- 20.05.2003, 17:23:43
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DER STANDARD-Kommentar: "Durch Schaden nicht klug" (von Helmut Spudich) - Erscheinungstag 21.5.2003
Wien (OTS) - Eben erst wurde MCI, das früher WorldCom genannte
Telekomunternehmen, das für den größten Bilanzbetrug und die größte
Pleite der Geschichte sorgte (Elf-Milliarden-Dollar-Betrug), zur
größten Wirtschaftsstrafe aller Zeiten (1,5 Milliarden Dollar, von
denen nur 500 Millionen einbringlich sein werden) verurteilt. Da
erscheint uns das Ausmaß der durchschnittlichen heimischen
Wirtschaftskriminalität mit 400.000 bis 500.000 Euro pro Firma, die
Opfer krimineller Machenschaften wurde, bescheiden - das Böse gibt es
eben auch in Österreich zwangsläufig bescheidener. Aber die Fakten
dahinter, soweit bekannt, geben zu denken: Jede zweite Firma soll
davon betroffen sein, dass die eigenen Mitarbeiter in die Kasse
greifen oder Bilanzen manipulieren. Die Hälfte des Schadens
verursacht übrigens eine kleine Gruppe (13 Prozent) der Täter, die
dem oberen Management angehören.
Und aus dem Schaden werden nur wenige klug: Die Hälfte der
aufgedeckten Kriminalität wird nicht angezeigt, quasi in der Familie
geregelt, und fast die Hälfte der einmal gebrannten Firmen zieht
keine Konsequenzen. Keine vorbeugenden Maßnahmen, keine klaren
Spielregeln, was erlaubt und was verboten ist (etwa bei der
Geschenkannahme, die sich in Bestechung auswachsen kann), keine
systematischen Kontrollen, um Unregelmäßigkeiten in einem frühen
Stadium zu entdecken.
Solche Ignoranz eines erheblichen Teils der Unternehmen kommt grober
Fahrlässigkeit gleich. Denn Opfer sind nicht nur die betroffenen
Firmen, sondern - vor allem bei anschließenden Pleiten - Mitarbeiter,
Kunden und Eigentümer. Eine Anzeigepflicht ab einer bestimmten
Schadenshöhe ist darum nötig. Denn nicht selten werden nur die
kleinen Fische zur Rechenschaft gezogen, die großen aber schwimmen
frei.
OTS0233 2003-05-20/17:23
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