- 27.04.2003, 09:00:00
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"trend": WIFO-Direktor Kramer warnt vor Rezession
Der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts übt Kritik an EU-Finanzkommissar Solbes, der EZB und der Pensionsreform.
Wien (OTS) - Helmut Kramer, der Direktor des österreichischen
Wirtschaftsforschungsinstituts, warnt vor einer gesamteuropäischen
Depression. Man befinde sich in einer "keynesianischen Situation", es
gebe nirgendwo ausreichend Nachfrage, sagt er in einem Interview mit
dem am kommenden Dienstag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend":
"Dieser Zustand kann sich verfestigen und gerät leicht in Richtung
Depression. Eine hartnäckige Depression ist ein Risiko das man nicht
ausschließen kann."
Schuld an der prekären Situation sind laut Kramer verschiedene
Ursachen. Er übt in diesem Zusammenhang Kritik an EU-Finanzkommissar
Pedro Solbes: "Es besteht kein institutioneller Ansatz für eine
koordinierte europäische Offensive." Die EZB sollte nach der Meinung
Kramers den Zinssatz "deutlich mehr als einen Viertelprozentpunkt"
senken; sie habe "viel zu lange an ihrem wahrscheinlich zu ambitiösen
Stabilitätsziel festgehalten".
Auch die heimische Wirtschaftspolitik wird von Kramer kritisiert.
Zwar sei Budgetkonsolidierung "klar ein richtiges Ziel, das aber von
einer Wachstumsstrategie begleitet werden müsse. Leider sind auch in
Österreich diese Investitionen gedämpft worden." Das , was die
Regierung am Forschungssektor plane, sei "bestenfalls ein
Durchfüttern dessen, was es gibt". Kramer verlangt von der Regierung
die Erfüllung der "Hausaufgaben", konkret den "großen Nachholbedarf"
bei Infrastruktur und Bildung wett zu machen. Er bemängelt fehlende
Koordination in der Politik der Bundesregierung.
Zur laufenden Pensionsreform bemerkt Kramer im "trend"-Interview,
dass der angepeilte Spareffekt durch die Abschaffung der
Frühpensionen in relativ kurzem Zeitraum nicht gegeben sei: "Das
bedeutet ja noch lange nicht, dass die Leute dann beschäftigt sind.
Die geraten in erheblichem Ausmaß in die Arbeitslosigkeit und kosten
Arbeitslosengeld. Die Pensionsdebatte dämpft auch die Nachfrage und
hebt die Sparquote. "
Rückfragehinweis:
trend-Redkation, Helga Gartner 01/53470-2402
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