- 30.04.2003, 12:03:04
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Greenpeace: Drohende Atomkatastrophe im ungarischen AKW Paks
Vier Tonnen Uran-Brennstäbe liegen am Boden des Abklingbeckens
Wien (OTS). – Nach neuesten Informationen von der technischen
Universität Budapest könnte der Unfall von Paks zu einem "kleinen
Tschernobyl" werden. Vier Tonnen radioaktiver Brennstäbe mit Uran
235 dürften demnach am Boden des Abklingbeckens liegen. "Es besteht
die realistische Chance, dass das Kernmaterial im Abklingbecken die
so genannte Rekritikalität erreicht", befürchtet Greenpeace-
Atomexperte Erwin Mayer. Das bedeutet, dass eine erneute
unkontrollierte Kettenreaktion auftreten könnte, was auch sehr
wahrscheinlich zu Emissionen von radioaktivem Material führen würde.
"Eine strahlende Wolke würde binnen kürzester Zeit die umliegenden
Regionen verseuchen, wenn dieser Fall Eintritt", beschreibt Mayer
die drohende Gefahr. Bisher hat die ungarische Kraftwerksleitung
jede präzise Auskunft über die Menge des radioaktiven Materials am
Boden des Abklingbeckens verweigert. "Das Atomvolksbegehren von
Greenpeace erlangt dadurch leider brennende Aktualität", bedauert
Mayer und fordert eine sofortige Expertenkommission.
Wie der Sprecher der Siemens-Tochterfirma ANP, Alexander
Machowetz,
bestätigte, ist eine noch unbekannte Zahl von radioaktiven
Brennstäben in Paks beschädigt worden. Derzeit wird gerade
untersucht, ob dieses Material mit einer Spezialkamera im
Abklingbecken gefilmt werden kann, wurde heute Mittag aus Budapest
bekannt. Wie groß die Schäden derzeit genau sind, ist deshalb noch
nicht abzusehen. Weil die Brennstäbe aus Russland verschieden von
den deutschen Brennstäben sind, werden zurzeit auch russische
Nuklearexperten zu Rate gezogen. Es handelt sich beim defekten AKW
in Paks um insgesamt vier Reaktoren der sowjetischen Bauart WWER 440-
213. Obwohl diese verschieden vom Tschernobyl-Typ sind, tritt bei
allen AKW durch das Eintreten einer unbeabsichtigten "Kritikalität"
die Kernschmelze ein.
Greenpeace fordert die sofortige volle Information der
österreichischen Bevölkerung durch die ungarischen Behörden über das
wahre Ausmaß dieses größten Unfalls seit Tschernobyl in Mittel- und
Osteuropa. Entgegen der langjährigen Tradition haben diesmal die
ungarischen Behörden die Nachbarländer nicht rechtzeitig und
vollständig informiert. "Das werten wir als einen weiteren Beweis
dafür, dass diesmal mehr passiert ist als bei normalen
Zwischenfällen. Greenpeace fordert die Zusammenstellung einer
österreichisch-slowakisch-slowenischen Expertenkommission und die
sofortige Entsendung nach Paks, um zu klären, ob der Vorfall nur
Stufe drei oder doch Stufe vier oder fünf auf der INES-Skala war.
"Umweltminister Josef Pröll steht hier vor seiner ersten wirklichen
Bewährungsprobe", fordert Mayer in Richtung Bundesregierung. Bereits
vor knapp drei Wochen wurde bekannt, dass beim Abkühlen von
abgebrannten Brennelementen die Behälter der Brennstäbe beschädigt
wurden und Kernmaterial abgesunken ist.
"Die drohende Gefahr eines verseuchten Mitteleuropas führt
wieder
einmal vor Augen, dass die Kerntechnologie nicht beherrschbar ist.
Wir müssen in Europa endlich aus der Atomkraft aussteigen",
appelliert Mayer an die Menschen in Österreich das Atom-
Volksbegehren zu unterzeichnen. Damit soll erreicht werden, dass die
Bundesregierung sich verlässlich für ein atomfreies Europa einsetzt.
"Wie viele Unfälle brauchen wir noch, bis die EU-Staaten endlich
einsichtig werden und den Ausstieg aus der Atomenergie beschließen?"
fragt Mayer abschließend.
Rückfragehinweis: MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace,
01-5454580-29 oder 0676-5147246
Mag. Erwin Mayer, Volksbegehrenssprecher
Greenpeace, 01-5454580-48 oder 0664-2700441
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