Waneck: WHO-Generalversammlung: Umwelt- und Gesundheitspolitik für Kinder

Kinder sind immer öfter überfordert

Genf, (BMGF/STS) – "Die Integration von Umwelt- und Gesundheitsaspekten in die aktuelle Politik ist eine Hauptaufgabe auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, von der vor allem auch unsere Kinder profitieren werden", betonte heute FP-Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck anlässlich der jährlichen WHO-Generalversammlung in Genf. "Gleichbedeutend mit einer intakten Umwelt sind soziale und psychische Faktoren dafür verantwortlich, ob Kinder in einer gesundheitsförderlichen Umgebung aufwachsen." ****

In der Praxis bedeute dies, so Waneck weiter, Kindern die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben, sie als eigenständige Persönlichkeiten wahrzunehmen, sie partizipieren und mitgestalten zu lassen. "Kinder, die bei der Entwicklung von Lebenskompetenzen unterstützt und in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden, sind besser gegen Suchtverhalten und Verhaltensstörungen gewappnet", betonte Waneck. In diesem Zusammenhang verwies Waneck auf verschiedene Projekte des "Fonds Gesundes Österreich", wie etwa die im vergangenen Herbst durchgeführte Nichtraucher-Kampagne "Ich brauch's nicht", oder das derzeit in Planung stehende Pilotprojekt "Kein Alkohol unter 16". Weiters seien in allen neun Bundesländern "Fachstellen für Suchtprävention" eingerichtet worden, die sich schwerpunktmäßig mit der Prävention im Bereich der illegalen Drogen, aber in starken Maße auch mit der Prävention des Konsums von Alkohol und Tabak befassen.

"Mit solchen und ähnlichen Projekten sollen Kinder und Heranwachsende zu einer gesundheitsförderlichen Verhaltensänderung angeregt werden und damit zur Verbesserung ihrer Umwelt aktiv und gestaltend beitragen. Somit tragen nicht nur wir Erwachsene sondern auch unsere Kinder zu einer gesunden Umwelt bei", so Waneck.

Eine gesunde Umwelt nehme in Österreich einen hohen Stellenwert ein, so Waneck. Deshalb habe sich unser Land in der Vergangenheit immer bemüht, einen entsprechenden Standard im Umweltschutz zu erhalten, wissend, dass eine gesunde Umwelt auch für die Gesundheit der Menschen wichtig sei. "Das gilt nicht nur für Erwachsene, sondern in besonderem Maße für Kinder, die als schwächeres und empfindlicheres Glied unserer menschlichen Gesellschaft besonderen Schutzes bedürfen", betonte Waneck.

"Eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Umfeld stellen auch Maßnahmen der gesundheitlichen Vorsorge für die Kinder selbst dar", so Waneck. Hier sei etwa das Mutter-Kind-Pass-Untersuchungsprogramm besonders hervorzuheben, das seit Anfang der 70er-Jahre der gesundheitlichen Vorsorge von Schwangeren und Kleinkindern diene. Dieses Vorsorgeprogramm beinhalte 5 Untersuchungen der Schwangeren und 9 Untersuchungen der Kinder bis Ende des 5. Lebensjahres und habe mit dazu beigetragen die Säuglingssterblichkeit kontinuierlich zu senken (1980: 14,3 Promille; 1990: 7,8; 2000: 4,8; 2001: 4,8 Promille).

Auch, so Waneck weiter, werde in Österreich ein kostenloses Impfkonzept für alle Kinder und Heranwachsenden angeboten. Dieses Konzept beinhalte sowohl Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, als auch gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Haemophilus, Kinderlähmung und Hepatitis B. Selbstverständlich seien in diesem Konzept auch Auffrischungsimpfungen für Schulanfänger und –abgänger inkludiert.

In unserer modernen Informationsgesellschaft sei ein Anstieg der stressbezogene Krankheiten zu verzeichnen. Der Hälfte der Kinder fehle eine eigen gestaltete sinnvolle Freizeitbeschäftigung nach der Schule, ein Fünftel lebe in Familien mit nur einem Elternteil und jedes dritte Kind in der Unterstufe des Gymnasiums gehe in Klassen mit mehr als 25 Schülern. Diese Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen und treffe in hohem Maße auch für andere europäische Länder zu. In all diesen Punkten werde die Voraussetzung für Stress und den daraus resultierenden Gesundheitsdefekten bei Kindern geschaffen, so Waneck. So seien Kinder in zunehmendem Maße mit einer beträchtlichen Ausgrenzung konfrontiert, abgesondert in ihrem Leben von Eltern, von Klassenkameraden u.s.w. Dies führe in der Folge zu zunehmenden Relationsstörungen.

In den vergangenen Jahren sei auch einen Zunahme der Befindlichkeitsstörung in gleicher Weise bei Kindern und Erwachsenen zu verzeichnen gewesen. So zeige etwa eine skandinavische Studie, dass ungefähr die Hälfte der 15jährigen Mädchen regelmäßig Kopfweh hätten, was eine Verdoppelung innerhalb von 10 Jahren bedeute. Ein Fünftel der Kinder erfülle die Kriterien des sogenannten Angststress-Syndroms, jedem zehnten Kind gehe es schlecht durch Verwahrlosung, Mangel an Kontakt und physischer Lenkung oder einfach Ignoranz. Dazu komme noch der sexuelle Missbrauch und/oder Misshandlungen, zeigte Waneck auf.

"Die heutigen Kinder wachsen zunehmend mit Konflikten auf, leiden unter Abwesenheit oder Desinteresse der Eltern und vermissen die Stütze der Eltern. Daher weisen immer mehr Kinder allzu deutliche Zeichen von mentaler, körperlicher oder gesundheitlicher Mängeln auf", warnte Waneck. "Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr in entsprechender Weise um seine Kinder kümmern kann, ist krank, alt und verdient nicht eine zivilisierte Gesellschaft genannt zu werden", schloss Waneck. (bxf) mg

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