältnis Beschäftigten:
77 Prozent der Freien DienstnehmerInnen und 62 Prozent der Neuen Selbständigen sind jünger als 35 Jahre (bei Unselbständigen in einem Normalarbeitsverhältnis sind dies nur 43 Prozent).

85 Prozent der Freien DienstnehmerInnen und 91 Prozent der Neuen Selbständigen haben zumindest Matura (27 Prozent sind es bei einem Normalarbeitsverhältnis).
59 Prozent der Freien DienstnehmerInnen und 68 Prozent der Neuen Selbständigen sind Frauen (43 Prozent sind es bei einem Normalarbeitsverhältnis).

Die Ratsuchenden konzentrierten sich vor allem auf sieben Bereiche: Wirtschaftliche-kaufmännischer Bereich/Büro (13 Prozent), Erwachsenenbildung (12 Prozent), Journalismus (12 Prozent), Sport, Kunst, Design (12 Prozent), Werbung, PR, Marketing (12 Prozent), Technische Wissenschaft, Technik, Handwerk (11 Prozent), EDV (11 Prozent).

Interessant ist, dass atypische Beschäftigung bereits in Bereichen Fuß fasst, wo man es bis vor kurzem nicht vermutet hätte (z.B. Pool-Schwestern im medizinischen Bereich). Und noch etwas ist bei den Tätigkeitsfeldern bemerkenswert: Es suchten weniger Freie Dienstnehmer mit Hilfs- oder angelernten Tätigkeiten die Beratungsstelle auf, als (nach einer vom BM für Wirtschaftliche Angelegenheiten in Auftrag gegebenen Studie) der tatsächlichen Verteilung entspricht. Die Besserqualifizierten verstehen es anscheinend auch besser, bestehende Informations- und Unterstützungschancen zu nützen.

Zahlreiche Nachteile für atypisch Beschäftigte
+ Knapp 60 Prozent haben den Schritt in die atypische Beschäftigung nicht freiwillig gesetzt, sondern wurden insbesondere durch die prekäre Arbeitsmarktsituation dazu gezwungen.
+ Bei atypisch Beschäftigten kommt es zu großen Arbeitszeit- und Einkommensschwankungen. Das mittlere Einkommen liegt bei € 900.-netto, der Median bei € 800.-. Der Netto-Durchschnittsstundenverdienst beträgt € 7,73.-. Diese Werte liegen jedenfalls erheblich unter den Nettostundenverdiensten bei Unselbständigen in einem Normalverhältnis, die im Durchschnitt etwa € 10,00.- betragen.
+ Auch bei atypischer Beschäftigung sind Frauen diskriminiert: Auf der Basis der Stundenverdienste verdienen Frauen mit Matura um 9 Prozent weniger als Männer, Frauen ohne Matura um 17 Prozent.
+ 80 Prozent der Freien DienstnehmerInnen und 63 Prozent der Neuen Selbständigen haben nur einen einzigen Auftraggeber, was bedeutet, dass der Großteil dieser Gruppe von einem Beschäftiger wirtschaftlich abhängig ist. Für viele die sogenannte neue Selbständigkeit in eine neue Unselbständigkeit.
+ 70 Prozent aller Ratsuchenden sehen Probleme bei der sozialen Absicherung, wobei folgende Problemfelder besonders hervorstechen:
Krankheitsfall (50 Prozent sehen hier Probleme), Arbeitslosigkeit (43 Prozent) und Pension (33 Pension).

Was wollen atypisch Beschäftigte
+ 50 Prozent der atypisch Beschäftigten tendieren (wieder) in Richtung Normalarbeitsverhältnis, nur 29 Prozent in Richtung Selbständigkeit (Rest: "weiß nicht" bzw. "sonstiges"). Das deckt sich in den Grundzügen mit einer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten in Auftrag gegebenen Studie, wonach für 56 Prozent der Freien DienstnehmerInnen diese Beschäftigungsform aus der Not geboren wurde ("zweite Wahl"). Die überwiegende Mehrzahl von ihnen hätte lieber eine vollversicherte Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung.
+ Fast durchgängig wird das Fehlen einer starken Lobby bzw. Interessenvertretung vermisst, wobei folgende Aufgabenfelder definiert werden: 77 Prozent Beratung im Vertragsrecht, 70 Prozent Beratung im Sozialversicherungsrecht, 70 Prozent Beratung im Steuerrecht, 57 Prozent Verbesserungen im Sozialrecht, 54 Prozent Verbesserungen im Arbeitsrecht, 50 Prozent Minimalsicherung bei Honoraren, 48 Prozent Hilfestellungen bei der Aus- und Weiterbildung, 47 Prozent Organisation (Vernetzung) von Menschen in einer ähnlichen Lage.

Die Studie finden Sie im Internet unter www.akwien.at bzw www.oegb.or.at.

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Thomas Angerer
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