Randa hat den Machtkampf verloren

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Was im HypoVereinsbank-Konzern abläuft, ist kabarettreif. Der neue HVB-Chef Dieter Rampl kündigt vor Journalisten an, dass die BA-CA ihren Sonderstatus verlieren und der wichtige "Bank der Regionen“-Vertrag, der die Eigenständigkeit der Österreich-Tochter garantiert, nach seinem Auslaufen im Jahr 2005 nicht verlängert wird. Rampl hat sein Statement, so die HVB-Pressestelle in München, nicht zurückgenommen.

Seit Bekanntwerden von Rampls Aussagen ist bei der BA-CA in Wien der Teufel los. Kein geringerer als HVB-Vorstand Gerhard Randa, der als BA-CA-Chef den Deal mit den Münchnern eingefädelt hat, behauptet jetzt das komplette Gegenteil von Rampl. Wer von den beiden Recht hat, kann man erst feststellen, wenn der gesamte "Bank der Regionen“-Vertrag veröffentlicht wird. Aber weder Rampl noch Randa wollen mit dem Vertragswerk herausrücken.

Letztendlich ist aber schon jetzt klar, dass Rampl aus diesem Machtkampf als Sieger hervorgehen wird. Randa mag zwar der mächtigste Banker Österreichs sein, doch im HVB-Konzern hat Rampl das Sagen. Egal, wie man es mit dem "Bank der Regionen“-Vertrag drehen und wenden mag, die BA-CA ist eine 100-prozentige Tochter der HVB. Die Konzernentscheidungen fallen definitiv nicht in Wien, sondern in München. Randa ist zwar in den HVB-Vorstand aufgerückt, doch er kann dort von den fünf anderen Mitgliedern locker überstimmt werden.

Mag Randa die BA-CA einst wie ein Alleinherrscher geführt haben, in der HVB ist seine Macht beschränkt. Und es ist doch logisch, dass die Münchner mit den Sonderregelungen in Österreich (wie dem kostspieligen Sparkassen-Kollektivvertrag) aufräumen werden. Auch Randa hat die Creditanstalt nach fünfjährigem Fusionsverbot zur Gänze in die Bank Austria integriert und alle Unterschiede beseitigt.

Das Absurde am jetzigen Streit ist, dass der umstrittene "Bank der Regionen“-Vertrag von der HVB und der AVZ-Stiftung als früherer BA-CA-Eigentümer beschlossen wurde und nur von beiden Parteien gekündigt werden kann. Und in der AVZ-Stiftung sitzen noch immer HVB-Vorstand Randa und viele BA-CA-Vorstände, die bei allen Beschlüssen mit Randa durch dick und dünn gehen. Randa wird noch das Opfer seiner Doppelfunktion werden. Er kann nicht gleichzeitig als HVB-Vorstand die BA-CA integrieren und als AVZ-Stiftungsvorstand auf deren Unabhängigkeit pochen. Oder will die AVZ-Stiftung den HVB-Chef klagen?

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