• 21.05.2003, 10:44:53
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"Ich bin kein guter Anwalt meiner Musik": ORF-Schwerpunkt zum 80. Geburtstag von György Ligeti

Wien (OTS) - György Ligeti wird am 28. Mai 80 Jahre alt. Der ORF
widmet dem Komponisten ungarischer Herkunft, der zu einem der
herausragendsten Vertreter der musikalischen Avantgarde zählt, einen
Schwerpunkt. Österreich 1 gratuliert in den Sendungen "Ö1 bis zwei"
(24.5.), "Musikgalerie Spezial" (26.5.) und "Zeit-Ton" (28.5.), ORF 2
zeigt am 1. Juni das Porträt "Grenzklänge".****

Der Komponist György Ligeti wurde am 28. Mai 1923 als Kind
ungarischer Eltern in Rumänien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg
studierte und arbeitete er in Ungarn, 1956 floh er nach dem
Ungarn-Aufstand nach Wien und nahm später die österreichische
Staatsbürgerschaft an. Weitere Lebensstationen waren Stockholm,
Berlin und die Stanford University. 1973 wurde er an der Hamburger
Musikhochschule Professor für Komposition. Zu seinen bekanntesten
Werken zählt die 1978 uraufgeführte Oper "Le Grand Macabre" Einige
seiner Werke wurden durch den Soundtrack zu Stanley Kubricks Film
"2001 - Odyssee im Weltraum" bekannt. Der Komponist wurde bereits mit
dem Beethoven- und dem Bach-Preis ausgezeichnet und dem Großen
Österreichischen Staatspreis, der höchstrangigen Auszeichnung der
Republik für das künstlerische Lebenswerk. Heute lebt er in Hamburg
und Wien. Ligeti gilt als einer der originellsten zeitgenössischen
Komponisten. Sein Schaffen ist durch die Musik Ungarns ebenso geprägt
wie durch die Begegnung mit der westlichen Avantgarde. Sein Stil
lässt sich keiner "Schule" zuordnen.

Vier Tage vor Ligetis 80. Geburtstag schmökert Renate Burtscher in
"Ö1 bis zwei" am Samstag, den 24. Mai ab 13.00 Uhr im Buch "Träumen
Sie in Farbe?", erschienen bei Zsolnay. In dem Buch erzählt der
vielfach ausgezeichnete Komponist György Ligeti, der immer auch ein
politischer Kopf war, dem Musikwissenschaftler Eckhard Roelcke seine
abenteuerliche Lebensgeschichte und spricht über Musik und Politik,
über Zeitgeschehen und Architektur, über Ideen und Begegnungen.
Weiters ist ein kurzes Interview mit dem Autor Eckhart Roelcke zu
hören, für den musikalischen Rahmen sorgen Werke von Ligeti, Haydn
und Strawinsky.

"Wenn ich daran denke, wie viele schwache Stücke ich geschrieben
habe! ‚Le Grand Macabre' ist eigentlich ein schwaches Stück. Meine
Stücke für zwei Klaviere von 1976 finde ich gelungen. Die Oper nicht.
Ich bin kein guter Anwalt meiner Musik." Der Komponist György Ligeti
ist bis heute ein wacher und streitbarer Geist und außerdem ein
kompromissloser. Nicht nur sich selbst gegenüber neigt er zu
dezidierten Urteilen: "Warum es so schlecht ist, weiß ich nicht. Aber
das Haas-Haus von Hans Hollein ist für mich das schlimmste Beispiel
der postmodernen Architektur.", so Ligeti im neuen Gesprächsbuch
"Träumen Sie in Farbe?". Für die Ö1-Sendungen "Musikgalerie Spezial"
am 26. Mai um 10.05 Uhr sowie "Zeit-Ton" am 28. Mai um 23. 05 Uhr
rekapituliert Christian Scheib aus Anlass des 80. Geburtstages von
György Ligeti Höhepunkte und Wendepunkte dessen kompositorischen
Schaffens, erinnert an Meilensteine und Weggenossen. Statements und
Kommentare, die György Ligeti oft gerne abgab, sind in einer Auswahl
aus mehreren Jahrzehnten zu hören, unter anderem aus jenem "Club 2"
der 80er Jahre, in dem Ligeti auf Josef Beuys und Peter Weibel traf,
um über Kunst und Kunstproduktion zu diskutieren.

"Grenzklänge - Das Phänomen G. Ligeti"

Ligeti gilt als Pionier der modernen Musik und als einer der
bekanntesten heute lebenden Komponisten. Aufsehen erregte er Ende der
siebziger Jahre mit seinem ersten abendfüllenden Werk "Le Grand
macabre". In den achtziger Jahren verlagerte sich sein ständig
entwickelnder Stil weg von den statischen Strukturen der früheren
Werke hin zu einer dynamischen, polyrhythmischen Technik. In diese
Zeit fällt etwa das Klavierkonzert, das Ligeti selbst für seine
komplexeste und schwierigste Komposition hält. Ligeti verstand sein
musikalisches Engagement als Antwort auf die stilistische Krise der
Avantgarde um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Seine musikalische
Entwicklung wirkte vorbildhaft für eine ganze Generation von
Komponisten. Neben György Ligeti kommen im von Herbert Eisenschenk
gestalteten Porträt "Grenzklänge - Das Phänomen G. Ligeti" - am
Sonntag, den 1. Juni um 0.15 Uhr in ORF 2 - auch musikalische
Weggefährten und Freunde des Komponisten zu Wort, punktuell
eingesetzte Archivausschnitte untermalen die wichtigsten
musikalischen Stationen.(ih)

OTS0070    2003-05-21/10:44

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