Drei Oscars für mehr Transparenz

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Dr. Peter Muzik

Wien (OTS) - Wolfgang Ruttenstorfer, Boss der OMV, hat im Vorjahr 782.000 Euro verdient, Böhler Uddeholm-Chef Claus J. Raidl 656.400 Euro und Verbund-General Hans Haider 497.677 Euro. Die drei Topmanager würden sich so nebenbei eine Art Oscar verdienen und zwar für die typisch unösterreichische Liebe zum Detail, mit der erstmals ihre Gagen veröffentlicht wurden. In den Geschäftsberichten der drei Unternehmen wird damit ein erfreuliches Signal gesetzt, das rasch Schule machen sollte. Die bislang übliche Geheimniskrämerei um die Gagen von Führungskräften ist nämlich nicht mehr zeitgemäss und daher überflüssig. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch viele andere Betriebe bald um volle Transparenz in dieser Angelegenheit bemühen:
Es genügt jedenfalls nicht, wenn etwa die Bank Austria-Creditanstalt in ihrem jüngsten Geschäftsbericht, wie bislang üblich, nur lapidar vermeldet, dass ihre Vorstandsmitglieder im Vorjahr 7,7 Millionen Euro verdient bzw. ehemalige Vorstandsdirektoren und deren Hinterbliebene sogar 9,5 Millionen Euro bezogen haben diese Infos müssten, wenigstens in Zukunft, schon präziser sein. Im ersten Schwung sollten daher insbesonders die grossen Betriebe Österreichs Stichwort: Corporate Governance einen wichtigen Beitrag leisten, um seitens der Wirtschaft Transparenz salonfähig zu machen. Von den Politikern ist diesbezüglich ja herzlich wenig zu erwarten: Die allgemeine Irritation kürzlich war durchaus berechtigt, als die Pensionsansprüche von langgedienten Polit-Granden durch die Zeitungen gegeistert sind. Die etwas astronomisch anmutenden Summen, die z.B. Wolfgang Schüssel, Herbert Haupt, Werner Fasslabend oder Günter Stummvoll den Lebensabend versüssen werden dabei geht es jeweils um rund 12.000 bis 13.000 Euro pro Monat stiessen nicht bloss der üblichen Neidgenossenschaft sauer auf; sie verblüfften auch durchaus gelassene Bürger, die sich gerade ausmalen können, wie bescheiden ihre eigene Pension einmal sein wird. In einem Land, wo Transparenz für die Mächtigen seit jeher meist ein Fremdwort ist, mutet es eben höchst seltsam an, wie elegant Politiker ihre Privilegien absichern. Ein rasantes Umdenken, letztlich eine Frage der moralisch-demokratischen Hygiene, kann also nur von Seiten der Wirtschaft initiiert werden: Ein erfolgreicher Spitzenmanager, der nichts zu verbergen hat, sollte wie in Schweden und den USA üblich auch öffentlich dazu stehen, wieviel er verdient.

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