OeNB: Fischer richtet offenen Brief an Ewald Nowotny

Wien (OTS) - Die österreichische Bundesregierung hat bekanntlich bei der Besetzung der Funktion eines Vizegoverneurs der Österreichischen Nationalbank den einstimmigen Besetzungsvorschlag des Generalrates, der auf Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny gelautet hat, ignoriert und stattdessen im Schwarz/Blauen-Proporz zum bürgerlichen Nationalbank-Governeur einen Vizegoverneur bestellt, der vom Generalrat der Nationalbank zwar nicht als bestqualifiziert empfohlen wurde, aber dafür den unschätzbaren Vorteil hat, aus der Umgebung von Finanzminister Grasser zu stammen.

Der Zweite Präsident des Nationalrates richtete in diesem Zusammenhang an den übergangenen Kanditaten Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny ein Schreiben, das die SK im Wortlaut veröffentlicht. Es lautet:

"Sehr geehrter Herr Professor! Lieber Ewald!

Du hast Dich nach Beendigung Deiner äußerst erfolgreichen und verdienstvollen Tätigkeit in der Europäischen Investitionsbank für die Funktion eines Vizegoverneurs der Nationalbank beworben.

Du bist für diese Funktion in hervorragender Weise fachlich qualifiziert und zwar nicht nur durch Deine mehrjährige Tätigkeit in der Europäischen Investitionsbank (für die Du von einem europäischen Gremium ausgewählt wurdest), sondern natürlich auch durch Deine langjährige, allseits anerkannte Tätigkeit als Vorsitzender des Finanzausschusses im Nationalrat und ganz besonders auch durch Deine Tätigkeit als Universitätsprofessor für Finanzwirtschaften an der Universität Wien. Daher hat auch der Generalrat der Nationalbank einstimmig beschlossen, Dich an die erste Stelle eines Vorschlages zur Besetzung dieser Funktion in der Nationalbank zu setzen und wenn es nur ein Minimum an Sachlichkeit, Fairness und Objektivität gegeben hätte, so hätte dieser einstimmige Vorschlag auch zu einer Ernennung im Sinne dieses Vorschlages geführt.

Die Bundesregierung, die immer behauptet für eine objektive Personalpolitik einzutreten, hat aber anders entschieden.

Der einstimmige Vorschlag des Generalrates der Nationalbank wurde desavouiert und es wurde der in diesem Vorschlag an dritter Stelle platzierte Bewerber, nämlich Herr Dr. Josef Christl ausgewählt. Er verfügt über keine Erfahrung bei einer Europäischen Investitionsbank, er ist auch nicht Universitätsprofessor und er war auch nicht jahrelang Obmann des Finanzausschusses im Parlament, aber er hat offenbar eine Eigenschaft, die nach Meinung der Bundesregierung alle diese Qualifikationen aufwiegt: Er ist ein enger Mitarbeiter von Finanzminister Grasser.

Eine solche unverdiente Zurücksetzung aus parteipolitischen Motiven, die offenbar in der Bundesregierung vorherrschen, ist sicher enttäuschend und kränkend.

Andererseits hat es aber gerade zu dieser unsachlichen Entscheidung eine große Zahl von Stimmen und Stellungnahmen gegeben, in denen die große Wertschätzung Deiner Person, Deiner Tätigkeit und Deiner Qualifikationen zum Ausdruck kam.

Du sollst Dich daher nicht über eine unsachliche Entscheidung kränken, sondern Du sollst stolz darauf sein, dass Du vom Generalrat an erste Stelle gereiht wurdest, und dass dies überall als richtige und logische Entscheidung betrachtet wurde. Auch die Mitarbeiter der Bundesregierung wissen, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen haben.

Ich wünsch Dir weiterhin alles Gute und verbleib mit herzlichen Grüßen

Dein Heinz Fischer"

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