"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ab ins Bett" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 11.06.2003

Wien (OTS) - So dringend notwendig eine echte Pensionsreform ist,
so nervtötend ist die politische Diskussion darüber geworden. Im Vordergrund steht längst nicht mehr die langfristige Absicherung des Systems, sondern die Wahrung der Besitzstände der jeweiligen Stammwähler.
Die ÖVP will die Beamten und die Bauern schonen, die Freiheitlichen werfen sich angeblich für den so genannten "kleinen Mann" ins Zeug und die Sozialdemokraten wollen am liebsten die ganze Reform auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben; nur die "Grünen" haben offenbar vergessen, dass sie einmal die Partei der Jungen waren und allein schon deshalb für eine möglichst rasche und tief greifende Reform sein müssten.
Den Höhepunkt der Demagogie aber liefert die Regierungswerbung im Fernsehen. Da bröckeln Staudämme und ein wohlbeleibter Senior verbreitet Panik: "Wenn nichts geschieht, wird in einigen Jahren ein Berufstätiger einen Pensionisten erhalten müssen."
Dagegen hilft wohl nur eines: Ab ins Bett und die Decke trotz der Hitze fest über Augen und Ohren gezogen, damit uns dieser Schwachsinn erspart bleibt. Sollte das freilich, vornehm ausgedrückt, als Nebeneffekt die Fertilität steigern - laut Lexikon ist das "die Fähigkeit von Organismen, Nachkommen hervorzubringen" - hätte der TV-Spot zumindest indirekt vielleicht doch heilende Wirkung auf unser Pensionssystem.

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