ÖAMTC-Kindersitztest 2003: Erstmals in jeder Gewichtsklasse ein Modell sehr empfehlenswert

Drei "nicht empfehlenswerte" Sitze trüben äußerst positives Ergebnis

Wien (ÖAMTC-Presse) - Bei der Fülle an Kindersitzen, die der Markt bietet, sind Eltern bei der Auswahl oft überfordert. Dass nicht alle Sitze tatsächlich hohe Sicherheit für die Sprösslinge bieten, das stellte sich auch beim ÖAMTC-Kindersitztest 2003 heraus. 26 gängige Kindersitze wurden vom Club gemeinsam mit seinen Schwesterclubs und den Verbraucherorganisationen in Europa gecrasht und genauestens geprüft. Was die Test-Experten besonders freut: Erstmals gibt es in jeder Gewichtsklasse (0+, I, II und III) einen Sitz, der das Prädikat "sehr empfehlenswert" verdient. Stark getrübt wird das positive Ergebnis aber von drei "nicht empfehlenswerten" Produkten, die wegen schwerer Sicherheitsmängel glatt durchgefallen sind. "Es dürfte nicht passieren, dass solche Sitze verkauft werden", kritisiert Franz Peleska, Leiter des ÖAMTC-Kindersitztests.

Insgesamt finden sich 20 Produkte in der Einschätzung "sehr empfehlenswert" und "empfehlenswert". Produkte der Firma Römer stellen drei der fünf besten Sitze: "Baby Safe Plus" für Kinder von 0-13 kg, "Duo Plus" von 9-18 kg und "Kid" von 15-36 kg. In der Gewichtsklasse von 9-18 kg gilt der "Besafe IZI Comfort" von HTS als "sehr empfehlenswert", für Kinder von 9-36 kg ist es der "Life Plus"-Sitz von Kiddy.

Der "Baby Safe Plus" von Römer ist die einzige Babyschale, die mit "sehr empfehlenswert" beurteilt wurde. Ein Novum, das die Bedienung enorm erleichtert, stellt die zentrale Höhenverstellung der Kindergurte mittels Klippsystems an der Sitz-Rückseite dar. Peleska:
"Dadurch entfällt das komplizierte Ausfädeln der Gurte."

In der Gewichtsklasse 9-18 kg steuert HTS mit dem "Besafe IZI Comfort" einen der besten Sitze mit Fahrzeug-Gurtmontage bei, der mit durchwegs guten Werten in allen Prüfdisziplinen überzeugt. Mit Isofix-Montage ist der "Römer Duo Plus" der derzeit beste Sitz in dieser Kategorie. Die optionale Gurtmontage bringt immer noch ein "empfehlenswert", ist allerdings nicht sinnvoll. In der Bedienung besticht er durch zentrale Gurthöhenverstellung, einfache Größenanpassung an das Kind und geringe Gefahr der Fehlbedienung.

Der große Römer-Bruder "Kid" für die Gewichtsklasse 15-36 kg ist der erste Sitz-Erhöher mit Rückenlehne, der mit "sehr empfehlenswert" beurteilt wurde. Der Sitz wird in Fahrtrichtung mit Dreipunkt-Fahrzeuggurt montiert. Positiv sind vor allem die geringen Belastungswerte beim Seitenaufprall, die gute Kopfabstützung und die unkomplizierte Größenanpassung hervorzuheben. Empfehlenswert sind Sitz-Erhöher mit Rückenlehne generell erst für Kinder ab zirka fünf Jahren.

Der fünfte "sehr empfehlenswerte" Kandidat aus der Spitzengruppe ist das Modell "Life Plus" von Kiddy, das die Gruppen I-III (also 9 bis 36 kg) umspannt. Es handelt sich um einen Sitz-Erhöher mit Rückenlehne und Fangkörper (für Kinder von 9-18 kg). Er zeichnet sich durch niedrige Belastungswerte im Seitencrash und eine geringe Gefahr der Fehlbedienung aus.

Sitze für mehrere Gewichtsklassen meist nur "bedingt empfehlenswert"

Die drei Sitze mit Wertung "bedingt empfehlenswert" - "Concord Trimax X-Line", "Eurokids Star" und "IWH Vario Kid" - zeigen in Bezug auf Sicherheit und Bedienung bedeutende Schwächen: Beanstandungen gab es u.a. für erhöhte Belastungswerte, kritischen Gurtverlauf, schwierige Größenanpassung, mangelhafte Kopfabstützung und instabile Verankerung im Pkw. "Es handelt sich um Sitze, die mehrere Gewichtsklassen abdecken. Das zeigt, dass es dann zu Kompromissen kommt, die sich Sicherheits-schmälernd auswirken", bedauert Peleska das Ergebnis. Oft werden Eltern im guten Glauben gelassen, ein sicheres Produkt zu erwerben. Beispielsweise verkauft VW den Eurokids-Sitz unter dem Namen "Brummbär" dazu. "Wenn der Konsument ihn von einem bekannten Autohersteller empfohlen bekommt, dann sollte der Sitz schon sicher sein", kritisiert Peleska.

Schwere Sicherheitsmängel bei drei "nicht empfehlenswerten" Sitzen

Drei Produkte sind beim Kindersitztest glatt durchgefallen: Bei "Safety Baby Basic" von Teamtex riss im Crashtest die Sitzschale aus, worauf der Dummy ungesichert durchs Wageninnere katapultiert wurde. Beim "Zenith" von Chicco zeigte die Sitzschale Risse nach dem Test und durch die langen dünnen Gurte, die leicht verdrehen, ist das Anschnallen des Kindes aufwendig und die Gefahr von "Misuse" sehr groß. Das Modell "Runner" von Mothercare wurde wegen hoher Belastungswerte im Front- und erhöhter Werte im Seitencrash abgewertet. "Dieses Ergebnis ist erschreckend", meint ÖAMTC-Techniker Peleska. "Die Mängel der drei Produkte sind lebensbedrohlich und es ist nicht zeitgemäß, dass solche Sitze vertrieben werden."

Informationen, wie getestet wurde sowie die detaillierten Ergebnisse, Fotos und Crash-Videos vom ÖAMTC-Kindersitztest 2003 finden sich online unter http://www.oeamtc.at/.

Was der ÖAMTC von den Kindersitz-Herstellern fordert

Seit dem letzten Kindersitztest 2002 hat sich die Anzahl der Fahrzeugmodelle, die serienmäßig mit Isofix-Halterungen ausgestattet sind, ständig erhöht. Isofix ist ein international genormtes Befestigungssystem für Kindersitze in Fahrzeugen, wodurch das Abspulen und Umherfädeln des Sicherheitsgurtes entfällt. Derzeit ist für einen solchen Sitz eine fahrzeugbezogene Zulassung notwendig. Der ÖAMTC fordert, dass Isofix-Sitze generell in allen Fahrzeugen mit entsprechender Isofix-Halterung, also ohne fahrzeugspezifische Bindung, verwendet werden dürfen.

Der Club-Fachmann erwartet sich von den Kindersitz-Herstellern außerdem, dass Sitzeinbau und Sichern des Kindes einfach zu handhaben und in der Bedienungsanleitung eindeutig beschrieben sind. Sowohl in der Bedienungsanleitung als auch auf dem Kindersitz müssen unmissverständliche Hinweise für die Benutzung in Autos mit Front-und Seitenairbags vorhanden sein.

Der Kindersicherung im Auto höchste Priorität einräumen

Ein abschließender Tipp des ÖAMTC-Experten, wie Eltern Auswahl, Kauf und Einbau des Kindersitzes am besten bewerkstelligen: Ins nächste Geschäft zu laufen und den im Test bestbewerteten Kindersitz zu kaufen, ist nicht der richtige Weg. Nicht jeder Sitz passt für jedes Kind und jedes Auto. Eine generelle Beurteilung für Kindersitze kann es nicht geben, denn entscheidend ist immer das Zusammenspiel zwischen Kind, Sitz und Auto. Grundsätzlich sollte man immer mit Sprössling und Auto zum Kindersitzkauf kommen. Nur so kann der beste Sitz ausgewählt und vor dem Kauf gleich zur Probe eingebaut werden. Die richtige Bedienung gleich im Geschäft zeigen lassen.

Wie wichtig die richtige Kindersicherung im Auto ist, zeigen die Verkehrsunfallzahlen 2002. Insgesamt 4.023 Kinder bis 14 Jahre wurden bei Verkehrsunfällen verletzt, 25 kamen ums Leben. Fast die Hälfte der in Verkehrsunfälle verwickelten Kinder waren als Mitfahrer in einem Pkw betroffen. Die Sicherung von Kindern in Kraftfahrzeugen ist zwar von gesetzlicher Seite ein Muss, im Jahr 2002 waren aber 13 Prozent aller Kinder völlig ungesichert im Pkw unterwegs. "Für einen konsequenten und fehlerfreien Gebrauch von Rückhaltesystemen ist die Überzeugung der Eltern hinsichtlich der Schutzwirkung daher das Um und Auf", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

Aviso an die Redaktionen:
Eine Übersichtsgrafik zum Kindersitztest und Bildmaterial finden sich im ÖAMTC-Foto-Service, das im Internet unter http://www.oeamtc.at/presse/ abgerufen werden kann. Ein Interview mit ÖAMTC-Techniker Franz Peleska gibt es auf der APA-Audio-Plattform.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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