• 19.05.2003, 10:58:40
  • /
  • OTS0071 OTW0071

Schweiz verpasst bei Atom-Initiative einmalige Chance

Europaweiter Atomausstieg muss von Österreich ausgehen

Zürich/Wien (OTS). – Die Schweizer Bevölkerung hat gestern eine
einmalige Chance verpasst: Sie hat sich gegen den Ausstieg aus der
Atomenergie ausgesprochen. Die fünf alten Reaktoren sind dadurch
noch unsicherer geworden und die Probleme und Gefahren bleiben
weiterhin bestehen. Für das österreichische Greenpeace-Volksbegehren
für ein "atomfreies Europa" bedeutet das eine gesteigerte Bedeutung.
Greenpeace hat sich zum Ziel gesetzt, der Atomenergie den Hahn
abzudrehen. Das ist gestern in der Schweiz nicht möglich gewesen.
Deshalb sind jetzt die Österreicher gefordert und können ihre
Unterschrift für den europaweiten Atomausstieg in der
Eintragungswoche vom 10. - 17. Juni abgeben. Heute steht der
Greenpeace-Bus auf dem Marktplatz in Dornbirn um die Vorarlberger
über das Volksbegehren zu informieren. Morgen werden sich die
Tiroler Bürger vor der Annasäule in Innsbruck weitere Informationen
holen können.

Die schweizer Atommeiler gehören bereits jetzt zu den weltweit
ältesten. Sie stammen aus der atomtechnologischen Steinzeit, aus den
Sechziger und Siebziger Jahren. Mit jedem Tag Betriebszeit steigt
das Risiko eines Unfalls. "Solche veralteten Reaktoren weiter zu
betreiben, wie es die Atomwirtschaft verlangt, ist ein gefährliches
Spiel mit dem Feuer. Man weiß immer noch nicht, wohin mit dem
Atommüll. Sollte tatsächlich ein Atommülllager in der Schweiz gebaut
werden, haben die Standortkantone überhaupt kein Mitspracherecht
mehr. Somit profitieren nur wenige vom teueren Atomstrom, aber die
Risiken werden uns allen aufgebürdet", erklärt Greenpeace-
Volksbegehrenssprecher Erwin Mayer.

Greenpeace fordert die österreichische Bundesregierung deshalb
über
das Volksbegehren für ein atomfreies Europa auf, sich dafür
einzusetzen, dass alle Atomförderungen gestrichen werden. Die
Aufstockung der Euratom-Kredite von vier auf sechs Milliarden Euro –
für die auch Österreich mitzahlen müsste – soll durch ein
österreichisches Veto verhindert werden. "Kein österreichischer
Steuer-Euro für die europäische Atomindustrie" ist darum eine
zentrale Forderung des Volksbegehrens.

Seit zehn Jahren wurden in der EU keine neuen AKW mehr gebaut.
Energiekommissarin Loyola de Palacio versucht nun, der europäischen
Atomindustrie mit einem umfangreichen "Überlebenspaket" auf die Füße
zu helfen. "Angesichts von Bauplänen für schmutzige Bomben in den
Händen von Terroristen geht dieser Vorstoß in die völlig falsche
Richtung", betont Mayer.

Mit dem Volksbegehren fordert Greenpeace die Österreicher auf,
ein
Verfassungsgesetz zu unterstützen, mit dem die Mitglieder der
österreichischen Bundesregierung verpflichtet werden, auf
europäischer Ebene für den europaweiten Atomausstieg einzutreten.
Angesichts des bevorstehenden Comebacks der Europäischen
Atomindustrie setzt Greenpeace ein klares Zeichen in Richtung
Brüssel. Andere Länder sollen sich diesem Signal anschließen. "Wir
wollen mit dem Volksbegehren eine Kettenreaktion der anderen Art in
Europa auslösen, so Mayer.

Mehr im Internet: http://www.greenpeace.at/volksbegehren
Zur Schweizer Anti-Atom-Initiative:
http://info.greenpeace.ch/de/atom/index

OTS0071    2003-05-19/10:58

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel