• 13.05.2003, 14:37:19
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"quasi una fatasia" im Jüdischen Museum Wien

Juden und die Musikstadt Wien

Wien (OTS) - Im Jüdischen Museum der Stadt Wien ist vom 14. Mai
bis 21. September die Ausstellung "quasi una fatasia" zu sehen, die
das Museum in Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen zeigt: die
umfassende Schau setzt sich mit dem jüdischen Anteil am Wiener
Musikleben auseinander, der sich sowohl in der "ernsten" Musik
niederschlägt wie in der leichten Muse. Jüdische Komponisten,
Librettisten, Interpreten und Mäzene prägten das Leben der Musikstadt
Wien um das fin de siecle, aber auch im Publikum war die jüdische
Glaubensgruppe überrepräsentiert, wie sich bei den Opfern des
Ringtheaterbrandes herausstellte. Die Ausstellung, die vom
ausklingenden 19. Jahrhundert bis in die zweite Republik führt,
dokumentiert den jüdischen Anteil am Wiener Musikleben und zeigt
darüber hinaus ein kultur- und zeitgeschichtliches Panorama, das sich
auch mit der Vertreibung des Geistes, der Kultur und damit auch der
Musik im Gefolge des Nationalsozialismus sowie mit den Spätfolgen
dieser Entwicklung in der Zweiten Republik auseinander setzt.

Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny, der am Diensteg
gemeinsam mit den Verantwortlichen und Gestaltern vom Jüdischen
Museum und den Wiener Festwochen die Ausstellung vorstellte, verwies
auf die Bedeutung dieses Themas. Nach der Literatur und der bildenden
Kunst sei es hoch an der Zeit, sich auch im Bereich der Musik mit
diesen Ereignissen auseinander zu setzen und Aufklärung, insbesonders
für die heutige Jugend zu leisten. Mailath verwies auch darauf, dass
die Stadt Wien alle Anstrengungen unternehme, um Erwerbungen von
Kunst- und Kulturgegenständen in der betreffenden Ära zu überprüfen
und fragwürdige Erwerbungen zurückzustellen.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum ist Sonntag bis Freitag von
10 bis 18 Uhr, an Donnerstagen von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der
Eintritt beträgt 5 Euro, es gibt verschiedene Ermäßigungen,
Schulklassen in Begleitung eines Lehrers haben freien Eintritt und
eine kostenlose Führung. Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter
Katalog mit zwei Audio-CDs zum Preis von 29 Euro erschienen.
Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Musikprogramm
im Konzerthaus, Musikverein, Schönberg-Center und im Jüdischen Museum
selbst.****

Die Ausstellung führt den Besucher, dem ein Audioguide mit
Musikbeispielen wertvolle Dienste leistet, zunächst in die Musikstadt
Wien der Ringstraßenzeit mit ihren zahlreichen Kultur- und
Musikinstitutionen, die gerade auch von der jüdischen Bevölkerung der
Stadt sehr frequentiert wurden. Der Musikpädagoge Dr. Guido Adler
steht symbolisch für die nächste Station "Musik in privaten Räumen",
die sich mit der Wiener Salonkultur auseinandersetzt. Das Kapitel
"Die Moderne und ihr Publikum" erzählt von der Konfrontation der
Modernen Musik mit dem Publikum. Den hohen Anteil jüdischer
Komponisten und Librettisten an der Wiener Operette und generell an
der Unterhaltungsmusik schildert eine weitere Etappe der Ausstellung.
Die Rivalität der Musikstädte Wien und Berlin in der
Zwischenkriegszeit, in der viele Wiener Musiker zunächst nach Berlin
gingen, um 1933 bis 1938 wieder nach Wien zurückzukehren, wird ebenso
dargestellt, wie die Vertreibung aus Wien, der Gang der jüdischen
Musikschaffenden mit einem großen Teil der Kulturszene der Stadt ins
Exil. Es wird aber auch das Schicksal jener Musiker beschrieben, die
den Gang in die Konzentrationslager antraten und die "Arisierung" der
Kriegsjahre in Beispielen dargestellt. Schließlich führt die
Ausstellung in das Wien nach 1945 - "Die Musikstadt als Stadt ohne
Juden?" Hier ist nicht nur die Renaissance von Gustav Mahler und der
Triumph von Leonard Bernstein ein Thema, sondern auch die Tatsache,
dass man sich kaum um die Rückkehr der Vertriebenen bemühte.

o Informationen:
http://www.jmw.at/

rk-Fotoservice: http://www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) gab/rr

OTS0192    2003-05-13/14:37

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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