Schweiz verpasst bei Atom-Initiative einmalige Chance

Europaweiter Atomausstieg muss von Österreich ausgehen

Zürich/Wien (OTS). – Die Schweizer Bevölkerung hat gestern eine einmalige Chance verpasst: Sie hat sich gegen den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Die fünf alten Reaktoren sind dadurch noch unsicherer geworden und die Probleme und Gefahren bleiben weiterhin bestehen. Für das österreichische Greenpeace-Volksbegehren für ein "atomfreies Europa" bedeutet das eine gesteigerte Bedeutung. Greenpeace hat sich zum Ziel gesetzt, der Atomenergie den Hahn abzudrehen. Das ist gestern in der Schweiz nicht möglich gewesen. Deshalb sind jetzt die Österreicher gefordert und können ihre Unterschrift für den europaweiten Atomausstieg in der Eintragungswoche vom 10. - 17. Juni abgeben. Heute steht der Greenpeace-Bus auf dem Marktplatz in Dornbirn um die Vorarlberger über das Volksbegehren zu informieren. Morgen werden sich die Tiroler Bürger vor der Annasäule in Innsbruck weitere Informationen holen können.

Die schweizer Atommeiler gehören bereits jetzt zu den weltweit ältesten. Sie stammen aus der atomtechnologischen Steinzeit, aus den Sechziger und Siebziger Jahren. Mit jedem Tag Betriebszeit steigt das Risiko eines Unfalls. "Solche veralteten Reaktoren weiter zu betreiben, wie es die Atomwirtschaft verlangt, ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Man weiß immer noch nicht, wohin mit dem Atommüll. Sollte tatsächlich ein Atommülllager in der Schweiz gebaut werden, haben die Standortkantone überhaupt kein Mitspracherecht mehr. Somit profitieren nur wenige vom teueren Atomstrom, aber die Risiken werden uns allen aufgebürdet", erklärt Greenpeace-Volksbegehrenssprecher Erwin Mayer.

Greenpeace fordert die österreichische Bundesregierung deshalb über
das Volksbegehren für ein atomfreies Europa auf, sich dafür einzusetzen, dass alle Atomförderungen gestrichen werden. Die Aufstockung der Euratom-Kredite von vier auf sechs Milliarden Euro – für die auch Österreich mitzahlen müsste – soll durch ein österreichisches Veto verhindert werden. "Kein österreichischer Steuer-Euro für die europäische Atomindustrie" ist darum eine zentrale Forderung des Volksbegehrens.

Seit zehn Jahren wurden in der EU keine neuen AKW mehr gebaut. Energiekommissarin Loyola de Palacio versucht nun, der europäischen Atomindustrie mit einem umfangreichen "Überlebenspaket" auf die Füße zu helfen. "Angesichts von Bauplänen für schmutzige Bomben in den Händen von Terroristen geht dieser Vorstoß in die völlig falsche Richtung", betont Mayer.

Mit dem Volksbegehren fordert Greenpeace die Österreicher auf,
ein
Verfassungsgesetz zu unterstützen, mit dem die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung verpflichtet werden, auf europäischer Ebene für den europaweiten Atomausstieg einzutreten. Angesichts des bevorstehenden Comebacks der Europäischen Atomindustrie setzt Greenpeace ein klares Zeichen in Richtung Brüssel. Andere Länder sollen sich diesem Signal anschließen. "Wir wollen mit dem Volksbegehren eine Kettenreaktion der anderen Art in Europa auslösen, so Mayer.

Mehr im Internet: http://www.greenpeace.at/volksbegehren
Zur Schweizer Anti-Atom-Initiative:
http://info.greenpeace.ch/de/atom/index

Rückfragen & Kontakt:

Axel Grunt,
Pressesprecher Greenpeace,
tel. 0664-2407075
Mag. Erwin Mayer,
Volksbegehrenssprecher Greenpeace,
tel. 01-5454580-48 oder 0664-2700441
Leo Scherer,
Atom-Experte Greenpeace Schweiz,
tel. 0041-78-7204836

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