• 18.07.2003, 10:44:03
  • /
  • OTS0057 OTW0057

Billigere Medikamente statt höherer Selbstbehalte

Probst: "Angesichts der Rekordgewinne der Pharmawirtschaft noch genügend Spielraum für Preis- und Spannensenkungen"

Die Ausgaben der Krankenversicherung für Medikamente
steigen rasant. Im Bild eine Grafik zur Veränderung zum Vorjahr.

Wien (OTS) - Billigere Medikamenten-Preise, weniger
Verschreibungen und damit geringere Mengen oder höhere Selbstbehalte
für die Versicherten: Diese Alternativen sieht der für den
Arzneimittelbereich zuständige Geschäftsführer im Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger, Josef Probst,
angesichts der für die soziale Krankenversicherung dramatischen
Entwicklung bei den Medikamentenkosten. Probst: "In Summe rechnen
die Krankenkassen heuer mit einem Kosten-Anstieg in Höhe von 153,7
bis 197,7 Millionen Euro". Zum Vergleich: Nach vorsichtigen
Schätzungen werden die Beitragseinnahmen heuer lediglich um 113
Millionen Euro wachsen und sind damit deutlich unter dem
Kostenanstieg bei den Medikamenten. Bereits im abgelaufenen Jahr
2002 verschlangen die Ausgaben für Medikamente 20 Prozent der
Gesamtausgaben der sozialen Krankenversicherung und gehören damit
neben den Ausgaben für ärztliche Leistungen und den Aufwendungen für
die Spitäler zu den größten Ausgabepositionen der sozialen
Krankenversicherung.

Um dieser für die Finanzsituation der Kassen bedrohlichen
Entwicklung gegenzusteuern hat der Hauptverband der zuständigen
Bundeministerin für Gesundheit und Frauen, Maria Rauch-Kallat, ein
aus mehreren Maßnahmen bestehendes Forderungspaket übergeben. An
oberster Stelle steht dabei ein Antrag auf Senkung der Spannen im
Pharmagroßhandel und bei den Apotheken sowie eine Überprüfung der
Industriepreise. Probst: "Mit 29 Prozent liegen die
durchschnittlichen Spannen der heimischen Apotheker im europäischen
Spitzenfeld". Zum Vergleich: In Italien beträgt die Spanne der
Apotheken 22,4 Prozent, in Schweden und Portugal 20 Prozent, in
Großbritannien gar nur 17,3 Prozent. Gelingt es in den bevorstehenden
Verhandlungen, die Handelsspannen zumindest auf das europäische
Durchschnittsniveau zu senken, könnten rund 100 Millionen Euro
eingespart werden. Daneben werden mit der Pharmaindustrie und den
Pharmaimporteuren Verhandlungen mit dem Ziel geführt, die Preise für
die Sozialversicherung als Großabnehmer zu senken. Probst: "Bedenkt
man, daß ein Pharmariese wie Novartis im vergangenen Geschäftsjahr
ein Viertel seines Umsatzes als Gewinn verbuchen konnte, sehe ich in
der Pharmaindustrie noch genügend Spielraum für Preissenkungen".

Als weitere mittel- bis langfristige Maßnahme peilt der
Hauptverband aber auch Strukturänderungen im Medikamtenvertrieb
(Stichwort Versandhandel) und fordert eine Senkung der
Mehrwertsteuer. In Österreich beträgt der Mehrwertsteuersatz für
Medikamente 20 Prozent, im europäischen Durchschnitt liegt dieser bei
7,3 Prozent. Probst: "Wenn es gelingt, in Österreich das
Mehrwertsteuerniveau bei Medikamenten auf das Niveau von Schokolade
(10 Prozent) zu senken, könnten allein rund 200 Millionen Euro
eingespart werden."

Trotz der dramatischen Kosten-Entwicklung im Medikamentenbereich
steht für den Geschäftsführer des Hauptverbandes aber außer Zweifel,
daß den Patienten in Österreich Medikamente nach dem neuesten Stand
der Medizin zur Verfügung zu stellen sind. Probst: "Die soziale
Krankenversicherung ist Anwalt von 8 Millionen Versicherten. Und
diese haben ein Recht darauf, daß sie im Krankheitsfall mit den
besten auf dem Markt befindlichen Medikamenten versorgt werden".

In Österreich sind derzeit über 13.000 Arzneispezialitäten
zugelassen, davon befinden sich rund 4.700 im Handel.

Bild(er) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Bild Service,
sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS0057    2003-07-18/10:44

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHS

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel