• 15.06.2003, 08:00:00
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"profil": Klett überlegt Residenz, Deuticke und Brandstätter zu verkaufen

Literaturverlage des ÖBV laut Klett-Geschäftsführer schwer defizitär - konnten nur durch Querfinanzierung durch Schulbuchverlag überleben

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag
erscheinenden Ausgabe berichtet, überlegt der deutsche Klett-Verlag,
nach dem Kauf des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) die
ÖBV-Tochterverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter wieder zu
verkaufen. "Wir schließen einen Verkauf nicht aus", so
Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz. Die Entscheidung soll in
spätestens zwei Wochen fallen.

Die Literaturverlag arbeiten hoch defizitär. "In den letzten
Jahren konnten die Verlage nur überleben, weil sie mit den Gewinnen
aus dem Schulbuchverlag querfinanziert wurden", führt Michaletz aus.
Bei Deuticke, Residenz und Brandstätter hätten sich die Umsätze in
den letzten fünf Jahren halbiert. "Viele verlegerische Entscheidungen
wurden nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Diese
Denkweise muss sich ändern. Wir werden keine Querfinanzierung mehr
zulassen."

Sollten die Verlage in der Klett-Gruppe verleiben, steht ihnen ein
hartes Sanierungsprogramm bevor. "Es werden zu viele Produkte
publiziert, die keinen Markt finden", kritisiert Michaletz. Zwar sei
nicht daran gedacht, Autoren zu kündigen, aber man müsse sie "dazu
bringen, Manuskripte zu erstellen, die auch verkaufsfähig" seien.
Deuticke soll als Sachbuchverlag auftreten, Residenz als der
Literaturverlag der Gruppe geführt werden und Christian Brandstätter
mit einem Kultur- und Bildbandprogramm punkten.

Auch die anderen Teile des vor einem halben Jahr von Klett
erworbenen Österreichischen Bundesverlags werden Sanierungsmaßnahmen
unterzogen. Der Schulbuchverlag müsse "Marktanteile gewinnen", der
Buchhandel sich "stärker am Wettbewerb orientieren" und die
Buchauslieferung "optimiert" werden. "Wir werden aber nicht im großen
stil Mitarbeiter abbauen", verspricht Michaletz.

"Ich glaube, dass hinter den Kulissen bereits Verhandlungen über
einen Weiterverkauf laufen", urteilt Martina Schmidt, die
Geschäftsführerin von Residenz und Deuticke. "Große Gewinne wird man
mit den Literaturverlagen nicht erzielen können", meint
Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz. "Aber wenn man sie richtig
strukturiert und programmatisch sauber ausrichtet, sind sie nach drei
Jahren mit einer schwarzen Null zu finanzieren."

OTS0008    2003-06-15/08:00

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