BA-CA wird von der Vergangenheit eingeholt

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Angelika Kramer

Wien (OTS) - Die Bank Austria ist die mächtigste Bank im Land. Das allein könnte schon ausreichen, um sich genügend Feinde zu schaffen. Doch die Bank Austria hat darüber hinaus im Laufe der Jahre auch noch das Ihre aktiv dazu getan, dass sie von vielen geradezu gehasst wird.

Etliche Feinde hat sich die Bank Austria und ihr damaliger Chef zweifellos durch die Übernahme der Creditanstalt geschaffen. Gerhard Randa stiess durch sein eiskaltes Taktieren die Erste Bank und das gesamte bürgerliche Lager vor den Kopf. Der zuständige Wirtschaftsminister hiess damals Wolfgang Schüssel, und dieser hatte jedenfalls nicht vor, die Creditanstalt an die "rote" Bank Austria zu verlieren.

Und auch die Erste Bank, die grosses Interesse hatte, würde sich heute wohl noch immer gerne mit dem Anhängsel "CA" schmücken.
Doch damit nicht genug. Der Verkauf der BA-CA an die deutsche Hypo-Vereinsbank mobilisierte die nächste Schar an Feinden. Zahlreiche BA-Aktionäre - unter ihnen auch die Stadt Wien - fühlten sich durch den Deal geneppt und über den Tisch gezogen. Auch einige hochrangige, langgediente BA- und CA-Mitarbeiter fielen der Fusion zum Opfer.

Und last but not least: Rechtswidrige Zinspraktiken kosteten die BA-CA-Kunden - hier standen sie allerdings nicht allein da - über die Jahre hindurch Millionen.

Kurzum: Das grösste Institut des Landes hat praktisch keine Gelegenheit ausgelassen, sämtliche Lager gegen sich aufzubringen. Jetzt dürfte sich diese Politik der verbrannten Erde rächen. Kurz vor dem geplanten Börsegang der BA-CA in Wien tauchen überall ominöse Papiere auf, die die Bank in ein schiefes Licht rücken sollen. Sei es ihre - optisch unschöne - Stiftungskonstruktion, seien es die nun aufgetauchten Vorwürfe gegen die Wirtschaftsprüfer der BA-CA, sei es die Klage des Landes Burgenland - dem Institut bleibt kein Ärger erspart. Und bis zum Börsegang werden vermutlich noch weitere derartige Hindernisse auf die Bank zukommen.
In den Papieren, die den Journalisten zugespielt werden, fällt auf, dass die Details offenbar akribisch gesammelt worden sind. Als hätte jemand nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um über Jahre hindurch aufgestaute Frustrationen endlich abzulassen.

Für die BA-CA schlägt also jetzt die Stunde der Wahrheit: Einer der so zahlreich aufgebauten Widersacher rächt sich - die Frage ist nur: Wer?

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