"profil": Klett überlegt Residenz, Deuticke und Brandstätter zu verkaufen

Literaturverlage des ÖBV laut Klett-Geschäftsführer schwer defizitär - konnten nur durch Querfinanzierung durch Schulbuchverlag überleben

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, überlegt der deutsche Klett-Verlag, nach dem Kauf des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) die ÖBV-Tochterverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter wieder zu verkaufen. "Wir schließen einen Verkauf nicht aus", so Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz. Die Entscheidung soll in spätestens zwei Wochen fallen.

Die Literaturverlag arbeiten hoch defizitär. "In den letzten Jahren konnten die Verlage nur überleben, weil sie mit den Gewinnen aus dem Schulbuchverlag querfinanziert wurden", führt Michaletz aus. Bei Deuticke, Residenz und Brandstätter hätten sich die Umsätze in den letzten fünf Jahren halbiert. "Viele verlegerische Entscheidungen wurden nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Diese Denkweise muss sich ändern. Wir werden keine Querfinanzierung mehr zulassen."

Sollten die Verlage in der Klett-Gruppe verleiben, steht ihnen ein hartes Sanierungsprogramm bevor. "Es werden zu viele Produkte publiziert, die keinen Markt finden", kritisiert Michaletz. Zwar sei nicht daran gedacht, Autoren zu kündigen, aber man müsse sie "dazu bringen, Manuskripte zu erstellen, die auch verkaufsfähig" seien. Deuticke soll als Sachbuchverlag auftreten, Residenz als der Literaturverlag der Gruppe geführt werden und Christian Brandstätter mit einem Kultur- und Bildbandprogramm punkten.

Auch die anderen Teile des vor einem halben Jahr von Klett erworbenen Österreichischen Bundesverlags werden Sanierungsmaßnahmen unterzogen. Der Schulbuchverlag müsse "Marktanteile gewinnen", der Buchhandel sich "stärker am Wettbewerb orientieren" und die Buchauslieferung "optimiert" werden. "Wir werden aber nicht im großen stil Mitarbeiter abbauen", verspricht Michaletz.

"Ich glaube, dass hinter den Kulissen bereits Verhandlungen über einen Weiterverkauf laufen", urteilt Martina Schmidt, die Geschäftsführerin von Residenz und Deuticke. "Große Gewinne wird man mit den Literaturverlagen nicht erzielen können", meint Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz. "Aber wenn man sie richtig strukturiert und programmatisch sauber ausrichtet, sind sie nach drei Jahren mit einer schwarzen Null zu finanzieren."

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