- 17.06.2003, 10:00:03
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Verbund: Windenergie belastet Österreichs Stromleitungen
Mehr Kapazitäten im heimischen Netz sind unumgänglich nötig
Wien (OTS) - Österreich will - einem EU-Ziel folgend - den Anteil
der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung von derzeit 70 %
auf 78 % im Jahr 2010 steigern. Einen wahren Boom erlebt derzeit die
Windkraft. "Dabei darf nicht übersehen werden, daß dieser Ökostrom
ohne ein entsprechendes Leitungsnetz nicht sinnvoll zu den
Stromkonsumenten transportiert werden kann", erklärte Dipl.-Ing. Dr.
Herbert Schröfelbauer, Vorsitzender des Forschungs- und
Umweltvorstandsgremiums des Verbund, Österreichs führenden
Elektrizitätsunternehmens, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in
Wien. "Man wird aber um den baldigen Neubau von
Hochspannungsleitungen nicht herumkommen."
Bedingt durch die starken Förderungen und die günstigen
Windverhältnisse sind derzeit im Nordosten Österreichs
Windkraftprojekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 1.000
Megawatt in Konzeption. Das entspricht rund sieben Prozent der
gesamten in Österreich installierten Kraftwerksleistung, und das ist
mehr als die stärkste Verbund-Kraftwerksgruppe, Zemm-Ziller.
"Dieses Ausmaß an neuer Kraftwerksleistung, die lokale
Konzentration der neuen Windkraftanlagen sowie die stark schwankende
Erzeugung stellen für unser Übertragungsnetz, welches bereits heute
an die Grenzen der Belastbarkeit angelangt ist, eine enorme
Herausforderung dar", sagte Dipl.-Ing. Dr. Heinz Kaupa, technischer
Vorstandsdirektor der VERBUND-Austrian Power Grid AG (APG),
Österreichs größten Stromtransporteurs.
Da der 380-Kilovolt-Ring innerhalb Österreichs noch immer Lücken
aufweist, sind die 220-kV-Leitungen schon heute immer wieder extrem
belastet. Der kommende Windenergie-Boom stellt das
APG-Übertragungsnetz vor zusätzliche große Herausforderungen. "Gerade
für die Stärkung der Windenergie sind mehr Kapazitäten im heimischen
Netz unumgänglich nötig", sagte Kaupa und plädierte erneut für den
raschestmöglichen Bau der fehlenden 380-kV-Leitungen in der
Steiermark und in Salzburg.
"Das Verbund-Netz in seinem heutigen Ausbauzustand kann nur in
begrenztem Umfang Windenergie aufnehmen", bestätigte Univ.-Prof.
Dipl.-Ing. Dr. Günther Brauner, Vorstand des Instituts für
elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Wiener Technischen
Universität. Eine Anbindung von Windenergie im Ausmaß von 1.500
Megawatt werde Leitungsbelastungen von bis 165 % nach sich ziehen.
Bei Ausfall einzelner Leitungssysteme kann die Netzbelastung sogar
bis zu 245 % ansteigen. Brauner: "Das Verbund-Netz ist damit in jedem
Fall unzulässig überlastet."
OTS0051 2003-06-17/10:00
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