• 20.05.2003, 12:00:39
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Größtes Biomassekraftwerk Österreichs geht 2006 in Wien ans Netz

Rieder: Ökologische Stromerzeugung muss sich auch wirtschaftlich rechnen

Wien (OTS) - "Die Entscheidung für die Errichtung eines
Biomassekraftwerks für Wien ist die Fortsetzung einer umfassenden
ökologischen Energiepolitik in unserer Stadt. Neben den ökologischen
Aspekten - wie der CO2-Reduktion - stehen aber auch ökonomische
Aspekte im Mittelpunkt unserer Überlegungen, denn auch Stromerzeugung
aus erneuerbaren Energiequellen muss sich rechnen", so Wiens Finanz-
und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des
Mediengesprächs des Bürgermeisters, an dem der Klubobmann der Wiener
Grünen, Mag. Christoph Chorherr, und der Geschäftsführer der Wien
Energie GmbH, OSR Mag. Dr. Michael Obentraut, teilnahmen. Die
wirtschaftliche Basis für das Projekt stellt das Ökostromgesetz 2002
dar. Darin ist die Förderung für Stromerzeugung aus erneuerbaren
Energiequellen festgeschrieben. Dafür gilt seit dem 1. Jänner 2003
ein Zuschlag auf den Strompreis von 0,134 Cent/Kilowattstunde, den
alle österreichische Stromkunden zahlen. Ziel des Ökostromgesetzes
ist es, den Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen
auf 4 Prozent zu steigern.

Ein weiterer Standpfeiler dieses Projektes ist die Zulieferung
mit Brennmaterial. Die Wien Energie GmbH steht zur Zeit mit den
Österreichischen Bundesforsten in Verhandlung. Geplant ist eine
langjährige Liefervereinbarung, die wiederum der heimischen
Fortwirtschaft zugute kommen wird. "Generell stellt dieses Projekt
mit einem Investitionsvolumen von 40 bis 45 Millionen Euro auch einen
wesentlichen Impuls für die Bauwirtschaft für die nächsten Jahre
dar", so Rieder.

Als Standort für die Errichtung eines Biomassekraftwerks ist
aufgrund der dort bereits vorhandenen Infrastruktur das Gelände des
Kraftwerks Simmering vorgesehen. Das Biomassekraftwerk, das mit
Frischholz befeuert werden wird, hat eine geplante Leistung von rund
60 Megawatt, wobei rund zwei Drittel der gewonnen Energie als
Fernwärme für die Wiener Haushalte zur Verfügung stehen werden. Das
Biomassekraftwerk wird - so wie die anderen Wiener Kraftwerke - Strom
und Fernwärme gleichzeitig erzeugen. Die Errichtungskosten belaufen
sich auf 40-45 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist für 2006
vorgesehen.

Wiener Biomassekraftwerk reduziert CO2-Ausstoss um 144.000
Tonnen

Durch das konsequente Forcieren der Kraft-Wärme-Kopplungen
konnte in den Kraftwerken der Wien Energie GmbH seit 1990 der Ausstoß
an CO2 um rund 30 Prozent reduziert werden. Mit dem Biomassekraftwerk
kann ab 2006 eine weitere Reduktion um 144.000 Tonnen jährlich
erreicht werden. Dies entspricht einer Verbrennung von 44.000 Tonnen
Heizöl schwer. Generell ist der Einsatz von Biomasse CO2-neutral. Das
heißt, beim Wachsen der Pflanzen wird in etwa soviel CO2 benötigt,
wie bei der Verbrennung derselben frei wird.

Als Standort wurde das Gelände des Kraftwerks Simmering
ausgewählt, weil die entsprechende Infrastruktur bereits gegeben ist.
Dort sind die Leitungen für die Versorgung mit Kühl- und Löschwasser
vorhanden. Die Einspeisung der erzeugten Fernwärme und des erzeugten
Stroms in die Wiener Netze ist aufgrund des bestehenden Kraftwerks
mit beiden Energieformen möglich.

Umweltschonend und wirtschaftlich

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist die
Einhaltung des Zeitplans zur Genehmigung und Inbetriebnahme des
Biomassekraftwerks. Auf Basis des Ökostromgesetzes wird
Energieerzeugung aus erneuerbaren Rohstoffen gefördert. Dies
geschieht über einen garantierten Stromabnahmetarif für solche
Anlagen. Dieser beträgt 10,2 Cent pro Kilowattstunde. Laut der
Verordnung zum Ökostromgesetz müssen derartige Anlagen bis spätestens
31.12. 2004 genehmigt und bis Juni 2006 in Betrieb sein. Beide Ziele
sind im Plan der Wien Energie GmbH enthalten.

Kooperation mit den Bundesforsten

Ein weiteres Kriterium zur Erlangung der Wirtschaftlichkeit ist
die Versorgungssicherheit mit Brennstoff. Für den Betrieb des mit
rund 60 Megawatt dimensionierten Kraftwerks werden rund 600.000
Schüttraummeter Holz benötigt. Das entspricht einer Lieferung von
rund 35 LKWs, 30 Waggons oder 1 bis 2 Schiffsladungen täglich.

Zur Zeit verhandelt Wien Energie mit den Österreichischen
Bundesforsten über eine enge Kooperation bei der Holzzulieferung.
Ebenfalls angedacht ist die Einbindung der Österreichischen
Bundesforste in eine gemeinsame Gesellschaft zur Errichtung und auch
zum Betrieb des Biomassekraftwerks. Ein diesbezüglicher Letter of
Intent soll in nächster Zeit unterzeichnet werden.

Wiener Energietechnologie

Europaweites Ziel ist es, den Schadstoffausstoß aus
Stromerzeugungsanlagen wesentlich zu reduzieren. In Wien wurde dies
auch bisher bereits getan. Mit der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik
werden die eingesetzten Brennstoffe Gas und Öl besonders effizient
genutzt. Mit der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Fernwärme
erhöht sich der sogenannte Wirkungsgrad von Kraftwerken auf bis zu 86
Prozent. Diese gebündelte Erzeugungsform schützt bereits jetzt die
Umwelt, weil dadurch der Schadstoffausstoß reduziert wird. Dies lässt
sich nachweisen: In den letzten 25 Jahren wurden alle in Wien
gebauten kalorischen Kraftwerke mit einer Kraft-Wärme-Kopplung
ausgestattet. Seither sank der Ausstoß an Schwefeldioxid um 99
Prozent. Jährlich können durch die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen
166.000 Tonnen Heizöl eingespart werden, was einer Emissionsreduktion
von 525.000 Kohlendioxid gleichkommt.

Diese Energiepolitik wirkt sich konkret auf die Lebensqualität
im Wiener Raum aus. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den
USA werden jährlich pro Einwohner 20,3 Tonnen Kohlendioxid
freigesetzt. In Deutschland sind es immer noch 10,7 Tonnen. Der
österreichische Durchschnitt liegt bei 7,7 Tonnen - Wien liegt mit
4,3 Tonnen deutlich darunter.

Die EU strebt eine Verdoppelung der Produktion von KWK-Energie
an. Sie will die KWK-Erzeugung von 9 auf 18 Prozent anheben. Dadurch
soll der CO2 - Ausstoß in der EU um 4 Prozent verringert werden. In
Wien ist diese Entwicklung bereits vorweggenommen. Wienstrom zeigt,
dass eine Großstadt auch ohne Atomkraftwerk mit Energie versorgt
werden kann.

Erneuerbare Energien verstärkt nutzen

Mit der EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energiequellen
vom 27. September 2001 hat die EU seine Mitgliedstaaten verpflichtet,
"geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Steigerung des Verbrauchs
von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu den in der Richtlinie
genannten Richtzielen zu fördern.

Im Ökostromgesetz 2002 ist die Anhebung des Strom Anteils aus
erneuerbaren Energiequellen auf 4 Prozent vorgesehen. Wien leistet -
wie auch im Wiener Klimaschutzprogramm vorgesehen - mit seinen
Kraft-Wärme-Kopplungen eine wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz.

Eckdaten Biomassekraftwerk Simmering:

Die Stadt Wien verfolgte bereits lange vor dem Beitritt zur
Europäischen Union eine vorbildliche Umweltpolitik. Die Wien Energie
GmbH möchte mit dem Projekt Biomassekraftwerk Simmering einen Beitrag
zu deren engagierten Weiterführung leisten. Nachfolgend soll daher
ein zusammenfassender Überblick über das Projekt Biomassekraftwerk
Simmering gegeben werden.

o Brennstoffausnutzung: 82,25 Prozent
o Elektrische Bruttoleistung: 12,36 MW
o Fernwärmeentnahme (KWK - Betrieb): 39,05 MW
o Maximale Brennstoffwärmeleistung: 62,5 MW
o Investitionssumme: 40-45 Mio. Euro
o Ökostromerlöse lt. Gesetz: 10,2 ct/kWh
(Stromeinspeisetarif gilt für 13 Jahre)

(Schluss) mmr

OTS0119    2003-05-20/12:00

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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