• 12.06.2003, 10:33:00
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Ärztekammer startet Aktion "Rettet die Enkel"

Gefahr durch Angeborene Familiäre Cholesterinerhöhung in Infarkfamilien - Jeder zweite Herzpatient in Österreich betroffen

Wien (OTS) - Etwa die Hälfte der Herzinfarktpatienten in
Österreich weist eine positive Familienanamnese auf: Sie kommen aus
so genannten "Infarktfamilien", deren Mitglieder genetisch
vorbelastet sind. Diesen Menschen will die Ärztekammer für Wien
gemeinsam mit dem Lipidforum austriacum und der
Patienten-Selbsthilfegruppe Österreichischer Herzverband mit ihrer
Kampagne "Rettet die Enkel - Angeborene Familiäre
Cholesterinerhöhung" helfen.****

In Infarktfamilien waren meist schon ein Elternteil, ein Bruder
oder eine Schwester von einer atherosklerotischen
Herz-Kreislauferkrankung betroffen. Häufig zu beobachten ist dabei
ein auffallend früher Krankheitsbeginn: Infarkte, Bypassoperationen,
Herzkranzgefäßaufdehnungen mit 40 oder 50 Jahren sind da keine
Seltenheit.

Die Herzinfarktfamilie - Vererbtes Risiko

Wie die Haarfarbe, die Nasenform oder der Körperwuchs, kann auch
eine Störung im Fettstoffwechsel vererbt werden. Die häufigste
Ursache dieser Störung sind zu hohe Cholesterinwerte, vor allem eine
deutliche Erhöhung des Atherosklerose fördernden LDL-Cholesterins,
aber auch ein zu niedriges HDL-Schutz-Cholesterin.

"Die gefährlichste Form der angeborenen Fett-Stoffwechselstörung
ist zweifellos die so genannte Familiäre Cholesterinerhöhung. Sie
tritt in einer Häufigkeit von 1:500 auf, das heißt, es sind in etwa
16.000 der acht Millionen Österreichern davon betroffen", betont
Prim. Dr. Herbert Laimer, Ärztlicher Leiter des
Rehabilitationszentrums Bad Tatzmannsdorf und Initiator der Kampagne
"Rettet die Enkel".

Die Cholesterinwerte der Betroffenen liegen bei mehr als 300mg/dl,
der Normalwert bei Gesunden liegt bei 200 mg/dl. Die
Cholesterinerhöhung wird jedoch nicht durch falsche Ernährung
ausgelöst, sondern durch einen Fehler im Cholesterinabbau. "Die
betroffenen Personen haben zu wenig LDL-Rezeptoren, die das
überschüssige LDL-Cholesterin aus dem Blut herausfiltern können. Das
überschüssige Cholesterin wird somit an den Wänden der Arterien
abgelagert und führt langfristig zu Gefäßverengungen und
-verschlüssen", so Laimer. Dabei spiele die Ernährung jedoch nur eine
untergeordnete Rolle, betont Laimer: "Selbst wenn die Betroffenen nur
Gras essen würden und sie noch so schlank sind, das Cholesterin
bleibt in Infarktfamilien ohne medikamentöse Behandlung bedrohlich
erhöht."

Frühe Erkennung verhindert Erkrankungen

Als leitender Oberarzt der LDL-Aphersestation im Wiener AKH
betreut Univ.-Prof. Dr. Kurt Derfler seit Jahren Patienten, die auf
Basis ihrer erblichen Fettstoffwechselstörung sehr früh an einer
atherosklerotischen Gefäßerkrankung leiden. Derfler: "Wir sind mit
Patienten konfrontiert, bei denen die katastrophalen Auswirkungen
einer nicht therapierten Fettstoffwechselstörung vorliegen. Bei
diesen Patienten ist es erforderlich, im wöchentlichen Intervall das
Blut über spezielle Geräte vom Cholesterin zu reinigen. Dadurch
bilden sich Gefäßschäden zurück. Durch das Absenken des
Cholesterinspiegels werden auch die atherosklerotischen
Gefäßerkrankungen beherrschbar."

Ohne Behandlung sterben 50 Prozent der männlichen und 15 Prozent
der weiblichen Patienten mit Familiärer Cholesterinerhöhung noch vor
dem 60. Lebensjahr an den Folgen einer atherosklerotischen
Herz-Kreislauferkrankung. Laimer: "Es gibt heute sehr gute Methoden,
um die gefährlich erhöhten Cholesterinwerte zu senken. In erster
Linie geschieht das mit Hilfe der so genannten Statine. Die
Herausforderung besteht darin, die noch gesunden Menschen mit
familiärer Vorbelastung zu erwischen, noch bevor das Krankheitsbild
einsetzt." (bb/hpp)

(Forts.)

OTS0090    2003-06-12/10:33

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