- 12.06.2003, 15:52:55
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ORF-Bilanz 2002: Schwerste Krise der Medien- und Werbebranche besser als geplant bewältigt
Strikter Sparkurs zu Gunsten des Programms, weiterhin sinkende Personalkosten
Wien (OTS) - Der ORF-Stiftungsrat unter dem Vorsitz von
Generaldirektor Dr. Klaus Pekarek hat am Donnerstag, dem 12. Juni
2003, den von ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner und dem
Kaufmännischen Direktor Dr. Alexander Wrabetz vorgelegten
Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2002 mit großer Mehrheit
genehmigt.
Der Kaufmännische Direktor des ORF, Dr. Alexander Wrabetz: "Der ORF
hat die seit Jahrzehnten schwerste Krise der Medien- und Werbebranche
besser als geplant bewältigt: Die negativen Auswirkungen der
Insolvenz der Kirch-Gruppe in den Bereichen Film- und Sportrechte,
Koproduktionen und Verschlüsselungssystem wurden weitgehend
minimiert. Die im Jahr 2002 mit Walter Zinggl neu besetzte
Geschäftsführung der Vermarktungsgesellschaft ORF-Enterprise konnte
dem anhaltenden Konjunkturtief und den Auswirkungen durch die
Werbebeschränkungen im ORF-Gesetz durch zahlreiche Maßnahmen
gegensteuern. Bei einem verstärkten Sparkurs zu Gunsten des Programms
konnten wir mit der Programmreform 2002 dem Publikum, vor allem auch
dem jüngeren, attraktive neue Sendungen anbieten."
Jahresergebnis
Zwei externe Faktoren prägten die wirtschaftliche Lage des ORF im
Geschäftsjahr 2002: die anhaltende Konjunkturschwäche und die
Änderung des ORF-Gesetzes. Beide Faktoren führten zu deutlichen
Rückgängen bei den Werbeeinnahmen, die ohne Beeinträchtigung der
Wettbewerbsfähigkeit und der Erfüllung des öffentlich-rechtlichen
Auftrags durch kurzfristige Einsparungen nicht kompensiert werden
konnten. Der ORF schließt daher das Geschäftsjahr 2002 mit einem
operativen Verlust in Höhe von 11,6 Mio. Euro, im Konzern von 8,8
Mio. Euro ab. Dazu kommt noch ein Einmaleffekt im Zusammenhang mit
Rückstellungen auf Grund möglicher Klagsrisiken. Das Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) beträgt daher -42,5 Mio. Euro
(2001: +2,0 Mio. Euro), in der Konzerngewinn- und Verlustrechnung,
durch den positiven Ergebnisbeitrag der Tochtergesellschaften, -39,6
Mio. Euro.
Umsätze
Die Umsatzerlöse sind auf Grund der veränderten Umfeldbedingungen im
Geschäftsjahr 2002 um 6,2 Mio. Euro (0,7 Prozent) auf 826,3 Mio. Euro
(Konzern: 844,4 Mio. Euro) gesunken. Hauptverantwortlich dafür waren
die gesunkenen Erlöse aus klassischer Werbung und aus
Produktionskostenzuschüssen im Fernsehen.
Der ORF erzielte im Geschäftsjahr 2002 Umsätze aus klassischer
Werbung von 324,8 Mio. Euro. Von den ordentlichen Erträgen entfielen
38,2 Prozent (im Konzern 37,3 Prozent) auf die Werbung, im Vorjahr
waren es 40,6 Prozent gewesen.
Bei der Werbung haben die gesetzlichen Änderungen, insbesondere der
Wegfall des Regionalradio-Werberings und die Einschränkungen bei der
Printwerbung, den größten Anteil am Rückgang. Daraus resultieren im
Jahr 2002 Mindererlöse in Höhe von insgesamt 15,5 Mio. Euro.
Bereinigt um diese beiden Faktoren sind die Werbeerlöse um 8,2 Mio.
Euro (2,3 Prozent) gegenüber dem Vorjahr gesunken.
Plus bei Programmentgelten
Seit dem Jahr 1999 ist der ORF an der GIS Gebühren Info Service GmbH
beteiligt, seit Ende 2000 mit 100 Prozent. Seit damals konnten die
Erlöse dank der Bemühungen der GIS um mehr Kundeninformation deutlich
gesteigert werden. Im Geschäftsjahr 2002 verzeichnete die GIS einen
Anstieg der zahlenden Teilnehmer gegenüber dem Vorjahr im
Jahresdurchschnitt beim Hörfunk um 81.516 und beim Fernsehen um
77.620. Die Erlöse aus den Teilnehmerentgelten sind um 14,1 Mio.
Euro (3,8 Prozent) auf 388,7 Mio Euro angestiegen. Der Anteil der
Teilnehmerentgelte an den ordentlichen Erträgen ist von 43,7 Prozent
im Vorjahr auf 45,7 Prozent (im Konzern 44,6 Prozent) gestiegen.
Aufwendungen
Durch den strikten Sparkurs konnten die im Jahr 2001 gesunkenen
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen trotz steigender
Rechtekosten und erhöhter Programmleistung auf diesem Niveau gehalten
werden. Sie erreichten mit 379,1 Mio. Euro einen Anteil von 41,2
Prozent der ordentlichen Aufwendungen, die Vergleichswerte des
Vorjahres: 377,1 Mio. Euro bzw. 42,5 Prozent.
Weiterhin sehr hohes Auftragsvolumen für heimische Filmwirtschaft
Mit einem Auftragsvolumen von rund 69 Mio. Euro lag das Engagement
des ORF für die heimische Filmwirtschaft weiterhin auf sehr hohem
Niveau.
Rückgang beim Personalaufwand
Einsparungen konnten auch beim Personalaufwand erzielt werden, im
Jahresdurchschnitt reduzierte sich die Zahl der Angestellten um 40
Dienstnehmer. Der Aufwand für Dienstnehmer und Freie Mitarbeiter
blieb im Geschäftsjahr mit 336,7 Mio. Euro unter dem Jahr davor
(338,0 Mio. Euro).
Einsparungen gab es bei Gehältern, den Abfertigungen, in der
Altersversorgung und bei Sozialleistungen. Der Anteil des
Personalaufwandes am ordentlichen Aufwand sank gegenüber dem Vorjahr
von 38,1 Prozent auf 36,6 Prozent im Jahr 2002. Noch im Jahr 1999
hatte dieser Anteil 44,6 Prozent betragen.
OTS0284 2003-06-12/15:52
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