Greenpeace: Drohende Atomkatastrophe im ungarischen AKW Paks

Vier Tonnen Uran-Brennstäbe liegen am Boden des Abklingbeckens

Wien (OTS). – Nach neuesten Informationen von der technischen Universität Budapest könnte der Unfall von Paks zu einem "kleinen Tschernobyl" werden. Vier Tonnen radioaktiver Brennstäbe mit Uran 235 dürften demnach am Boden des Abklingbeckens liegen. "Es besteht die realistische Chance, dass das Kernmaterial im Abklingbecken die so genannte Rekritikalität erreicht", befürchtet Greenpeace-Atomexperte Erwin Mayer. Das bedeutet, dass eine erneute unkontrollierte Kettenreaktion auftreten könnte, was auch sehr wahrscheinlich zu Emissionen von radioaktivem Material führen würde. "Eine strahlende Wolke würde binnen kürzester Zeit die umliegenden Regionen verseuchen, wenn dieser Fall Eintritt", beschreibt Mayer die drohende Gefahr. Bisher hat die ungarische Kraftwerksleitung jede präzise Auskunft über die Menge des radioaktiven Materials am Boden des Abklingbeckens verweigert. "Das Atomvolksbegehren von Greenpeace erlangt dadurch leider brennende Aktualität", bedauert Mayer und fordert eine sofortige Expertenkommission.

Wie der Sprecher der Siemens-Tochterfirma ANP, Alexander Machowetz,
bestätigte, ist eine noch unbekannte Zahl von radioaktiven Brennstäben in Paks beschädigt worden. Derzeit wird gerade untersucht, ob dieses Material mit einer Spezialkamera im Abklingbecken gefilmt werden kann, wurde heute Mittag aus Budapest bekannt. Wie groß die Schäden derzeit genau sind, ist deshalb noch nicht abzusehen. Weil die Brennstäbe aus Russland verschieden von den deutschen Brennstäben sind, werden zurzeit auch russische Nuklearexperten zu Rate gezogen. Es handelt sich beim defekten AKW in Paks um insgesamt vier Reaktoren der sowjetischen Bauart WWER 440-213. Obwohl diese verschieden vom Tschernobyl-Typ sind, tritt bei allen AKW durch das Eintreten einer unbeabsichtigten "Kritikalität" die Kernschmelze ein.

Greenpeace fordert die sofortige volle Information der österreichischen Bevölkerung durch die ungarischen Behörden über das wahre Ausmaß dieses größten Unfalls seit Tschernobyl in Mittel- und Osteuropa. Entgegen der langjährigen Tradition haben diesmal die ungarischen Behörden die Nachbarländer nicht rechtzeitig und vollständig informiert. "Das werten wir als einen weiteren Beweis dafür, dass diesmal mehr passiert ist als bei normalen Zwischenfällen. Greenpeace fordert die Zusammenstellung einer österreichisch-slowakisch-slowenischen Expertenkommission und die sofortige Entsendung nach Paks, um zu klären, ob der Vorfall nur Stufe drei oder doch Stufe vier oder fünf auf der INES-Skala war. "Umweltminister Josef Pröll steht hier vor seiner ersten wirklichen Bewährungsprobe", fordert Mayer in Richtung Bundesregierung. Bereits vor knapp drei Wochen wurde bekannt, dass beim Abkühlen von abgebrannten Brennelementen die Behälter der Brennstäbe beschädigt wurden und Kernmaterial abgesunken ist.

"Die drohende Gefahr eines verseuchten Mitteleuropas führt wieder
einmal vor Augen, dass die Kerntechnologie nicht beherrschbar ist. Wir müssen in Europa endlich aus der Atomkraft aussteigen", appelliert Mayer an die Menschen in Österreich das Atom-Volksbegehren zu unterzeichnen. Damit soll erreicht werden, dass die Bundesregierung sich verlässlich für ein atomfreies Europa einsetzt. "Wie viele Unfälle brauchen wir noch, bis die EU-Staaten endlich einsichtig werden und den Ausstieg aus der Atomenergie beschließen?" fragt Mayer abschließend.

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