• 04.06.2003, 09:30:00
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EU-weites Online-Shopping im Test

Konsumentenrechte sind Mangelware. Wenige Webseiten offerieren grenzüberschreitende Lieferungen. Einkaufsparadies Europa existiert online nicht.

Wien (OTS) - Beim grenzüberschreitenden Online-Shoppen ist Europa
bestenfalls "Beitrittskandidat" für einen florierenden Markt.
Probleme, überhaupt Webseiten zu finden, die grenzüberschreitende
Lieferungen offerieren, und phantasievolle Auslegungen der
rechtlichen Vorgaben der Fernabsatzrichtlinie durch die Anbieter -
das sind die zentralen Ergebnisse einer Analyse zum Europäischen
Onlinemarkt. Mehr als ein Drittel der bestellten Ware wurde gar nicht
erst geliefert - und fast ein Drittel der Anbieter verweigerte die
vorgeschriebene Rückerstattung aller Kosten bei Rückgabe der
Produkte.

Standards beim grenzüberschreitenden E-Commerce zu ermitteln und
die Einhaltung der Konsumentenrechte nach der Fernabsatzrichtlinie zu
prüfen: Das war Ziel einer Studie, an der unter Federführung des
Europäischen Verbraucherzentrums Düsseldorf das Netzwerk der
Europäischen Verbraucherzentren in Belgien, Deutschland, Finnland,
Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Österreich,
Portugal, Schweden und Spanien teilnahmen. In Österreich ist die
Europäische Verbraucherberatung beim Verein für
Konsumenteninformation (VKI) angesiedelt. Insgesamt wurden 114
grenzüberschreitende Einkaufsversuche gestartet, in jedem
EU-Mitgliedsland kamen jeweils 15 Anbieter unter die Test-Lupe.
Geordert wurden T-Shirt, Büroartikel, CD, DVD, Spielzeug, Uhr,
Druckerpatronen und ein Wörterbuch.

Fazit nach rund 14 europäischen Shopping-Wochen:

+ Die Websites der Onlineshops offerieren keineswegs ein grenzenloses
Einkaufsparadies. In welche Länder überhaupt geliefert wird, ist
mühsam zu eruieren. Von 262 begutachteten Seiten hatte nur rund ein
Viertel Informationen in mehr als einer Sprache parat. Somit haben
Kunden kaum Chancen, ihre Verbraucherrechte in einer anderen als der
Heimatsprache des Anbieters einzusehen. Infomationen über
Rückgaberechte und Hinweise auf Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
werden im Web-Auftritt eher versteckt, denn kundenfreundlich
platziert. Vergeblich wurde gar bei 13 Prozent nach dem
Kleingedruckten geklickt.

+ Auch nach den Kosten der Bestellung, einschließlich Versand und
Porto, muss der Kunde lange suchen. Häufig werden die Gesamtkosten -
entgegen den Vorgaben der Fernabsatzrichtlinie - erst beim Kauf
offenbart. Sieben Prozent der Websites informierten darüber gar
nicht.

+ Vielfach stürzen Kunden beim Online-Ordern ab: Neunmal reagierten
Shops überhaupt nicht auf den Bestellvorgang, 21-mal wurden die
Bestellungen zwar bestätigt, aber dann weder berechnet noch geliefert
- und neunmal wurde zwar bestätigt und berechnet, aber keine Ware
geliefert. Nur in 67 Fällen (57%) hatten die Tester beim
Bestellvorgang nichts zu reklamieren.

+ Tatsächlich geliefert wurden nur 75 Produkte - das sind rund zwei
Drittel der bestellten Waren. Die Lieferzeit lag im Schnitt bei elf
Tagen, wobei es drei Anbieter sogar auf mehr als 30 Tage brachten und
somit die ohnehin großzügig eingeräumte 30-Tage-Frist der
Fernabsatzrichtlinie noch überschritten. Europameister im
Schneckentempo war ein T-Shirt aus Österreich, das für die Lieferung
nach Luxemburg 67 Tage benötigte.

+ Die Bezahlung beim grenzüberschreitenden Onlinekauf erfolgt in der
Regel mit Kreditkarte. 68 Bezahlvorgänge wurden im Rahmen des Tests
erfasst. Lediglich sieben Prozent der Anbieter buchten an dem Tag ab,
an dem auch die Lieferung beim Kunden eintraf. Die Hälfte der
Abbuchungen erfolgte innerhalb von zwei Tagen nach Bestellung, knapp
ein Viertel der Anbieter buchte sogar zeitgleich mit der
Auftragsbestätigung durch den Käufer ab.

+ Um die Rückgabemöglichkeiten zu prüfen, retournierten die
Testkäufer der Europäischen Verbraucherzentren 57 der 75 gelieferten
Produkte. Denn die Fernabsatzrichtlinie sieht vor, dass der Kunde
dabei lediglich die unmittelbaren Rücksendekosten zu tragen hat -
aber auch nur dann, wenn dies aus den AGB hervorgeht. Nur 21 Anbieter
hielten sich daran und bezahlten alle sonstigen Kosten. In 18 Fällen
erhielt der Kunde überhaupt kein Geld zurück. Nur 16 der 57 Anbieter
hatten vor dem Kauf über Widerrufsfristen informiert.

"Konsumentenrechte bleiben beim Online-Shopping vielfach auf der
Strecke", resümiert Mag. Georg Mentschl, Leiter der Europäischen
Verbraucherberatung in Österreich, die Ergebnisse der Studie. Trotz
Mindestvorgaben durch die Fernabsatzrichtlinie werden diese vielfach
ignoriert: "Die Anbieter entwickeln dabei rege Phantasie bei deren
Auslegung", so Mentschl.

Soll grenzüberschreitender E-Commerce zu einem florierenden Markt
wachsen, ist es aus Konsumentensicht unabdingbar, für mehr
Transparenz und Angleichung der nationalen Bestimmungen in zentralen
Punkten des Verbraucherschutzes zu sorgen. Denn nur wenn User die
Marktbedingungen als vertrauenswürdig und transparent erleben, werden
sie die Vorteile des Online-Shoppings auch nutzen.

Hinweis: Der Untersuchungsbericht steht im Internet unter
www.europakonsument.at als kostenloser Download zur Verfügung.

OTS0033    2003-06-04/09:30

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NKI

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