- 06.06.2003, 12:22:58
- /
- OTS0157 OTW0157
Ferrero-Waldner: Österreichische Initiative für einen Islam-Dialog in Europa
Grazer Konferenz der Leiter islamischer Zentren und Imame in Europa (13.-15. Juni 2003)
Wien (OTS) - Die gemeinsame Idee von Außenministerin Benita
Ferrero-Waldner, dem Oberhaupt der Islamischen Glaubensgemeinschaft
in Bosnien und Herzegowina, Reis-ul-Ulema Mustafa Ceric, und dem
Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Prof.
Anas Schakfeh, geistliche Führer der Muslime in Europa zu einem
Gedankenaustausch zusammenzuführen, um Fragen des Islams unter dem
Aspekt der spezifischen, von den Muslimen anerkannten Bedingungen in
Europa zu behandeln, hat zur "Konferenz Leiter islamischer Zentren
und Imame in Europa" geführt, die die Islamische Glaubensgemeinschaft
in Österreich (IGGiÖ) mit Unterstützung der Islamischen Organisation
für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (ISESCO) und der Europäischen
Islamischen Konferenz (EIC) veranstaltet. Das Land Steiermark und die
Stadt Graz sind Gastgeber der vom 13. bis 15. Juni im Grazer
Messezentrum stattfindenden Zusammenkunft der Repräsentanten einer
Glaubensgemeinschaft, die ein zunehmend wichtiger Faktor im
politischen, sozialen und kulturellen Leben Europas ist, aber auch
schon immer ein lebendiger Bestandteil in dem von Vielfältigkeit
geprägten Zusammenleben der Menschen dieses Kontinents war. Dazu
Außenministerin Ferrero-Waldner: "Österreich ist als Tagungsort schon
darum prädestiniert, weil hier der Islam seit 1912 staatliche
Anerkennung genießt und sich so ein positives Klima entwickeln
konnte, das die Integration der Muslime fördert".
Die Veranstaltung wird u.a. von Außenministerin Benita
Ferrero-Waldner, Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic und
Bürgermeister Siegfried Nagl, die die Veranstaltung finanziell und
organisatorisch unterstützt haben, eröffnet. Hochrangige
Persönlichkeiten der internationalen islamischen Welt und der
europäischen Politik wie z. B. der Generalsekretär des Europarates
Walter Schwimmer werden sich am Eröffnungsabend an die über 100
geistigen Führer von rund 20 Millionen Muslimen in ganz Europa
wenden.
Die Konferenzteilnehmer werden als islamische Religionsvertreter und
Europäer in den darauffolgenden Tage folgende Themen diskutieren:
- Standortsbestimmung der Muslime in Europa und Hervorhebung der
eigenen, selbständigen Identität als europäische Muslime. Der Islam
in Europa soll eine authentische, aber doch unabhängige Prägung
erfahren.
- Theologische weitere Ausführung des muslimischen Gedankens der
Vereinbarkeit von Islam mit Demokratie, Rechtsstaatlichkeit,
Menschenrechten und Pluralismus und praktische Konsequenzen für die
Arbeit der Imame als Multiplikatoren und die sich daraus ergebenden
Konsequenzen für Bildung und Erziehung
- Religiöse Begründung der Beziehungen der in Europa lebenden Muslime
zu den europäischen Nationalstaaten (Staatsangehörigkeit) und zu der
europäischen Union als Verkörperung der europäischen Einheit
- Gestaltung der Beziehungen der in Europa lebenden Muslime zu den
anderen Religionsgemeinschaften und zu den Bürgern anderer
Weltanschauung im Sinne des Dialogs und des friedlichen
Zusammenlebens
- Beginn der Formulierung einer kanonisch rechtlichen Ordnung für
Muslime in Europa auf der Basis der islamischen Disziplinen fiqh al
aqaliat (Rechtsauslegung in der Minderheitensituation) und fiqh al
aulawiat (Rechtsauslegung unter Berücksichtigung der Prioritäten),
wobei die Konferenz einen Baustein darstellt
- Theologische Formulierung eines von dem Islam prinzipiell
postulierten mittleren Weges (wasatiya) und einer gemäßigten
Religiosität (i'tidal) unter Distanzierung von jeglicher Radikalität
oder Fanatismus.
Die islamischen Gemeinschaften in Europa und ihre Religionsführer
setzen mit dieser Konferenz einen gemeinsamen Schritt, um die
Synthese zwischen zeitgemäßen Antworten auf die soziale, politische
und kulturelle Situation in Europa und den Grundsätzen des Islams zu
finden. Diesem Prozess der Bewusstseinsbildung soll der
Gedankenaustausch eine Plattform bieten und deutliche Impulse für das
Zusammenleben und die gemeinsame Gestaltung Europas vor allem jenen
geben, die in Bildung und Erziehung dafür Verantwortung tragen.
OTS0157 2003-06-06/12:22
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MAA






