Tod am Bauernhof: Vor allem kleine Kinder gefährdet

"Sicher Leben" und Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) empfehlen Zutrittsschutzsicherung und Aufsichtsmaßnahmen am Bauernhof

Wien (OTS) - Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen haben ein dreimal so hohes Risiko tödlich zu verunglücken, als "durchschnittliche" Kinder, ergab eine gemeinsame Studie der SVB und des Instituts "Sicher Leben". Das tragische Unglück auf einem Kärntner Bauernhof, wo ein zweieinhalbjähriger Bub von einem Maissack erschlagen wurde, führt diese Tatsache tragisch vor Augen. Dr. Rupert Kisser vom Institut "Sicher Leben" mahnt zu verstärkter Vorsicht: "Vor allem kleinere Kinder bis zu fünf Jahren sind am Bauernhof sehr gefährdet und von den Unfällen überproportional betroffen. Wir appellieren an die Eltern, die Gefahrenstellen ausreichend abzusichern und ihre Kinder stets zu beaufsichtigen."

Österreichische Bauernkinder erlitten zwischen Mai 2000 und Mai 2001, 3.965 Unfälle mit Verletzungsfolge. Zehn Unfälle endeten tödlich, bei den Verletzungen wurden rund 20 Prozent vom Hausarzt oder Facharzt behandelt, 57 Prozent wurden im Spital ambulant versorgt; für 23 Prozent war ein stationärer Aufenthalt die Folge.

Dreifaches Tötungsrisiko bei Bauernkindern

Ziel der Studie war es, umfassende Kenntnisse über das Unfallgeschehen bei Kindern im bäuerlichen Bereich zu erreichen, um darauf basierend gezielte Präventionsarbeit zu planen. Wie die Studie zeigt, hat ein Bauernkind ein mehr als dreimal so hohes Risiko tödlich zu verunfallen als ein "durchschnittliches" österreichisches Kind. Das Verletzungsrisiko liegt hingegen mit acht Prozent unter dem Durchschnitt österreichischer Kinder.

Kinder verletzten sich meist beim Spielen

Laut Studie sind zwar lediglich sieben Prozent der Unfälle am Bauernhof auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit (Mithilfe oder Anwesenheit bei dieser Tätigkeit) zurückzuführen. Bei schweren Unfällen mit stationärem Aufenthalt ist dieser Anteil allerdings doppelt so hoch. Ebenso sind kleinere Kinder überproportional von Unfällen in der Landwirtschaft betroffen. Die Untersuchung ergab, dass sich Kinder am Bauernhof primär beim Spielen in der Freizeit verletzen. Fast die Hälfte aller Unfälle fiel in diese Kategorie. Auch das jüngste Unglück in Kärnten ereignete sich vermutlich beim Spielen.

Für das Unfallgeschehen bedeutend sind sportliche Aktivitäten, welchen etwas mehr als ein Drittel der Unfälle zugrunde lagen. Bei den älteren Kindern (10-14-jährige) war Sport die häufigste Unfalltätigkeit. Bei Unfällen im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Tätigkeit standen an erster Stelle der gefährlichen Tätigkeiten jene, die mit Traktoren, Kfz oder Anhängern zu tun hatten. Besonders tragisch: Von zehn tödlichen Unfällen wurden in fünf Fällen die Kinder von einem Traktor überfahren.

Wie können derart tragische Unfälle vermieden werden?

"Im Allgemeinen unterscheiden sich die Unfallgefahren am Bauernhof nicht von denen anderer Kinder. Es gelten daher die allgemeingültigen Sicherheitsempfehlungen wie die Verbesserung der Ausstattung bäuerlicher Haushalte mit Sicherheitseinrichtungen. Durch Zutrittsschutzsicherungen, die an Werkstätten, Heu- oder Strohböden angebracht werden können, ließen sich allerdings derart tragische Unfälle vermeiden. Besonders wichtig ist eine Beaufsichtigung der Kinder vor allem in der arbeitsintensiven Erntezeit", so DI Johann Spiess von der SVB.

Aktionen zur Kindersicherheit

Um europaweit gemeinsam für die Sicherheit unserer Kinder aktiv zu werden, werden jährlich die sogenannten "Child Safety Weeks" in ganz Europa veranstaltet. Diverse österreichweite Publikumsaktionen zum Thema Kindersicherheit - organisiert von "Sicher Leben" und Kooperationspartnern wie etwa Helfer Wien, Hauptverband der Sozialversicherungsträger, AUVA, "Sichere Gemeinden", "Große schützen Kleine", "Sicheres Tirol", Zivilschutzverband, Jugendrotkreuz, um nur einige zu nennen - finden im Rahmen der österreichischen "Kindersicherheitswochen" von 16. Juni bis 6. Juli 2003 statt. Eine detaillierte Auflistung aller Kindersicherheitsaktivitäten in Österreich im Zuge der Kindersicherheitswochen sind direkt beim Institut "Sicher Leben" erhältlich oder unter www.sicherleben.at abrufbar.

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Institut Sicher Leben
Mag. Gabriele Hinterkörner
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