"Ich bin kein guter Anwalt meiner Musik": ORF-Schwerpunkt zum 80. Geburtstag von György Ligeti

Wien (OTS) - György Ligeti wird am 28. Mai 80 Jahre alt. Der ORF widmet dem Komponisten ungarischer Herkunft, der zu einem der herausragendsten Vertreter der musikalischen Avantgarde zählt, einen Schwerpunkt. Österreich 1 gratuliert in den Sendungen "Ö1 bis zwei" (24.5.), "Musikgalerie Spezial" (26.5.) und "Zeit-Ton" (28.5.), ORF 2 zeigt am 1. Juni das Porträt "Grenzklänge".****

Der Komponist György Ligeti wurde am 28. Mai 1923 als Kind ungarischer Eltern in Rumänien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte und arbeitete er in Ungarn, 1956 floh er nach dem Ungarn-Aufstand nach Wien und nahm später die österreichische Staatsbürgerschaft an. Weitere Lebensstationen waren Stockholm, Berlin und die Stanford University. 1973 wurde er an der Hamburger Musikhochschule Professor für Komposition. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die 1978 uraufgeführte Oper "Le Grand Macabre" Einige seiner Werke wurden durch den Soundtrack zu Stanley Kubricks Film "2001 - Odyssee im Weltraum" bekannt. Der Komponist wurde bereits mit dem Beethoven- und dem Bach-Preis ausgezeichnet und dem Großen Österreichischen Staatspreis, der höchstrangigen Auszeichnung der Republik für das künstlerische Lebenswerk. Heute lebt er in Hamburg und Wien. Ligeti gilt als einer der originellsten zeitgenössischen Komponisten. Sein Schaffen ist durch die Musik Ungarns ebenso geprägt wie durch die Begegnung mit der westlichen Avantgarde. Sein Stil lässt sich keiner "Schule" zuordnen.

Vier Tage vor Ligetis 80. Geburtstag schmökert Renate Burtscher in "Ö1 bis zwei" am Samstag, den 24. Mai ab 13.00 Uhr im Buch "Träumen Sie in Farbe?", erschienen bei Zsolnay. In dem Buch erzählt der vielfach ausgezeichnete Komponist György Ligeti, der immer auch ein politischer Kopf war, dem Musikwissenschaftler Eckhard Roelcke seine abenteuerliche Lebensgeschichte und spricht über Musik und Politik, über Zeitgeschehen und Architektur, über Ideen und Begegnungen. Weiters ist ein kurzes Interview mit dem Autor Eckhart Roelcke zu hören, für den musikalischen Rahmen sorgen Werke von Ligeti, Haydn und Strawinsky.

"Wenn ich daran denke, wie viele schwache Stücke ich geschrieben habe! ‚Le Grand Macabre' ist eigentlich ein schwaches Stück. Meine Stücke für zwei Klaviere von 1976 finde ich gelungen. Die Oper nicht. Ich bin kein guter Anwalt meiner Musik." Der Komponist György Ligeti ist bis heute ein wacher und streitbarer Geist und außerdem ein kompromissloser. Nicht nur sich selbst gegenüber neigt er zu dezidierten Urteilen: "Warum es so schlecht ist, weiß ich nicht. Aber das Haas-Haus von Hans Hollein ist für mich das schlimmste Beispiel der postmodernen Architektur.", so Ligeti im neuen Gesprächsbuch "Träumen Sie in Farbe?". Für die Ö1-Sendungen "Musikgalerie Spezial" am 26. Mai um 10.05 Uhr sowie "Zeit-Ton" am 28. Mai um 23. 05 Uhr rekapituliert Christian Scheib aus Anlass des 80. Geburtstages von György Ligeti Höhepunkte und Wendepunkte dessen kompositorischen Schaffens, erinnert an Meilensteine und Weggenossen. Statements und Kommentare, die György Ligeti oft gerne abgab, sind in einer Auswahl aus mehreren Jahrzehnten zu hören, unter anderem aus jenem "Club 2" der 80er Jahre, in dem Ligeti auf Josef Beuys und Peter Weibel traf, um über Kunst und Kunstproduktion zu diskutieren.

"Grenzklänge - Das Phänomen G. Ligeti"

Ligeti gilt als Pionier der modernen Musik und als einer der bekanntesten heute lebenden Komponisten. Aufsehen erregte er Ende der siebziger Jahre mit seinem ersten abendfüllenden Werk "Le Grand macabre". In den achtziger Jahren verlagerte sich sein ständig entwickelnder Stil weg von den statischen Strukturen der früheren Werke hin zu einer dynamischen, polyrhythmischen Technik. In diese Zeit fällt etwa das Klavierkonzert, das Ligeti selbst für seine komplexeste und schwierigste Komposition hält. Ligeti verstand sein musikalisches Engagement als Antwort auf die stilistische Krise der Avantgarde um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Seine musikalische Entwicklung wirkte vorbildhaft für eine ganze Generation von Komponisten. Neben György Ligeti kommen im von Herbert Eisenschenk gestalteten Porträt "Grenzklänge - Das Phänomen G. Ligeti" - am Sonntag, den 1. Juni um 0.15 Uhr in ORF 2 - auch musikalische Weggefährten und Freunde des Komponisten zu Wort, punktuell eingesetzte Archivausschnitte untermalen die wichtigsten musikalischen Stationen.(ih)

Rückfragen & Kontakt:

ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
Tel.: 01/501 01/18050
isabella.henke@orf.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA0003