Amerika in Oberwaltersdorf

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Peter Muzik

Wien (OTS) - Frank Stronach macht’s möglich: Der schillernde Austrokanadier holt Mathias Reichhold für eine kolportierte Jahresgage von 500.000 Euro zu Magna. Damit hat nach Susanne Riess-Passer, die bei Wüstenrot gelandet ist, auch der frühere Kurzzeit-Minister endlich einen neuen, reputierlichen Job gefunden.

Stronach, der sich seine eigenen Dienste im Vorjahr mit 35 Millionen Euro abgegolten hat, zeigte immer schon ein Faible für rot-weiss-rote, aber auch blaue Ex-Politiker: Abgesehen von Franz Vranitzky, der im Magna-Aufsichtsrat sitzt, engagierte er seinerzeit den früheren Kärntner Jungstar Karl-Heinz Grasser, der auch heute noch ein Retourticket besitzen soll, sowie Ex-SPÖ-Geschäfts-führer Andreas Rudas - den einstigen FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler brachte er schliesslich bei der Fussball-Bundesliga unter.

Dass sich der urige Selfmade-Millionär aus der Steiermark so gerne mit einstigen Politgrössen umgibt, wäre im Prinzip eine reine Privatangelegenheit und ginge eigentlich niemanden etwas an - auch wenn er dafür noch so astronomische Gagen zahlt. Nur stellt sich halt die legitime Frage, warum das Frank Stronach gar so gezielt macht, was er sich davon verspricht und ob daran irgendetwas nicht koscher sein könnte.

Nun, zunächst einmal steht fest: Nicht jeder ausrangierte Politiker muss zwangsweise ein Vollkoffer sein, der zu gar nichts und schon gar nicht zum Manager taugt - manche erweisen sich im späteren Leben allein dank ihrer Beziehungen als wert- und wirkungsvolle Führungskräfte. Und sicherlich bringt auch ein Mann wie Reichhold, der als Biobauer durchaus Erfolge vorzuweisen hat, im Bereich Weltraumtechnologie und Verkehrsfragen entsprechende Qualitäten mit -auch wenn er diese als Infrastruktur-Minister nicht schonungslos offengelegt haben mag. Ob das gleich 500.000 Euro pro Jahr wert ist, müssen wir ja an dieser Stelle nicht entscheiden.

Dass Stronach laut "News"-Herausgeber Alfred Worm "wie ein Staubsauger Altpolitiker aller Couleurs aufsammelt", hat wohl primär mit seinem kosmopolitischen Background zu tun: Was in den USA, wo zahllose Ex-Politiker bei Konzernen aller Art heftig mitzumischen und mitzukassieren pflegen, längst üblich ist, das ist für Frankie-Boy eben gerade gut genug. Deshalb importiert er die amerikanischen Sitten, die bisweilen an Unsitten grenzen, ins Magna-Headquarter nach Oberwaltersdorf. Und es ist ihm völlig egal, dass irgendwer auf blöde Gedanken kommen könnte ...

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