- 27.05.2003, 09:59:50
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ÖAMTC-Kindersitztest 2003: Erstmals in jeder Gewichtsklasse ein Modell sehr empfehlenswert
Drei "nicht empfehlenswerte" Sitze trüben äußerst positives Ergebnis
Wien (ÖAMTC-Presse) - Bei der Fülle an Kindersitzen, die der Markt
bietet, sind Eltern bei der Auswahl oft überfordert. Dass nicht alle
Sitze tatsächlich hohe Sicherheit für die Sprösslinge bieten, das
stellte sich auch beim ÖAMTC-Kindersitztest 2003 heraus. 26 gängige
Kindersitze wurden vom Club gemeinsam mit seinen Schwesterclubs und
den Verbraucherorganisationen in Europa gecrasht und genauestens
geprüft. Was die Test-Experten besonders freut: Erstmals gibt es in
jeder Gewichtsklasse (0+, I, II und III) einen Sitz, der das Prädikat
"sehr empfehlenswert" verdient. Stark getrübt wird das positive
Ergebnis aber von drei "nicht empfehlenswerten" Produkten, die wegen
schwerer Sicherheitsmängel glatt durchgefallen sind. "Es dürfte nicht
passieren, dass solche Sitze verkauft werden", kritisiert Franz
Peleska, Leiter des ÖAMTC-Kindersitztests.
Insgesamt finden sich 20 Produkte in der Einschätzung "sehr
empfehlenswert" und "empfehlenswert". Produkte der Firma Römer
stellen drei der fünf besten Sitze: "Baby Safe Plus" für Kinder von
0-13 kg, "Duo Plus" von 9-18 kg und "Kid" von 15-36 kg. In der
Gewichtsklasse von 9-18 kg gilt der "Besafe IZI Comfort" von HTS als
"sehr empfehlenswert", für Kinder von 9-36 kg ist es der "Life
Plus"-Sitz von Kiddy.
Der "Baby Safe Plus" von Römer ist die einzige Babyschale, die mit
"sehr empfehlenswert" beurteilt wurde. Ein Novum, das die Bedienung
enorm erleichtert, stellt die zentrale Höhenverstellung der
Kindergurte mittels Klippsystems an der Sitz-Rückseite dar. Peleska:
"Dadurch entfällt das komplizierte Ausfädeln der Gurte."
In der Gewichtsklasse 9-18 kg steuert HTS mit dem "Besafe IZI
Comfort" einen der besten Sitze mit Fahrzeug-Gurtmontage bei, der mit
durchwegs guten Werten in allen Prüfdisziplinen überzeugt. Mit
Isofix-Montage ist der "Römer Duo Plus" der derzeit beste Sitz in
dieser Kategorie. Die optionale Gurtmontage bringt immer noch ein
"empfehlenswert", ist allerdings nicht sinnvoll. In der Bedienung
besticht er durch zentrale Gurthöhenverstellung, einfache
Größenanpassung an das Kind und geringe Gefahr der Fehlbedienung.
Der große Römer-Bruder "Kid" für die Gewichtsklasse 15-36 kg ist
der erste Sitz-Erhöher mit Rückenlehne, der mit "sehr empfehlenswert"
beurteilt wurde. Der Sitz wird in Fahrtrichtung mit
Dreipunkt-Fahrzeuggurt montiert. Positiv sind vor allem die geringen
Belastungswerte beim Seitenaufprall, die gute Kopfabstützung und die
unkomplizierte Größenanpassung hervorzuheben. Empfehlenswert sind
Sitz-Erhöher mit Rückenlehne generell erst für Kinder ab zirka fünf
Jahren.
Der fünfte "sehr empfehlenswerte" Kandidat aus der Spitzengruppe
ist das Modell "Life Plus" von Kiddy, das die Gruppen I-III (also 9
bis 36 kg) umspannt. Es handelt sich um einen Sitz-Erhöher mit
Rückenlehne und Fangkörper (für Kinder von 9-18 kg). Er zeichnet sich
durch niedrige Belastungswerte im Seitencrash und eine geringe Gefahr
der Fehlbedienung aus.
Sitze für mehrere Gewichtsklassen meist nur "bedingt
empfehlenswert"
Die drei Sitze mit Wertung "bedingt empfehlenswert" - "Concord
Trimax X-Line", "Eurokids Star" und "IWH Vario Kid" - zeigen in Bezug
auf Sicherheit und Bedienung bedeutende Schwächen: Beanstandungen gab
es u.a. für erhöhte Belastungswerte, kritischen Gurtverlauf,
schwierige Größenanpassung, mangelhafte Kopfabstützung und instabile
Verankerung im Pkw. "Es handelt sich um Sitze, die mehrere
Gewichtsklassen abdecken. Das zeigt, dass es dann zu Kompromissen
kommt, die sich Sicherheits-schmälernd auswirken", bedauert Peleska
das Ergebnis. Oft werden Eltern im guten Glauben gelassen, ein
sicheres Produkt zu erwerben. Beispielsweise verkauft VW den
Eurokids-Sitz unter dem Namen "Brummbär" dazu. "Wenn der Konsument
ihn von einem bekannten Autohersteller empfohlen bekommt, dann sollte
der Sitz schon sicher sein", kritisiert Peleska.
Schwere Sicherheitsmängel bei drei "nicht empfehlenswerten"
Sitzen
Drei Produkte sind beim Kindersitztest glatt durchgefallen: Bei
"Safety Baby Basic" von Teamtex riss im Crashtest die Sitzschale aus,
worauf der Dummy ungesichert durchs Wageninnere katapultiert wurde.
Beim "Zenith" von Chicco zeigte die Sitzschale Risse nach dem Test
und durch die langen dünnen Gurte, die leicht verdrehen, ist das
Anschnallen des Kindes aufwendig und die Gefahr von "Misuse" sehr
groß. Das Modell "Runner" von Mothercare wurde wegen hoher
Belastungswerte im Front- und erhöhter Werte im Seitencrash
abgewertet. "Dieses Ergebnis ist erschreckend", meint ÖAMTC-Techniker
Peleska. "Die Mängel der drei Produkte sind lebensbedrohlich und es
ist nicht zeitgemäß, dass solche Sitze vertrieben werden."
Informationen, wie getestet wurde sowie die detaillierten
Ergebnisse, Fotos und Crash-Videos vom ÖAMTC-Kindersitztest 2003
finden sich online unter http://www.oeamtc.at/.
Was der ÖAMTC von den Kindersitz-Herstellern fordert
Seit dem letzten Kindersitztest 2002 hat sich die Anzahl der
Fahrzeugmodelle, die serienmäßig mit Isofix-Halterungen ausgestattet
sind, ständig erhöht. Isofix ist ein international genormtes
Befestigungssystem für Kindersitze in Fahrzeugen, wodurch das
Abspulen und Umherfädeln des Sicherheitsgurtes entfällt. Derzeit ist
für einen solchen Sitz eine fahrzeugbezogene Zulassung notwendig. Der
ÖAMTC fordert, dass Isofix-Sitze generell in allen Fahrzeugen mit
entsprechender Isofix-Halterung, also ohne fahrzeugspezifische
Bindung, verwendet werden dürfen.
Der Club-Fachmann erwartet sich von den Kindersitz-Herstellern
außerdem, dass Sitzeinbau und Sichern des Kindes einfach zu handhaben
und in der Bedienungsanleitung eindeutig beschrieben sind. Sowohl in
der Bedienungsanleitung als auch auf dem Kindersitz müssen
unmissverständliche Hinweise für die Benutzung in Autos mit Front-
und Seitenairbags vorhanden sein.
Der Kindersicherung im Auto höchste Priorität einräumen
Ein abschließender Tipp des ÖAMTC-Experten, wie Eltern Auswahl,
Kauf und Einbau des Kindersitzes am besten bewerkstelligen: Ins
nächste Geschäft zu laufen und den im Test bestbewerteten Kindersitz
zu kaufen, ist nicht der richtige Weg. Nicht jeder Sitz passt für
jedes Kind und jedes Auto. Eine generelle Beurteilung für Kindersitze
kann es nicht geben, denn entscheidend ist immer das Zusammenspiel
zwischen Kind, Sitz und Auto. Grundsätzlich sollte man immer mit
Sprössling und Auto zum Kindersitzkauf kommen. Nur so kann der beste
Sitz ausgewählt und vor dem Kauf gleich zur Probe eingebaut werden.
Die richtige Bedienung gleich im Geschäft zeigen lassen.
Wie wichtig die richtige Kindersicherung im Auto ist, zeigen die
Verkehrsunfallzahlen 2002. Insgesamt 4.023 Kinder bis 14 Jahre wurden
bei Verkehrsunfällen verletzt, 25 kamen ums Leben. Fast die Hälfte
der in Verkehrsunfälle verwickelten Kinder waren als Mitfahrer in
einem Pkw betroffen. Die Sicherung von Kindern in Kraftfahrzeugen ist
zwar von gesetzlicher Seite ein Muss, im Jahr 2002 waren aber 13
Prozent aller Kinder völlig ungesichert im Pkw unterwegs. "Für einen
konsequenten und fehlerfreien Gebrauch von Rückhaltesystemen ist die
Überzeugung der Eltern hinsichtlich der Schutzwirkung daher das Um
und Auf", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.
Aviso an die Redaktionen:
Eine Übersichtsgrafik zum Kindersitztest und Bildmaterial finden sich
im ÖAMTC-Foto-Service, das im Internet unter
http://www.oeamtc.at/presse/ abgerufen werden kann. Ein Interview mit
ÖAMTC-Techniker Franz Peleska gibt es auf der APA-Audio-Plattform.
(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger
Rückfragehinweis: ÖAMTC Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218
OTS0054 2003-05-27/09:59
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