Ordinationsguide 2: Wiener Versorgung auf Weltstadtniveau

Hohe Ärztedichte und hohes Leistungsspektrum

Wien (OTS) - Anlässlich der Präsentation des neuen Wiener Ordinationsguides betont Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner, dass Wien über eine sehr gute Versorgung im niedergelassenen Bereich verfüge: "Die medizinische Versorgung ist in Wien auf Weltstadtniveau, sowohl hinsichtlich der Ärztedichte als auch im Hinblick auf das gebotene Leistungsspektrum."****

Wien weist definitiv eine sehr hohe Ärztedichte auf: So entfallen in der Bundeshauptstadt auf 100.000 Einwohner 51,87 niedergelassene Allgemeinmediziner mit §-2-Kassenvertrag (Gebietskrankenkasse). Der Schnitt für Gesamtösterreich liegt bei lediglich 48,76. Ähnlich auch die Situation bei den niedergelassenen Fachärzten mit §-2-Vertrag:
Hier müssen sich österreichweit 100.000 Einwohner auf 33,33 Facharztordinationen aufteilen, während die Wienerinnen und Wiener auf 51,32 Fachärzte zurückgreifen können.

Dorner: "Diese Zahlen belegen eindeutig, dass im städtischen Bereich die Ärztedichte viel höher ist als auf dem Land. Deshalb freuen wir uns auch, dass der von der Wiener Ärztekammer schon lange geforderte Weltstadtfaktor nun endlich in die Berechnungen der Gebietskrankenkasse aufgenommen wurde und als zu berücksichtigender Punkt im ASVG verankert ist."

Hoher Investitionsdruck

Die Sektionsvorsitzende der Fachärzte der Ärztekammer für Wien, MR Dr. Helga Azem, weiß jedoch, dass es trotz der guten medizinischen Versorgung einige Problembereiche für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Wien gibt. Azem: "Durch die technisch auf höchstem Niveau ausgestatteten Ordinationen, die hohe Ärztedichte und die sehr gut ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte ergibt sich ein hoher Wettbewerb im niedergelassenen Bereich." Eine Wiener Ordination müsse technisch sehr gut ausgestattet sein, weil sonst keine Patienten in die Ordination kämen. Deshalb gebe es in Wien auch kaum noch "Küchenkammerlordinationen". Azem: "Die Patienten machen ihre Arztwahl zunehmend vom äußeren Erscheinungsbild einer Ordination abhängig. Der Investitionsdruck für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist dadurch enorm."

Durch die großen und hochtechnisierten Krankenhäuser und die Universitätskliniken seien die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Wien gezwungen, sich mit den neuesten Therapiemöglichkeiten auseinander zu setzen und den Patienten in den Ordinationen diese Therapien auch anzubieten. Azem: "Gegenüber der Krankenkasse stehen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unter enormen Druck. Der Krankenkasse sind viele neue und innovative Therapien zu teuer und wir sollten diese nach Möglichkeit auch nicht verschreiben." Die Erwartungshaltung der Patienten sei aber hoch. Alles sollte machbar sein. "Wir sitzen hier in der Zwickmühle zwischen ökonomischem Druck der Krankenkassen und den Wünschen unserer Patienten."

80 Cent netto pro Monat und Patient

Ein Beispiel, das die Unternehmensberatung Hübner&Hübner im Auftrag der Wiener Ärztekammer errechnet hat: Ein Augenarzt bekommt pro Patient und Krankenschein für drei Monate durchschnittlich 37 Euro brutto von der Wiener Gebietskrankenkasse. Von diesen 37 Euro entfallen 32 Euro für Betriebskosten, Personalkosten und die Miete der Ordination. Das heißt, dass dem Arzt pro Patient für drei Monate fünf Euro brutto vor Steuer übrig bleiben. Bei einer 50prozentigen Steuerbelastung erhält der Augenarzt pro Patient und Monat 80 Cent netto. Daraus lässt sich leicht ableiten, wie viele Patienten in einer augenärztlichen Ordination behandelt werden müssen, um einem Augenarzt ein Einkommen, mit dem er seine eigene Familie erhalten kann, zu ermöglichen.

Laut Ärztekammerpräsident Walter Dorner tragen die Maßnahmen der Bundesregierung aber nichts dazu bei, um die schlechte finanzielle Situation der Sozialversicherung zu verbessern. "Selbstbehalte, wie immer sie aussehen mögen, können den enormen Finanzmangel nicht lösen", betonte der Ärztechef. Eine weitere Ausweitung der bereits bestehenden Selbstbehalte könne momentan nur ein kleines Finanzloch stopfen. Das berge aber die Gefahr in sich, dass die Vorsorgemedizin und die rechtzeitige Diagnose- und Therapiestellung verschleppt würden. Dorner: "Die nachträgliche Reparaturmedizin kommt dem System teurer als die Investitionen in Vorsorge und Präventionsprojekte."

Ärzte fordern unterschiedliche Finanzierungsvarianten

Nach Meinung der Ärztekammer sind eine Verbreiterung der Beitragsgrundlage und Beitragserhöhungen unausweichlich. Endlich angedacht werden sollten auch die Besteuerung von Tabak und Alkohol sowie eine Verbreitung der Beitragsgrundlage für Menschen, die besonders gefährliche Freizeitsportarten betreiben.

Dorner: "Die Sozialversicherungsbeiträge in Österreich haben noch kein internationales Niveau erreicht." Die niedergelassene Ärzteschaft übernehme den Hauptteil der Vorsorgemedizin und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. In der Medizin sei die persönliche Beziehung zwischen Patient und Arzt der wichtigste Teil auf dem Weg zur richtigen Diagnose und einer erfolgreichen Therapie. "Zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Arzt und Patient müssen in den Ordination besser gepflegt werden als in Ambulanzen oder Krankenhäusern. Dafür brauchen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aber Zeit", betonte Dorner.

Ein Inkasso in den Ordinationen sei für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte daher nicht tragbar. Dorner: "Die Patienten erwarten zu Recht eine gute und personenzentrierte medizinische Behandlung und Beratung, keinesfalls aber einen Arzt, der seine Betreuungszeit für Geldeintreiben hergeben muss." (bb/hpp)

(S E R V I C E - Der Ärzteführer "Wiens Ärzte 2003" ist zum Preis von Euro 9,-- in allen Wiener Trafiken erhältlich. Alle Daten über Wiens niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind weiters auf der Homepage der Ärztekammer für Wien http://www.praxisplan.at abrufbar.)

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