- 11.06.2003, 16:55:43
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BA-CA wird von der Vergangenheit eingeholt
WirtschaftsBlatt-Kommentar von Angelika Kramer
Wien (OTS) - Die Bank Austria ist die mächtigste Bank im Land. Das
allein könnte schon ausreichen, um sich genügend Feinde zu schaffen.
Doch die Bank Austria hat darüber hinaus im Laufe der Jahre auch noch
das Ihre aktiv dazu getan, dass sie von vielen geradezu gehasst wird.
Etliche Feinde hat sich die Bank Austria und ihr damaliger Chef
zweifellos durch die Übernahme der Creditanstalt geschaffen. Gerhard
Randa stiess durch sein eiskaltes Taktieren die Erste Bank und das
gesamte bürgerliche Lager vor den Kopf. Der zuständige
Wirtschaftsminister hiess damals Wolfgang Schüssel, und dieser hatte
jedenfalls nicht vor, die Creditanstalt an die "rote" Bank Austria zu
verlieren.
Und auch die Erste Bank, die grosses Interesse hatte, würde sich
heute wohl noch immer gerne mit dem Anhängsel "CA" schmücken.
Doch damit nicht genug. Der Verkauf der BA-CA an die deutsche
Hypo-Vereinsbank mobilisierte die nächste Schar an Feinden.
Zahlreiche BA-Aktionäre - unter ihnen auch die Stadt Wien - fühlten
sich durch den Deal geneppt und über den Tisch gezogen. Auch einige
hochrangige, langgediente BA- und CA-Mitarbeiter fielen der Fusion
zum Opfer.
Und last but not least: Rechtswidrige Zinspraktiken kosteten die
BA-CA-Kunden - hier standen sie allerdings nicht allein da - über die
Jahre hindurch Millionen.
Kurzum: Das grösste Institut des Landes hat praktisch keine
Gelegenheit ausgelassen, sämtliche Lager gegen sich aufzubringen.
Jetzt dürfte sich diese Politik der verbrannten Erde rächen. Kurz vor
dem geplanten Börsegang der BA-CA in Wien tauchen überall ominöse
Papiere auf, die die Bank in ein schiefes Licht rücken sollen. Sei es
ihre - optisch unschöne - Stiftungskonstruktion, seien es die nun
aufgetauchten Vorwürfe gegen die Wirtschaftsprüfer der BA-CA, sei es
die Klage des Landes Burgenland - dem Institut bleibt kein Ärger
erspart. Und bis zum Börsegang werden vermutlich noch weitere
derartige Hindernisse auf die Bank zukommen.
In den Papieren, die den Journalisten zugespielt werden, fällt auf,
dass die Details offenbar akribisch gesammelt worden sind. Als hätte
jemand nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um über Jahre
hindurch aufgestaute Frustrationen endlich abzulassen.
Für die BA-CA schlägt also jetzt die Stunde der Wahrheit: Einer
der so zahlreich aufgebauten Widersacher rächt sich - die Frage ist
nur: Wer?
OTS0249 2003-06-11/16:55
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