• 03.06.2003, 19:07:36
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Oberösterreichische Nachrichten 4. Juni 2003 "Ein Streik mit Augenmaß" von Gerald Mandlbauer

Hätten nicht Fernsehen und Zeitungen so ausführlich berichtet, wäre
der gestrige Streik an einer Mehrheit der nicht auf öffentliche
Verkehrsmittel angewiesenen Bürger beinahe spurlos vorüber gegangen.
Das befürchtete Chaos ist nämlich ausgeblieben. Keine Rede von lahm
gelegten Zentren, von blockierten Innenstädten, Unternehmen. Die
Gewerkschaften stützten sich bei ihren gestrigen Protesten abermals
auf die Getreuesten ihrer Treuen, auf Postler, öffentlich
Bedienstete, Mitarbeiter der großen Industriebetriebe, Eisenbahner.
Auf sie ist Verlass. Auf jene Österreicher nicht, die nicht zu den
Kerntruppen des ÖGB zählen, erst recht nicht nach der zweimaligen
Nachbesserung des Pensionspaketes durch die Regierung.
Ist der gestrige Streiktag deswegen zu einem Reinfall für den ÖGB
geworden? Keineswegs. Der Streik ist so ausgefallen, wie er geplant
worden war, nämlich als Protest mit Augenmaß. Die gemäßigten Kräfte
des ÖGB verzichteten darauf, ihre schärfste Munition zu laden. Sie
haben sich gegen Scharfmacher wie Hans Sallmutter durchgesetzt.
Das alles soll die Schäden des gestrigen Streiktages, die in die
vielen Millionen gehen, nicht verniedlichen. Dass kann nicht darüber
hinwegtäuschen, dass ein Streik nichts zur Klärung der Pensionfragen
beisteuern kann. Das ersetzt Unternehmern nicht den erlittenen
Schaden.
Doch hätten Krawallmacher gestern die Oberhand behalten, wäre der
gestrige Streiktag ganz anders verlaufen. Und Schüssel hätte sein
Wunschszenario: Einen ÖGB, der zu drastischeren Mitteln greift,
dabei auf zunehmendes Unverständnis der Bevölkerung trifft und eine
Regierung, die trotz aller Proteste keinen Deut von ihrer Reform
abrückt. Nicht alle im Gewerkschaftsbund haben diese Gefahr des
Gesichtsverlusts für ihre Organisation auch erkannt.

Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten
Tel.: 0732/7805-440 od. 434

OTS0228    2003-06-03/19:07

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