- 03.07.2003, 08:07:43
- /
- OTS0010 OTW0010
Drehstart für ORF-"Universum"-Produktion "Beringia"
Sieben Wochen an außergewöhnlichen Drehorten: Die Koffer sind gepackt
Wien (OTS) - Krokodile, Korallenriffe und tropische Vegetation:
das "Universum"-Team um Regisseur Herbert Habersack muss sich für die
jüngsten Dreharbeiten zu "Beringia" warm anziehen - die fossilen
Funde liegen nämlich in der Arktis und Drehorte sind Alaska, Sibirien
und Spitzbergen. Die Koffer sind bereits gepackt und das sechsköpfige
Team, bestehend aus dem Regisseur, den Wissenschaftern Prof. Josef
Friedhuber und Prof. Gero Hillmer sowie Kameramann Robert Winkler,
Tonmeister Joe Knauer und Produktionsleiterin Andrea Minauf, ist für
die siebenwöchige Reise winterfest gemacht. Ausgangspunkt des Films
ist ein nur allzu aktuelles Thema: die Auswirkungen der Erderwärmung
auf Mensch und Fauna in dem wohl am meisten betroffenen Lebensraum -
der Arktis. Das Ergebnis ist im Frühjahr 2004 in "Universum" zu
sehen.
Abenteuer Eisbär
Prof. Josef Friedhuber: "Die Verschiebung der klimatischen Zonen
vertreibt eine Vielzahl von Tieren. Verschwindet das Treibeis,
verschwinden auch Robben und Walrösser, die Nahrungsgrundlage der
ansässigen Bevölkerung. Mir ist es wichtig die Überlebensstrategien
von Mensch und Tier in einer Umwelt, in der Überleben zur Kunstform
wird, zu zeigen." Herbert Habersack: "Als Regisseur möchte ich mit
der 'Universum'-Produktion 'Beringia' wieder das schaffen, was meine
Filme kennzeichnet. Ich möchte das tägliche Leben der Einheimischen
porträtieren, und zwar nicht als filmischer Räuber, der nach
Sensationsbildern jagt, sondern als Begleiter, der eine Beziehung zu
den dort lebenden Menschen und ihren Problemen hat. Der Reiz an
'Universum' ist, dass es entlegene Destinationen ins Wohnzimmer holt,
mit unserem Film möchten wir die Leute dorthin führen, wo sie
normalerweise nicht hinkommen, weil der organisatorische Aufwand zu
groß wäre." Abgesehen vom Filmprojekt haben Friedhuber und Habersack
auch ganz persönliche Wünsche für die Drehreise: Prof. Friedhuber
möchte gerne einmal einen Eisbären in freier Wildbahn erleben - und
Regisseur Habersack, er gibt es harmloser, hofft ein besonders
schönes Polarlicht zu sehen.
Krokodile in der Arktis
Der radikale Klimawechsel ist in der Erdgeschichte keine neue
Erscheinung - "Beringia" widmet sich auch dieser Dimension der
Klimageschichte. Funde von Korallen und sogar Krokodilen zeigen, dass
die Arktis in der Urgeschichte mit einer tropischen Vegetation
überzogen war. Es folgte die Eiszeit, in der so viel Wasser in den
Inlandgletschern gebunden war, dass der Landweg über die
Beringstrasse frei war und sowohl Menschen als auch Tiere von Asien
nach Amerika wandern konnten. Heute findet wieder eine Gegenbewegung
statt: Die Treibeisgrenzen gehen zurück und aktuellen Prognosen
zufolge wird der Nordpol in 50 Jahren nicht mehr dauerhaft von Eis
bedeckt sein. Prof. Josef Friedhuber: "Bei den Vorbereitungen auf die
Dreharbeiten galt es aus einer Vielzahl wissenschaftlicher Quellen
die passenden Infos zu recherchieren. Eine Arbeit, die zu einem
großen Teil von Prof. Gero Hillmer übernommen wurde. Außerdem mussten
vor Ort geeignete wissenschaftliche Berater gefunden werden, die sich
in der Gegend auskennen, damit keine leeren Kilometer gefahren werden
und der Terminplan eingehalten werden kann. Wir sind aber
ausgezeichnet vorbereitet und ich trete die Reise mit einem sehr
guten Gefühl an."
21 Vorbereitungsflüge
Auch die logistischen Vorbereitungen für "Beringia" stellten das Team
vor eine große Herausforderung. Produktionsleiterin Andrea Minauf von
der epo-film musste insgesamt 21 Flüge, Visa, Drehgenehmigungen und
Materialtransporte koordinieren - eine Aufgabe, die vor allem in
Sibirien, einer politisch recht brisanten Gegend und nicht zuletzt
wegen der durch Tschukotka führenden Datumsgrenze nicht immer einfach
war. Produzent Dieter Pochlatko nahm diese Herausforderung jedoch
gerne an: "'Universum' ist die höchste Qualitätsstufe für
Dokumentarfilmer. Für mich als Produzent ist die größte Motivation
das internationale Format, man produziert für ein großes
Zuseherpotenzial - das ist eine enorme Herausforderung. Analog sind
auch die Themen eine Herausforderung, wie zum Beispiel bei
'Beringia', hier wird ein ganz neues Bild der Landbrücke und der
urgeschichtlichen Zusammenhänge gezeichnet."
Zwei Jahre für Finanzierung
"Universum"-Donnerstag-Chef Werner Fitzthum: "Bei Projekten dieser
Größenordnung und bei Produktionskosten von rund 400.000 Euro ist der
ORF auf Partner angewiesen. Es hat fast zwei Jahre gedauert, diese zu
finden und das Geld am internationalen Markt zu bekommen. Ich sehe es
als eine der wichtigsten Aufgaben der 'Universum'-Redaktion solche
internationalen Koproduktionen zu Stande zu bringen. Filme dieser Art
sind noch nicht auf dem Markt, deshalb müssen wir sie eben selbst
produzieren. Es freut mich auch, dass der ORF nun gleich mehrere
Projekte gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk realisiert und den
NDR als Partner für eine längerfristige Zusammenarbeit gewinnen
konnte." "Beringia" ist eine Koproduktion von ORF, NDR, epo-film,
Studio Hamburg/Fernsehallianz und BMBWK.
OTS0010 2003-07-03/08:07
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF






