• 28.05.2003, 15:14:45
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Tunnelanstich für die Verlängerung der U1

Wien (OTS) - Die Linie U1 verkehrt derzeit zwischen Reumannplatz und
Kagran und hat 14 Stationen. Nun wird sie bis an den nördlichen
Stadtrand verlängert. Seit Herbst 2001 wird an der 4,6 Kilometer
langen Verlängerungstrecke gebaut. Im September 2006 wird das neue
Teilstück mit den fünf zusätzlichen Stationen Kagraner Platz,
Rennbahnweg, Aderklaaer Straße, Großfeldsiedlung und Leopoldau in
Betrieb gehen. Erstmals nach über einem Vierteljahrhundert ist beim
Bau der U1-Verlängerung nach Leopoldau wieder eine Schildbohrmaschine
im Einsatz.

Die Verlängerungsstrecke der Linie U1 wird teils unterirdisch teils
in Hochlage geführt. Beim unterirdischen Streckenteil gelangen sowohl
offene Bauweise - mit Schlitzwänden, Bohrpfählen und Spundwänden -
als auch geschlossene Bauweise zur Anwendung. Beim Tunnelvortrieb in
geschlossener Bauweise kommt erstmals nach über einem
Vierteljahrhundert wieder eine Schildbohrmaschine zum Einsatz.

U-Bahn-Maulwurf wieder im Einsatz

Am 26. Mai 1977 wurde mit Fertigstellung des U1-Streckentunnels
zwischen Schwedenplatz und Nestroyplatz die bewährte
Tunnelvortriebsmaschine, der so genannte "Wiener Maulwurf",
eingemottet. Ab diesem Zeitpunkt kam beim Wiener U-Bahn-Bau die
weltweit angewendete "Neue Österreichische Tunnelbaumethode" zum
Einsatz.

Aufgrund der extremen geologischen Bedingungen beim Bau der
U1-Verlängerung von Kagran nach Leopoldau muss nun aber der "Wiener
Maulwurf" nach - fast auf den Tag genau - 26 Jahren wieder aktiviert
werden. Die neue Schildmaschine, ein hochmodernes High-Tech-Gerät,
ist 45 Meter lang, hat 7 Meter Durchmesser und ein Gesamtgewicht von
500 Tonnen. Pro Tag wird sie 12 Meter der neuen Tunnelstrecke mitten
durch das Grundwasser auffahren.

Der Streckenabschnitt in geschlossener Bauweise besteht aus zwei
eingleisigen Tunnelröhren mit jeweils 420 Metern Länge und liegt
zwischen der Andreas-Huger-Gasse und dem Kagraner Platz. Die Kirche
St. Georg am St.-Wendelin-Platz wird dabei direkt unterfahren.

Durch die U1 rückt der Stadtrand näher ans Zentrum

Sowohl die überwiegend von Jungfamilien bewohnte Donaustadt, der
flächenmäßig mit Abstand größte Bezirk Wiens, als auch der
bevölkerungsstarke Bezirk Floridsdorf bekommen mit der "neuen" U1 ein
weiteres attraktives öffentliches Verkehrsangebot. Immerhin wohnen in
beiden Bezirken zusammen rund 260.000 Menschen.

Die Notwendigkeit der Verlängerung der Linie U1 über die derzeitige
Endstelle Kagran hinaus bis zur Stadtgrenze war bei den Stadtplanern
immer unbestritten. Zum einen war es naheliegend, die großen
Wohnsiedlungen Rennbahnweg und Großfeldsiedlung direkt ans
U-Bahn-Netz anzuschließen, andererseits konnte damit dem Gedanken des
"Schienenverbundprojekts" (Grundlage der Verträge zwischen Bund und
Land Wien bei öffentlichen Nahverkehrsvorhaben) durch einen
optimierten Anschluss an den ÖBB-Bahnhof Leopoldau samt Park+Ride
Anlage mit 1.200 Stellplätzen Rechnung getragen werden. Die Linie U1
wird - nach der Linie U6 in Siebenhirten - damit zur zweiten
U-Bahn-Linie, die bis an den Stadtrand geführt wird. Sie wird die
Bezirke Floridsdorf und Donaustadt wesentlich vom Durchzugsverkehr
(Einpendler aus dem Weinviertel) entlasten und darüber hinaus die
bestehenden Verkehrsprobleme des großen Einzugsbereichs nördlich der
Donau spürbar entschärfen.

Erstmalig wurde bei der U1-Verlängerung im Sinne einer offenen,
transparenten und bürgernahen Planung die Bevölkerung sehr frühzeitig
in den Planungsprozess mit einbezogen. In zahlreichen Veranstaltungen
und Ausstellungen wurde das U-Bahn-Projekt bereits im Vorfeld soweit
perfektioniert und abgestimmt, dass das gesetzlich vorgeschriebene
Bürgerbeteiligungsverfahren dann ohne Terminverzögerung abgewickelt
werden konnte.

Rieder: International vorbildlicher Wiener U-Bahn-Bau

Der Amtsführende Stadtrat für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener
Stadtwerke, Vizebürgermeister Dr. Sepp RIEDER, betonte anlässlich des
Tunnelanstiches, dass der Wiener U-Bahn-Bau in vorbildlicher Weise
zeigt, wie der erfolgreiche Ausbau von Verkehrsinfrastruktur
funktionieren kann.
Seit der Eröffnung der ersten Probestrecke im Jahr 1976 wurden 61
Kilometer U-Bahn errichtet und in Betrieb genommen, das sind
durchschnittlich zweieinhalb Kilometer U-Bahn-Strecke pro Jahr. Eine
Leistung, um die Wien international beneidet wird.
Dabei handelte es sich zum Teil um äußerst komplizierte
Tunnelbaustrecken, für die beispielsweise eine Unterfahrung des
Donaukanals (U1), Donauüberquerungen (U1, U6) oder
Kirchenunterfahrungen (U3/West, U3/Ost) nötig waren oder bei denen
auf gewaltige Grundwasserströme Rücksicht genommen werden musste, wie
bei der U6 im 20. und der U3 im 11. Bezirk.

Die U1 wird 14,6 Kilometer lang

Der neue Streckenabschnitt ist 4,6 Kilometer (inkl. Wende und
Abstellanlage 5,1 km) lang und bringt fünf neue Stationen. Nach der
Fertigstellung der U1 wird ihre Gesamtlänge 14.656 Meter betragen.
Die U1 verbindet dann sechs Bezirke (1., 2., 4., 10., 21. und 22.).
Schon jetzt bietet sie Umsteigemöglichkeiten zu drei anderen
U-Bahn-Linien (U2, U3 und U4) sowie zu den Schnellbahnlinien S1, S2,
S3 und S7 am Praterstern (Wien Nord), nach der Verlängerung nochmals
zur S1 und S2 in Leopoldau.

Die Kosten für das Gesamtprojekt betragen rund 530 Millionen Euro.

Nord-Süd-Durchquerung in nur 25 Minuten

Ab September 2006 wird man über die bisherige Endstelle Kagran hinaus
zu den neuen Stationen Kagraner Platz, Rennbahnweg, Aderklaaer
Straße, Großfeldsiedlung und Leopoldau fahren können. Die
Gesamtfahrzeit vom Reumannplatz bis zur neuen Endstelle Leopoldau -
nahezu eine komplette Nord-Süd-Durchquerung Wiens - wird ca. 25
Minuten betragen. Bewohner der Großfeldsiedlung sind dann in nur 7
Minuten an der Alten Donau, in 10 Minuten auf der Donauinsel, in 13
Minuten am Praterstern und in 16 Minuten im Stadtzentrum am
Stephansplatz. Das sind Fahrzeiten, die mit dem Auto nicht einmal in
einer verkehrsarmen Nacht erreicht werden können.

Baubeginn für U2-Verlängerung

Im April 2000 erfolgte im Bereich der Linie U2 beim Museumsquartier
der Startschuss für die 3. Ausbauphase der Wiener U-Bahn mit dem
Beginn der Umbauarbeiten an der bestehenden U2-Stammstrecke. Nun sind
für die Neubaustrecke der Linie U2 zwischen Schottentor und
Ernst-Happel-Stadion die Planungen und bauvorbereitenden Arbeiten
soweit abgeschlossen, dass mit den Rohbauarbeiten zur Tunnel-,
Stations- und Streckenherstellung begonnen werden kann. Die neue
Strecke umfasst die Stationen Schottenring, Taborstraße, Praterstern,
Messe. Trabrennstraße und Stadion.
Der Streckenteil ist 4 km lang und soll im Frühjahr 2008 in Betrieb
gehen. (Schluss) wstw

OTS0203    2003-05-28/15:14

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