• 25.06.2003, 10:04:48
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  • OTS0059 OTW0059

Hagenhofer: Männerarbeitsplatz Bundesheer?

Enorme Fluktuation bei Soldatinnen

Wien (SK) 50 von 204 Soldatinnen verlassen nach der Ausbildung das
Bundesheer wieder. Dies sei insofern verwunderlich, da sich all diese
Frauen freiwillig für den Eintritt zum österreichischen Militär
entschieden haben - im Gegensatz zu vielen Grundwehrdienern. "Über
einen so starken Abgang bei Frauen im österreichischen Bundesheer
muss man sich ernsthafte Gedanken machen. Jeder private Betrieb würde
bei einer Fluktuation eines Viertels des Personals versuchen,
entgegenzusteuern. Auch das österreichische Bundesheer ist ein
Arbeitgeber und muss sich in dieser Rolle um seine Arbeitnehmerinnen
auch bemühen", fordert die SPÖ-Abgeordnete und Mitglied des
Landesverteidigungsausschusses, Marianne Hagenhofer, am Mittwoch
gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. ****

Das Verteidigungsministerium listet folgende Gründe für die starke
Frauenfluktuation beim Militär auf: Probleme in der Familie, ein
falsches Berufsbild, Probleme mit dem Kommandanten oder Kameraden,
Probleme in der Ausbildung sowie körperliche und psychische
Belastungen. "Genauso muss man sich aber auch fragen, woraus all
diese Probleme resultieren. Einen wesentlichen Ansatz stellt hier vor
allem eine genauere Untersuchung des Betriebsklimas dar. Viele
Probleme kollegialer, gesundheitlicher und psychischer Natur sind
Folgeerscheinungen eines schlechten Betriebsklimas. Daher müssen die
genauen Gründe für den starken Abgang von Soldatinnen gefunden
werden. Dann lässt sich auch feststellen, wo und wie man die
Situation - auch finanziell - verbessern kann", so Hagenhofer.

Dies sollte auch im Interesse des Bundesministeriums für
Landesverteidigung liegen. Der Gesamtanteil der Frauen, die beim
österreichischen Bundesheer tätig sind, liegt bei mageren 1,4%. Das
heißt, weit weg vom gesteckten Ziel 5 % Frauenanteil beim
österreichischen Heer. Dabei hat sich bei einer internen Befragung
herausgestellt, dass das Bundesheer durch die Präsenz von Frauen
deutlich profitierte. Die Arbeitsleistung der Soldatinnen wird besser
als die ihrer männlichen Kollegen beurteilt. Weiters wird die
Ausübung der Ausbildner-Tätigkeit durch Frauen von Angehörigen des
Bundesheeres im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen als mindestens
gleich gut oder sogar besser eingestuft. Auch gibt es dank des
technologischen Fortschritts in relativ wenig Bereichen oder
Tätigkeiten die Vorbedingung körperlicher Kraft zur Arbeitserfüllung.

In vielen Ländern mit Freiwilligenheer haben Frauen bereits Zugang
zum Militär erhalten. In den USA sind derzeit etwa 9% des
Militärpersonals Frauen, in Großbritannien 6% und in den Niederlanden
5%. "Österreichs Bundesheer liegt mit einem weiblichen Personalanteil
von 1,4% im Schlussfeld. Um den Anteil zu steigern und die Situation
für Frauen zu verbessern, müssen die Arbeitsbedingungen genauer unter
die Lupe genommen werden. Eine stärkere Einbindung von Frauen wird
nicht nur durch die Schaffung eines formalen Zuganges zu männlich
dominierten Arbeitsplätzen geschaffen, es muss auch sichergestellt
werden, dass die Frauen Arbeitsbedingungen vorfinden, welche die
faktische Nutzung dieses Zuganges - frei von jeder Art der
Diskriminierung - ermöglicht", so Hagenhofer abschließend. (Schluss)
se/mm

OTS0059    2003-06-25/10:04

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