• 08.05.2003, 10:44:09
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Greenpeace fordert Rücktritt des Direktors des AKW Paks

Warnung vor ähnlichen Störfällen bei Reinigungsarbeiten in Block vier

Wien/Budapest (OTS). – Nach dem neuerlichen Störfall im
ungarischen Atomkraftwerk Paks fordert Greenpeace den sofortigen
Rücktritt des verantwortlichen Direktors István Kocsis. Greenpeace
kritisiert die mangelhafte Informationspolitik der
Kraftwerksbetreiber gegenüber den ungarischen und österreichischen
Behörden. "Wenn nicht einmal der für das AKW verantwortliche
Wirtschaftsminister in Ungarn rechtzeitig von Störfällen informiert
wird, zeugt das von einem unglaublichen Chaos in einem höchst
gefährlichen Bereich. Paks muss Chefsache werden. Der ungarische
Premierminister Péter Medgyessy muss hier klar die Verantwortung
übernehmen", erklärte Greenpeace-Atomexperte Erwin Mayer, "es ist
ein unhaltbarer Zustand, dass der Wirtschaftsminister sowohl
Eigentümervertreter als auch oberste Kontrollbehörde ist. Die
Kompetenzen müssen unverzüglich getrennt werden!" Die
Umweltorganisation warnt außerdem davor, dass sich im Zuge der
Reinigungsverfahren bei den anderen Reaktoren in Paks weitere
Unfälle ereignen könnten, wenn das gleiche Verfahren wie im Block
zwei angewendet wird. Greenpeace bezeichnete die vor kurzem
beschlossene Lebenszeitverlängerung der vier Reaktoren um zehn Jahre
als "völlig verantwortungslos".

Die Umweltorganisation befürchtet einen ähnlichen Störfall im
Block
vier des Kraftwerkes russischer Bauart, sollte dort das gleiche
Reinigungsverfahren wie zuvor im Block zur Anwendung kommen. Erwin
Mayer von Greenpeace erklärt dazu: "Greenpeace liegen Informationen
vor, wonach auch der Block vier von Paks einer Reinigungsprozedur
unterzogen werden soll. Es war uns bisher nicht möglich,
Informationen darüber zu erhalten, welches Verfahren dabei
angewendet werden soll. Es ist aber zu befürchten, dass es sich um
das gleiche Verfahren handelt wie im Block zwei, bei dem es am 10.
April zu einem schweren Störfall mit Freisetzung radioaktiver Gase
im Kraftwerk gekommen ist. Wir fordern die Einsetzung einer
europäischen Expertenkommission mit österreichischer Beteiligung um
den wahren Unfallhergang in allen Details offen zu legen. Bevor die
Ergebnisse der Expertenkommission vorliegen, ist es unverantwortlich
sowohl den Block zwei wieder in Betrieb zu nehmen als auch die
heikle Reinigungsprozedur in Block vier zu wiederholen."

Greenpeace bezeichnete es als bedenklich, dass nach dem AKW
Temelin
in Tschechien und Bohunice in der Slowakei nun auch das ungarische
Paks als "Pannenreaktor" einzustufen ist. Umso unverständlicher ist
es für Mayer, dass in Ungarn eine Betriebsverlängerung für Paks um
zehn Jahre geplant ist: "Fünf Tage vor dem ersten Störfall in Paks
hat die Aufsichtsratsversammlung des Kraftwerks ein Budget für die
Lebenszeitverlängerung der vier Reaktoren verabschiedet. Die
Störfälle und die schleppende Informationspolitik der
Kraftwerksbetreiber unterstreichen die Notwendigkeit eines raschen
europäischen Atomausstieges. "Es gibt keine Alternative zum
europäischen Atomausstieg", sagte Mayer.

In Europa droht ein Comeback der Atomindustrie. Nicht weniger als
29
neue Reaktoren sind in Planung oder Diskussion. Deshalb hat
Greenpeace ein Volksbegehren für ein "atomfreies Europa"
eingeleitet, das vom 10. bis zum 17. Juni 2003 auf allen
österreichischen Gemeindeämtern zur Unterschrift aufliegt. Mayer:
"Die anhaltenden atomaren Störfälle wie in Paks unterstreichen die
Dringlichkeit des Atomausstiegs. Jede Unterschrift für das
Volksbegehren ist ein Auftrag an die Bundesregierung, sich in der EU
endlich für den Ausstieg aus der Atomkraft einzusetzen", schloss
Mayer.

OTS0061    2003-05-08/10:44

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