"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Frauen in den Rücken gefallen (von Michael Geistler-Quendler)

Ausgabe vom 16.07.2003

Klagenfurt (OTS) - Die vom Verfassungsgerichtshof neu eröffnete Debatte über eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters mündet in einem altbekannten Szenario: Die Regierung spielt Gruppen von Betroffenen gegeneinander aus. So wurde der Gedanke lanciert, das Pensionsalter lediglich für kinderlose Frauen zu erhöhen.

Staatssekretärin Ursula Haubner wird in den "Oberösterreichischen Nachrichten" mit den Worten zitiert: "Man muss in Zukunft diskutieren: Was ist mit Frauen, die keine Kinder haben?" Eine ähnliche Überlegung stellte Ministerin Maria Rauch-Kallat an. Ein Empörungssturm auf Seiten der Opposition folgte auf den Fuß, Haubner und Rauch-Kallat zogen ihre Äußerungen zurück, doch der Vorschlag steht nach wie vor im Raum.

Ein solches Ansinnen kommt der Bestrafung kinderloser Frauen gleich. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Auch Frauen, die keinen Nachwuchs haben, werden in Arbeitswelt und Gesellschaft nach wie vor diskriminiert. Klassisches Beispiel: Die nach wie vor existenten gravierenden Einkommensbenachteiligungen im Vergleich zu Männern, wie sie in zahlreichen Berufssegmenten zu beobachten sind. Aufgaben gibt es also genug für Frauenpolitikerinnen. Ganz sicher ist es nicht ihre Aufgabe, krampfhaft nach neuen Belastungen für ihre Klientel Ausschau zu halten.

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