"Die Presse" Glosse: "Murks. Letzter Akt" (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 11.6.2003

Wien (OTS) - Und jetzt noch Sigisbert Dolinschek. Dann war sie endgültig ein Murks. Die Pensionsreform ist durch jedes "Glätten von Ecken und Kanten" so verschlechtert worden, dass man nur noch über eines froh sein kann: dass (offenbar) nicht noch bis September verhandelt wird. Sonst hätten Sigisbert, Jörg, Fritz V. und Fritz N. & Co wohl noch eine Pensionsverdoppelung für jeden herausgeholt. Schon bisher haben sie ja das Ziel "mehr Gerechtigkeit" mit Erfolg ins Gegenteil wandeln können.
So sind die zahllosen "Deckel" extrem ungerecht. Denn sie verzerren den Zusammenhang zwischen Einzahlung und Pension. So ist der Eingriff in die Altpensionen extrem ungerecht. Denn viele jener, die nun zwei Jahre keine volle Inflationsanpassung bekommen, haben ihre Pension in höherem Prozentsatz durch Beiträge erarbeitet als die nun belohnten Klein-Pensionisten.
Und ungerecht ist auch jede Vorzugsbehandlung für Schwerarbeiter und "Hackler" (also jene, die schon mit 15 arbeiten, statt in die Schule zu gehen, und mit 60, also fünf Jahre länger, die Pension genießen können). Alle bekommen jetzt privilegiert hohe und/oder frühe Pensionen, die nicht ihrer Einzahlung entsprechen.
Bei aller Sympathie für hart Arbeitende: Aber deren Mühe in Nachtschicht, auf Streifendienst und am Hochofen soll bitte auch der davon profitierende Arbeitgeber zahlen (etwa durch höhere ASVG-Beiträge und Löhne). Und nicht die Allgemeinheit.
Wir lernen: Schulabbrechen lohnt sich. Und mit der FPÖ regieren hat das gleiche Motto wie links regieren: Muntere Umverteilung statt Leistungsgerechtigkeit und Verursacherprinzip.

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