• 19.07.2003, 20:14:15
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"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Ambrozys Lernfähigkeit (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 20.07.2003

Klagenfurt (OTS) - Ist das ein Sommer! Wird das ein Herbst,
Winter, Spätwinter und Vorfrühling! So richtig nach dem Geschmack
heimischer Spitzenpolitiker, jener Spezies, die des Lebens Fülle dem
Termin zuordnet, des Tages Höhepunkt in der Pressekonferenz erblickt,
des Abends Lust im Veranstaltungsbesuch. Die wilde, mit stereotypem
Lächeln vorgetragene Jagd braust dahin. Vom die Bürger permanent
beglückenden oder verärgernden Wahlkampf ist die Rede. Und so hetzen
sie, die Politiker, quer durch die Bezirke, befrachten Events und
wichtigere Ereignisse mit händeschüttelnder Präsenz, stürzen sich
bierkrügelschwingend in derbes Sauaustreiben oder feinbetucht ins
Kulturgespinst.

"Volksnähe" hat ihren Hintergrund, und der fällt, wie es aussieht,
auf den 7. März 2004. Es geht ums Füllen der Urnen, um die künftige
Zusammensetzung des Landtages, und parallel dazu greift die aus der
Sicht der breiten Öffentlichkeit wesentlich attraktivere Frage um
sich, ob der amtierende Landeshauptmann vehement vorgetragenem Druck
seines Stellvertreters Peter Ambrozy gewachsen sein wird. Nüchterne
Daten sprechen für Rot: Ambrozys Partei rangiert klar vor den
Freiheitlichen; jede Menge Umfragedaten räumen dem SP-Chef Vorteile
gegenüber Jörg Haider ein. Für Ambrozy spricht weiters die
Geschlossenheit der Partei sowie die überschaubare Walstatt. Im
Gegensatz dazu rangiert Haider inmitten einer deformierten,
zerstrittenen, unberechenbaren Freiheitlichen Partei und hat noch
dazu zwei Fronten - lokale und bundespolitische - zu bedienen.

Am Wahltag haben allerdings nicht Meinungsforscher, sondern Wähler
das Wort. Fix ist nix. Gelingt es Ambrozy, dem Kontrahenten eine
(geschichtsträchtige) Niederlage zu bereiten, dürfte sein Name in der
New York Times, der Washington Post, im Sydney Morning Herald, in der
Jerusalem Post, der FAZ und NZZ und in der irakischen Zeitung "El
Thawra" aufblitzen. In jenen Medien also, denen ein am
Popularitätszenit gewesener Haider Schlagzeilen wert war.

Eines der vielen positiven Umfragedetails bestätigt Ambrozy
Lernfähigkeit. Wie Gusenbauer, grenzt der Kärntner SP-Chef - trotz
Anlegens härtester Bandagen - Haider nicht aus. Die Elastizität
dieser Lernfähigkeit wird beträchtlichen An- und Herausforderungen
ausgesetzt sein, ihren Elchtest an der Jörg Haider nachgesagten
Lernunfähigkeit zu bestehen haben.

OTS0029    2003-07-19/20:14

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